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16.07.2012

21:06 Uhr

Interview

„Die E-Bilanz ist für Unternehmen von Vorteil“

VonKlaus Stratmann

Der deutsche Mittelstand leidet unter Bürokratie, teuren Krediten und mangelnden Fachkräften. Chancen sieht Ernst Burgbacher, Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung, in der E-Bilanz und einer Fachkräfte-Offensive.

Ernst Burgbacher (FDP) ist Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Pressefoto BMWi

Ernst Burgbacher (FDP) ist Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Handelsblatt: Herr Burgbacher, der Mittelstand klagt über überbordende Bürokratie. Haben Sie dafür Verständnis?

Burgbacher: Ja, dafür habe ich Verständnis. Allerdings gibt es durchaus positive Entwicklungen, die für unsere Unternehmen entlastend wirken.

Welche?

Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass wir es in enger Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium geschafft haben, beim Thema elektronische Bilanz (E-Bilanz) große Fortschritte für unsere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu erzielen. Die ursprünglichen Pläne hätten dazu geführt, dass Unternehmen ihre Angaben in der Steuerbilanz statt nach 23 Posten nach 599 Posten hätten differenzieren müssen. Das wäre mit enormem bürokratischem Aufwand verbunden gewesen. Ich verstehe zwar das grundsätzliche Interesse von Behörden an möglichst vielen Daten, als Beauftragter der Bundesregierung für den Mittelstand liegt mein Hauptaugenmerk jedoch stets auf dem Mittelstand und der Vermeidung unnötiger Bürokratie für die Unternehmen. Deshalb freue ich mich, dass die elektronische Bilanz jetzt nur die Angaben umfassen wird, die bereits im Hauptbuch der Buchhaltung stehen.

Wollen Sie den Unternehmen die Steuerbehörden vom Hals halten?
Burgbacher: Davon kann nicht die Rede sein. Wir befürworten die E-Bilanz, denn sie ist für die Unternehmen von Vorteil. So kann sie sogar dazu führen, dass Unternehmen seltener mit Betriebsprüfungen rechnen müssen, weil Steuerbehörden mit den elektronischen Daten ein viel besseres Bild des Unternehmens zeichnen können. Wir haben dafür gesorgt, dass die E-Bilanz möglichst effektiv und mit möglichst wenig Aufwand für die Firmen zu realisieren ist. Niemand möchte ein zweites ELENA erleben, das Scheitern dieses elektronischen Meldeverfahrens zum Einkommensnachweis ist ein abschreckendes Beispiel.

Zu den großen bürokratischen Hürden zählen die Unternehmen regelmäßig die langen Aufbewahrungsfristen von derzeit zehn Jahren…

Auch an dieser Stelle gibt es Positives zu vermelden. Nach dem Kabinettsbeschluss über das Jahressteuergesetz 2013 von Ende Mai werden die Aufbewahrungsfristen für Unterlagen im Steuerrecht von bisher zehn ab 2013 auf acht und in einem weiteren Schritt ab 2015 dann auf sieben Jahre verkürzt.

Das bleibt deutlich hinter der Forderung des Bundeswirtschaftsministeriums zurück, die Aufbewahrungsfrist auf fünf Jahre zu verkürzen.

Verhandlungen ziehen immer Kompromisse nach sich, aber das Ergebnis, das wir jetzt erreicht haben, stellt aus meiner Sicht dennoch einen beachtlichen Fortschritt dar. Die erste Stufe der Verkürzung bringt für die Unternehmen eine jährliche Entlastung von 1,7 Milliarden Euro, in der zweiten Stufe sind es 2,5 Milliarden jährlich.

Kommentare (1)

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BaldAuswanderer

21.07.2012, 09:31 Uhr

Super - 35.000€, das lockt hochqualifizierte Fachkräfte aus den Südstaaten der EU sicher an. Bei Steuerklase 3 darf man dann nur ca. 2800€ abgeben, 8% Durchschnittssteuersatz.

Da hat wohl nur die Schweiz ähnliche Konditionen, z.B. Kanton Zug, Informatiker, 100.000€/Jahr, Steuersatz auch 8%.

Hoffentlich merkelt es niemand!

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