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10.01.2009

12:26 Uhr

Internet-Unternehmen

Risikokapitalgeber stehen vor Nebelwand

VonThomas Knüwer

Da sitzen sie beisammen, die Auguren, und wissen nicht weiter. Investoren und Internet-Start-ups rätseln, ob das Jahr 2009 zur Katastrophe wird. Während die Pessimisten düstere Zeiten prognostizieren, erinnert sich mancher an die positiven Effekte der Krisenjahre 2001 und 2002.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg konnte nach dem Platzen der Internet-Blase Anfang des Jahrzehnts ganz in Ruhe an seinen Ideen basteln. Foto: ap Quelle: ap

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg konnte nach dem Platzen der Internet-Blase Anfang des Jahrzehnts ganz in Ruhe an seinen Ideen basteln. Foto: ap

PARIS. Vier der bekanntesten Investoren für Internet-Unternehmen diskutierten Mitte Dezember in Paris auf dem Podium der Konferenz "Le Web", 2 000 Branchenvertreter lauschten in der Hoffnung auf einen Wink, wie es 2009 weiter gehen könnte mit der Web-Branche und ihren Geldgebern. Allein: Den gab es nicht.

"Ist das jetzt 1989 oder 2001 oder 1929 oder was dazwischen?", fragt etwa Martin Varsavsky, Serienunternehmer und Investor. "Ich weiß es nicht." 2009 könne katastrophal werden, vielleicht aber auch nicht so schlimm, wie viele glaubten. Düsterer sieht es Eric Archembeau, Partner beim Kapitalgeber Wellington: "Wir können nicht bestreiten, dass ein Sturm aufkommt." Viele Venture-Capital-Firmen fürchteten um ihr Leben. Gelassener gab sich in Paris Jeff Clavier, Gründer des Risikokapitalgebers Softtech: "Es sind gute Zeiten, denn die Bewertungen sind niedrig. Wenn die Kapitalbasis da ist, dann entstehen jetzt die Firmen, die in zwei bis drei Jahren das Geschäft bestimmen werden."

Die Stimmung auf dem Podium der Le Web demonstrierte: Die Internet-Branche, die sonst so selbstsicher den Takt vorzugeben scheint, ist zerrissen. Einerseits sind da die Propheten düsterer Zeiten wie Jason Calacanis, Gründer des Web-Suchkatalogs Mahalo. Er warnt vor einem Blutbad in der Tech-Szene im ersten Quartal.

Andererseits erinnert sich mancher an die Jahre 2001 und 2002. Damals verließen Investoren das Web-Geschäft in Scharen. Dort ließe sich kein Geld verdienen, glaubten viele. Jene, die blieben oder neu hinzukamen, konnten in aller Ruhe an Ideen basteln. Myspace, Facebook, Flickr, Youtube, Xing - alles Kinder der Jahre 2002 bis 2005, als vieles im Internet unbemerkt von der breiten Wirtschaftswelt köchelte.

Natürlich spüren viele VC-Firmen die Krise durchaus - und geben das an ihre Schützlinge weiter. Eine Reihe von ihnen habe im Angesicht der zusammenbrechenden Aktienmärkte alles zu Geld gemacht, was sich zu Geld machen ließ, meint Harry Nellis, Partner beim VC-Geber Accel. "Einige Investoren haben sich aus Bereichen zurückgezogen, aus denen sie schnell herauskamen", sagt er. Private-Equity- und VC-Beteiligungen ließen sich aber nicht so schnell abstoßen. Deshalb sei der Anteil dieser Bereiche im Gesamtportfolio bei manchem Investor auf eine ungesunde Höhe gestiegen - und bereite vielen Sorge. Erst recht, wenn es sich um institutionelle Anleger handelt wie die Fonds der großen US-Unis: Deren Manager bekommen Druck von ihren Aufsichtsgremien, wenn der Anteil risikoreicher Anlagen im Portfolio klettert.

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