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01.02.2016

15:12 Uhr

Interesse an Hidden Champions

Chinesen kaufen weiter im deutschen Mittelstand ein

Chinesen haben im vergangenen Jahr in Deutschland so viele Firmen übernommen wie in keinem anderen EU-Staat. Doch der deutsche Mittelstand ist auch bei Investoren aus anderen Länder gefragt.

Die Übernahme des Münchner Spezialmaschinenbauers sorgte Ende 2015 für Aufsehen. dpa

Krauss Maffei

Die Übernahme des Münchner Spezialmaschinenbauers sorgte Ende 2015 für Aufsehen.

StuttgartDas Interesse chinesischer Investoren an deutschen Mittelständlern ist einer Studie zufolge weiter hoch. Im vergangenen Jahr kauften Chinesen 36 deutsche Firmen und damit so viele wie schon 2014, wie das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young (EY) am Montag in Stuttgart mitteilte. In keinem anderen EU-Staat waren die Chinesen bei ihren Investitionen so aktiv wie in Deutschland.

Übernommen wurde beispielsweise die Hamburger Privatbank Hauck & Aufhäuser für rund 200 Millionen Euro. Für Aufsehen sorgte Mitte Januar zudem der Kauf des Münchner Spezialmaschinenbauers Krauss Maffei durch Chinesen für 925 Millionen Euro.

Das Interesse der Asiaten an deutschen „Hidden Champions“ (versteckten Weltmarktführern) bleibe auch künftig hoch, sagte EY-Expertin Yi Sun. „Deutsche Industrie- und Technologieunternehmen genießen in China höchsten Respekt.“

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Zwar sei die Bereitschaft im deutschen Mittelstand, ausländische Investoren mit ins Boot zu holen, gering. Positive Erfahrungen mit Geschäftspartnern aus Fernost sprächen sich aber herum. „Daher werden wir ganz sicher künftig mehr Transaktionen in diesem Bereich sehen“, sagte Yi Sun.

Im Ranking ausländischer Investoren in Deutschland kletterte China um einen Rang auf den fünften Platz, Spitzenreiter sind die USA mit 159 Firmenakquisen vor Großbritannien mit 77. Insgesamt gingen den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 652 deutsche Firmen komplett oder teilweise in ausländische Hand über.

Von

dpa

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