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10.02.2017

09:35 Uhr

Insolvenz von German Pellets

In Wismar boomt die Produktion wieder

Vor genau einem Jahr beantragte der Brennstoffhersteller German Pellets Insolvenz. Nun läuft die Produktion in Wismar wieder auf Hochtouren. Grund für den Boom ist nicht nur der lang anhaltende Winter.

Das Geschäft mit dem Brennstoff boomt. dpa

Pellets in Wismar

Das Geschäft mit dem Brennstoff boomt.

WismarEin Jahr nach dem Insolvenzantrag des Brennstoffherstellers German Pellets läuft die Produktion am Standort Wismar wieder auf Hochtouren. „Wir erleben dank des lang andauernden Winters gerade einen ersten Saisonhöhepunkt“, sagte einer der beiden Geschäftsführer von Wismar Pellets, Thomas Kresser, der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Ursachen für den Boom seien der wieder steigende Ölpreis und die höhere staatliche Förderung für Pelletheizungen. Unternehmensgründer Peter Leibold hatte vor einem Jahr, am 10. Februar 2016, Insolvenz beantragt.

„Wir könnten 5000 bis 6000 Tonnen pro Woche verkaufen“, sagte Kresser. Doch das gäben die beiden Produktionslinien nicht her. Wismar Pellets gehört seit 1. Juli 2016 dem amerikanischen Finanzinvestor Metropolitan Equity Partners (MEP).

German Pellets: Chronik einer Pleite

Wie alles begann

2005 gründet Peter Leibold im Alter von 47 Jahren in Wismar an der Ostsee ein Werk für Holzpellets. Die aus Sägespänen und Holzresten gepressten Stifte werden vor allem als Brennmittel in Heizöfen verwendet.

Exzessives Wachstum

2012: German Pellets hat FireStixx übernommen und betreibt inzwischen mehrere Werke. Das Unternehmen erhöht den Umsatz angeblich von 286,1 Millionen (2011) auf 519,1 Millionen Euro. Nach einer ersten Anleihe, mit der das Unternehmen 80 Millionen Euro einsammelte, begibt der Brennstoffhersteller nun verstärkt (eigenkapitalähnliche) Genussrechte. Das Volumen an Genussrechten steigt in den kommenden Jahren von fünf auf 44 Millionen Euro.

Private US-Geschäfte

2013: Familie Leibold eröffnet ein Werk in Texas (USA) und startet den Bau des US-Werks Louisiana, das 2015 in Betrieb geht. German Pellets sammelt mit einer neuen Anleihe 72 Millionen Euro ein und begibt Genussrechte für 13,2 Millionen Euro. Das Anleihevolumen steigt später auf mehr als 226 Millionen Euro.

Die Krise beginnt

Sommer 2015: Peter Leibold meldet zum Halbjahr ein Umsatzplus um elf Prozent auf 294 Millionen und einen operativen Gewinn von 26 Millionen Euro. Doch das Unternehmen hat inzwischen 443 Millionen Euro Schulden. German Pellets braucht frisches Eigenkapital. Im Herbst will der Brennstoffhersteller Anleger dazu verleiten, ihre (vorrangigen) Anleihen in (nachrangige) Genussrechte zu wandeln. Creditreform errechnet eine Eigenkapitalquote von nur noch 5,4 Prozent.

Der Insolvenzantrag

10. Februar 2016: German Pellets beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Schwerin lehnt ab und ordnet vorerst ein klassisches Verfahren an. Bettina Schmudde wird vorläufige Verwalterin. Mehrere Töchter und das US-Werk Louisiana sind später ebenfalls insolvent. Zuvor hatten Lieferanten und Mitarbeiter vergeblich auf Geld gewartet. Die Finanzaufsicht Bafin untersagte dem Unternehmen den Handel mit Genussrechten. Eine für 10. Februar angesetzte Gläubigerversammlung sagte German Pellets kurzfristig ab.

Der Wirtschaftskrimi

12. Februar 2016: Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen Peter Leibold wegen Verdachts auf Unterschlagung. Der Wiener Finanzier MCF Commodities hatte Strafanzeige gestellt, weil ihm wegen unbezahlter Rechnungen angeblich ein Schaden in Höhe von 27 Millionen Euro entstanden sein soll. Peter Leibold schweigt zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

In Gläubigerkreisen herrscht Unverständnis darüber, dass Ex-Geschäftsführer Leibold bislang ungestraft weiter als Unternehmer tätig sein kann. Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Die Ermittlungen seien sehr umfangreich, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Harald Nowack. „Man muss tief in die Buchhaltung einsteigen, um herauszufinden, zu welchem Zeitpunkt das Unternehmen nicht mehr in der Lage war zu zahlen.“ Für eine Untersuchungshaft gebe es bislang keinen Grund. Zum einen gelte die Unschuldsvermutung, zum anderen sei Leibold präsent und stehe für die Ermittlungen zur Verfügung.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Baron v. Fink

10.02.2017, 11:13 Uhr

Öl und Gas müssen verbrannt werden, doch nicht dieses stinkende Hamstermehl.
Wie soll man da etwas verdienen, wenn die Pleiteläden immer wieder aufmachen ?
Ich fordere Subventionen für LNG und Tanker !

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