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12.01.2009

10:25 Uhr

Insolvenzen

Wie die Pleite zur Chance wird

VonJulia Groth

Für manchen Mittelständler dürfte es im kommenden Jahr wirtschaftlich eng werden, vor allem für Unternehmen, deren Fremdfinanzierung ausläuft. Kreditversicherer erwarten durch die Finanzkrise rund 16 Prozent mehr Firmenpleiten als in 2008. Wer geplant Insolvenz anmeldet und die Katastrophe zur Sanierung nutzt, kann das Unternehmen oft noch retten.

In der Insolvenz müssen viele Unternehmer besonders anpacken. Foto: AP ap

In der Insolvenz müssen viele Unternehmer besonders anpacken. Foto: AP

KÖLN. Bei einer Planinsolvenz wird das gestrauchelte Unternehmen nicht liquidiert, um Forderungen der Gläubiger nachzukommen. Stattdessen sorgt der Insolvenzverwalter dafür, dass das Unternehmen weiter geführt und saniert wird. Für die Gläubiger lohnt sich das: Bei Sanierungen bekommen sie durchschnittlich 20 Prozent ihrer Forderungen, bei einer Liquidation im Schnitt nur sechs Prozent. Das hat das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) im Rahmen einer Studie ermittelt. Seit das Insolvenzrecht im Jahr 1999 reformiert wurde, ist die Zahl der Planinsolvenzen zwar stetig gestiegen. "Die Erwartungen, dass mindestens 5 Prozent der insolventen Unternehmen saniert werden könnten, haben sich bisher nicht erfüllt", heißt es in der Studie dennoch. Zwischen 1999 und 2005 etwa bearbeitete jedes Insolvenzgericht durchschnittlich nur vier Planverfahren.

Diese Quote könnte allerdings im kommenden Jahr besser werden. Das Thema Insolvenzen scheint ein wichtiger Punkt auf der Agenda der Bundesregierung zu sein: Im Oktober hat Bundesjustizministerin Brigitte Zypries bereits eine Änderung im Insolvenzrecht durchgesetzt, mit der sie die bilanzielle Überschuldung als Insolvenzgrund entschärft. Wenn Kredite mehr wert sind als die damit finanzierten Güter, ist dies allein kein Grund mehr, binnen drei Wochen Insolvenz anmelden zu müssen. "Diese Neuregelung kommt insbesondere auch kleinen und mittleren Unternehmen zugute", begründet Zypries die Änderung. "Damit helfen wir auch einem mittelständischen Handwerksbetrieb in der Rechtsform einer GmbH, der vielleicht im Moment formal überschuldet ist, aber den Zuschlag für einen Großauftrag bekommen hat."

Insolvenzen200520062007
Insolvenzanträge36.84334.13729.160
Eröffnete Verfahren23.24723.29320.491
Eingereichte Insolvenzpläne226257278
Insolvenzpläne nach gerichtlicher Vorprüfung200206238
Insolvenzpläne je 1.000 Insolvenzanträge5,47,59,5
Insolvenzpläne je 1.000 er"ffnete Verfahren8,61113,6



Ein weiterer Schritt zu weniger Liquidationen wäre nun, die Planinsolvenz als Sanierungsinstrument bekannter zu machen. "Leute, die vom Fach sind, kennen Planverfahren zwar", sagt der Fachanwalt für Insolvenzrecht Axel Bierbach von der Münchner Kanzlei Müller-Heydenreich, Beutler & Kollegen (MHBK). "Vor allem im Mittelstand ist dieses Verfahren aber zu wenig bekannt." Bisher nimmt sich lediglich ein kleiner Kreis von Insolvenzverwaltern der Planinsolvenz an. Die Mitglieder dieses Kreises zogen in der vergangenen Zeit vor allem mit der Rettung bekannter Unternehmen teils viel Aufmerksamkeit auf sich.

Ob ein insolventer Mittelständler einen dieser bekannten Sanierer als Insolvenzverwalter zugeteilt bekommt, kann er nie wissen. Den Insolvenzverwalter wählt allein der Richter des Insolvenzgerichts am Firmensitz aus. "Das Entscheidende ist die Kommunikation", erklärt MHBK-Experte Bierbach. Insolvente Unternehmer sollten versuchen, dem Insolvenzgericht die Lage ihres Hauses möglichst genau zu schildern und zu erklären, warum eine Sanierung machbar und lohnenswert wäre. Persönlich vorbeizugehen oder anzurufen macht einen besonders guten Eindruck.

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