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31.01.2005

13:03 Uhr

Initiative für mehr Ethik in der Wirtschaft

Mittelstand wehrt sich gegen Imageverlust

VonSusanne Bergius (Handelsblatt)

Im deutschen Mittelstand formiert sich Widerstand gegen einen drohenden Imageverlust durch Negativschlagzeilen über Bilanzfälschungen, Korruption und Umweltsünden in Großkonzernen. „Der Mittelstand wird in Sippenhaft genommen. Jetzt droht ihm ein Erfolgsfaktor wegzubrechen: das Vertrauen“, warnt Joachim Schuble, Geschäftsführer der Beratungsagentur Compamedia.

BERLIN. Mit einer Benchmarking-Initiative „Ethics in Business“ wollen sich engagierte Unternehmen dagegen wehren. Sie soll Mittelständler auszeichnen und der Öffentlichkeit vorstellen, die ihrer gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung gerecht werden.

Ab diesem Jahr sollen diese Firmen jeweils für ein Jahr das Label „Ethics in Business“ als eine Art Gütesiegel erhalten. Zudem wird dem Spitzenreiter dieser Gruppe der „Deutsche Preis für Wirtschaftsethik“ vergeben. Erklärtes Ziel der Initiative ist, mit der Auswahl von Vorreitern Mittelständler auf breiter Basis zu ethischem und nachhaltigem Wirtschaften anzuregen.

In den Kreis der ausgezeichneten Unternehmen aufgenommen zu werden, hat mehrere Vorteile. Es verspricht erstens eine gute Publizität, denn die Unternehmen werden in einem Jahrbuch porträtiert und die Organisatoren sorgen für eine umfassende Pressearbeit. Das Logo kann man zu Werbe- und PR-Zwecken nutzen. Zweitens wird ein Netzwerk zum Informations- und Erfahrungsaustausch etabliert. Und drittens erhalten die Teilnehmer eine individuelle Stärken-Schwächen-Analyse, die ihnen ermöglicht, ihre internen Abläufe zu optimieren.

„Bei der Corporate Social Responsibility (CSR) geht aber nicht darum, einfach nur Gutes zu tun, sondern ökologisch und sozial verantwortliche Aktivität als Erfolgsfaktor zu betrachten“, erläutert Prof. Fritz Vahrenholt, Vorstandschef der REpower Systems AG. Zum wohlverstandenen Unternehmerinteresse gehöre es zum Beispiel, sich weitsichtig schon jetzt auf Klimaänderungen einzustellen, Energie stark einzusparen und neue Technologien anzuwenden.

Mittels eines Fragebogens und zusätzlichem Research wird geprüft, inwieweit die Unternehmen über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus ehrlich und nachhaltig, also ökologisch und sozial verantwortungsvoll wirtschaften. „Nur wer in beiden Bereichen Punkte sammelt, erhält das Label für ein Jahr“, sagt Robert Haßler, Geschäftsführer der spezialisierten Münchener Agentur Oekom Research, die die Nachhaltigkeitsbewertung übernimmt. Eine 14-köpfige Jury entscheidet über den Wirtschaftsethik-Preis.

Neben Haßler und Vahrenholt, der auch Mitglied des von der Bundesregierung berufenen Rates für nachhaltige Entwicklung ist, sind an dem kürzlich in Frankfurt vorgestellten Projekt auch Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des Sportbekleidungsherstellers Trigema, und Jürgen Heraeus, Aufsichtsratschef des gleichnamigen Edelmetall- und Technologiekonzerns beteiligt. Compamedia sorgt für die Organisation. Partner sind der "Bundesdeutsche Arbeitskreis für umweltbewusstes Management" (B.A.U.M), der "BUND – Bund für Umwelt- und Naturschutz" und weitere Nicht-Regierungsorganisationen.

Startberechtigt sind Unternehmen aller Branchen mit bis zu 5 000 Mitarbeitern. Die Organisatoren planen ein Mailing an mehr als 25 000 Adressen und schreiben rund 500 Unternehmen, die sich bereits durch soziales und ökologisch verantwortliches Wirtschaften hervor getan haben, direkt an. Die Beteiligung ist zunächst kostenlos. Wenn man aber zu den ausgewählten Unternehmen gehört, die das Label erhalten, sind 4 900,- Euro plus Mehrwertsteuer für das komplette Leistungspaket zu zahlen. Teilnahmeschluss ist der 10. April. Unterlagen gibt es unter www.ethics.de.

Nicht mit im Boot ist der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), der eher als Vertreter der Großindustrie gesehen wird. Er errichtete mit „econsense“ vor vier Jahren eine Diskussionsplattform für führende global agierende Großkonzerne. Sie vereint jedoch nur 21 Unternehmen, obwohl sie sich „Forum Nachhaltigkeit der Deutschen Wirtschaft“ nennt. Im Dezember lancierte er aber gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eine Internetplattform zur „Corporate Social Responsibiliy“ (CSR). Kleine und mittlere Unternehmen sollen hier anhand praktischer Beispiele aus Konzernen Anregungen erhalten und sich selbst präsentieren können (www.csrgermany.de).

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