Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2010

07:00 Uhr

Insolvenzverfahren

Mit der Insolvenz zu neuen Ufern

VonPeter Reuter

Der Insolvenzantrag ist für viele Unternehmen und Arbeitnehmer ein Schock - dabei kann das vermeintliche Ende auch einen neuen Anfang für den Betrieb bedeuten. Schließlich gibt es mit dem Insolvenzplan ein Instrument, das Unternehmen sanieren und erhalten soll. Dabei gibt es aber einige Details und Regelungen zu beachten.

Viele Unternehmen sind - nicht nur durch die momentane Krise - in finanzielle Schieflage geraten. Quelle: dpa

Viele Unternehmen sind - nicht nur durch die momentane Krise - in finanzielle Schieflage geraten.

KÖLN. Der Einbruch auf dem Stahlmarkt brachte das Walzwerk Finow in Eberswalde ins Trudeln. Der metallverarbeitende Betrieb mit 250 Beschäftigten hatte große Mengen des Metalls geordert. Plötzlich fiel der Preis drastisch - doch bezahlen musste das Werk die höheren Preise, wie zuvor mit dem Lieferanten vereinbart. Das brachte den Mittelständler in Schieflage, die Folgen der Wirtschaftskrise gaben ihm den Rest. Das Walzwerk musste wegen Zahlungsunfähigkeit am 30. Juni Insolvenz anmelden.

"Nach genauer Analyse haben wir uns für eine Sanierung mittels Insolvenzplan stark gemacht", sagt der Potsdamer Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff von BBL Bernsau Brockdorff Lautenbach, der als Sanierungsberater für das Walzwerk tätig ist. Nun steht noch die Zustimmung der Gläubiger und die Bestätigung des Insolvenzgerichts aus. Brockdorff gibt sich zuversichtlich: Der Plan werde breite Zustimmung finden und der Mittelständler könne spätestens im März 2010 aus der Insolvenz entlassen werden.

Mit der Insolvenzordnung ist 1999 auch der Insolvenzplan nach US-amerikanischem Vorbild eingeführt worden. Dieses Instrument soll kriselnde Unternehmen aus eigener Kraft sanieren und erhalten. Neben einer Sofortzahlung erhalten die Gläubiger ihre Ansprüche aus zukünftigen Überschüssen. Der Plan zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität aus, denn er gibt dem Schuldner und den Gläubigern umfassende Gestaltungsmöglichkeiten.

Einen Antrag auf ein Planverfahren kann der Schuldner mit dem Insolvenzantrag stellen. Auch der vorläufige Insolvenzverwalter kann ihn auf den Weg bringen. Die Gläubiger initiieren den Plan wiederum durch den Verwalter. Oft kombiniert man das Planverfahren mit der Eigenverwaltung, bei der häufig ein Insolvenzexperte in die Geschäftsführung eintritt und die Geschicke lenkt. Der bisherige vorläufige Insolvenzverwalter fungiert nach Verfahrenseröffnung als Sachwalter, der den Eigenverwalter beaufsichtigt.

Die Alternative im Insolvenzverfahren ist die übertragende Sanierung, bei der das angeschlagene Unternehmen restrukturiert und anschließend an einen Investor verkauft wird. "Für den Mittelstand ist der Insolvenzplan eine Sanierungsoption", sagt der Berliner Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Rolf Rattunde von der Sozietät Leonhardt Westhelle & Partner, der für den Büroartikelhersteller Herlitz einen der ersten Insolvenzpläne in Deutschland erarbeitet hatte. "Leitet der Mittelständler ein Planverfahren ein, so kann er die Kontrolle über das Verfahren und über das Unternehmen in der Hand behalten." Er vermeide hierdurch eine Enteignung durch eine übertragende Sanierung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×