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18.01.2010

13:59 Uhr

imm cologne

Möbelmesse will Lust auf Luxus wieder anfachen

VonIngo Reich

Nach harten Einschnitten ruht auf der imm cologne die Hoffnung der Branche. Auch die ostwestfälischen Möbelmarken Cor und Interlübke wollen die Messe nutzen, um die Krise hinter sich zu lassen. Einst Symbol des Bildungsbürgertums, kämpft das Unternehmen derzeit mit sinkenden Umsätzen.

Stuhl "Yuca" der Marke Cor: Während Interlübke auf Schranksysteme setzt, konzentriert sich Cor ganz auf Polstermöbel. Pressebild

Stuhl "Yuca" der Marke Cor: Während Interlübke auf Schranksysteme setzt, konzentriert sich Cor ganz auf Polstermöbel.

RHEDA-WIEDENBRÜCK. Die Lust auf Luxus ist offenbar vorbei. "Der Premiumbereich ist unter Druck geraten", sagt Leo Lübke und hat als Inhaber der Möbelmarken "Interlübke" und "Cor" in der Wirtschaftskrise schmerzliche Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen.

Der 45-Jährige startet trotzdem mit verhaltenem Optimismus in das Jahr 2010. "Es ist noch längst nicht alles ausgereizt", sagt Lübke und meint sowohl den noch ausbaufähigen Inlandsabsatz als auch die nicht überall am Boden liegenden Auslandsumsätze. Deshalb fiebert ganz Ostwestfalen der am Dienstag beginnenden Internationalen Möbelmesse (imm) in Köln entgegen und hofft auf rege Ordertätigkeit aus dem Kreis des internationalen Messepublikums.

"Dann drücken wir mal alle die Daumen", sagt selbst der Metzger in Wiedenbrück, bei dem Lübke noch schnell eine Kleinigkeit für das tägliche Abendbrot mit seiner Frau und den drei schulpflichtigen Kindern einkauft.

Ostwestfalen, zu der die Doppelgemeinde Rheda-Wiedenbrück mit ihren rund 46 000 Einwohnern gehört, ist halt die Wiege der deutschen Möbelindustrie. Wer nicht bei Cor oder Interlübke arbeitet, verdient seine Brötchen vielleicht in der Nachbarschaft bei den Küchenproduzenten Siematic in Löhne oder Nobilia in Verl - oder zumindest bei dem Beschlaghersteller Hettich in Kirchlengern. Die Familienbetriebe leiden gemeinsam mit Interlübke, denn die mittelständisch geprägte Industrie hat nach Angaben des Branchenverbandes VDM 2009 mindestens zehn Prozent ihres Umsatzes verloren.

Interlübke schloss das Jahr 2009 mit einem Umsatz von 35,8 Mio. Euro ab, das Schwesterunternehmen Cor kommt auf etwa 32 Mio. Euro. Noch im Vorjahr setzte Interlübke sieben Mio. Euro mehr um - vor allem im Ausland, das von der Krise besonders betroffen ist.

Reagiert hat Leo Lübke schon im vergangenen Jahr, als alle Abläufe in Fertigung, Vertrieb und Verwaltung am Firmenstandort Rheda-Wiedenbrück überprüft und optimiert wurden. Als Konsequenz mussten 28 Interlübke-Mitarbeiter gehen, 285 Arbeitsplätze blieben schließlich dort erhalten. Bei Cor arbeiten unverändert 200 Mitarbeiter.

Dabei blickt Interlübke auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück: Initialzündung für das Unternehmen, 1937 von den Brüdern Hans und Leo Lübke als "Spezialfabrik für polierte Schlafzimmer" gegründet, war die 1963 vom Designer Walter Müller gestaltete Schrankwand "Interlübke". Das in neutralem Weiß gehaltene Schranksystem, bildete von Wand zu Wand eine einheitliche Fläche und wurde so schnell eine Alternative zum traditionellen Einzelschrank. Ganze Generationen von deutschen Bildungsbürgern sparten seitdem auf die design- und qualitätsorientierten Möbel aus dem Hause Interlübke, die damals wie heute ihren Preis hatten.

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