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11.01.2009

20:05 Uhr

Interview mit dem Parship-Chef

Arndt Roller: „Meine Eltern waren besorgt über Schmuddelkram“

Arndt Roller ist Geschäftsführer von Parship, dem nach eigenen Angaben größten Online-Partnervermittler in Europa. Im Interview spricht der promovierte Betriebswirt über Flirten in Europa, den keltischen Tiger und seine disziplinierte Internetnutzung.

Partnervermittlungen greifen Armor unter die Flügel. Arndt Roller ist der Chef einer der größten Vermittlungen Europas. Foto: Archiv Quelle: dpa

Partnervermittlungen greifen Armor unter die Flügel. Arndt Roller ist der Chef einer der größten Vermittlungen Europas. Foto: Archiv

Parship vermittelt in 13 europäischen Ländern Partnerschaften online. Unterscheidet sich das Flirtverhalten zwischen Berlin, Barcelona und Stockholm?

In den genannten Städten weniger als man denkt. Die Menschen in den europäischen Metropolen sind sich durchaus ähnlich - in allen größeren Städten schauen die Menschen "Sex and the City", sie sind urban und modern. Der Unterschied zwischen Sevilla und Braunschweig ist viel größer. In kleineren Städten gibt es noch viel mehr gewachsene, lokal geprägte Strukturen. Dort ist eine "deutsche" oder "spanische" Prägung stärker vorhanden.

Wie unterschiedlich sind diese Prägungen? Sind Skandinavier zurückhaltend, Spanier forsch und Italiener charmant?

Als Flirtmeister haben sich nach unseren Erkenntnissen nicht die Spanier, sondern unsere österreichischen Nachbarn gezeigt. Spanien folgt auf Platz zwei und Deutschland mit kurzem Abstand danach. Aber viel relevanter als ein Vergleich zwischen Spaniern und Deutschen ist die Betrachtung des Einzelnen, denn hier setzt das Parship-Prinzip an. Es ist am Schluss ja nicht von der Nationalität abhängig, ob Sie ein Draufgänger sind oder eher zurückhaltend agieren.

Wie viele transnationale Beziehungen vermitteln Sie?

Nur wenige, solche Wünsche konzentrieren sich auf die grenznahen Bereiche. Dass Menschen aus der Mitte Deutschlands jemanden aus Barcelona kennenlernen wollen, ist eher selten. Es gibt aber Ausnahmen - zum Beispiel vermitteln wir sehr viel zwischen Frankfurt und Zürich, weil es für Menschen aus der Finanzbranche völlig normal ist, zwischen Frankfurt, Zürich und London hin- und herzufliegen.

Finden Singles bei Ihnen leichter den richtigen Partner als im realen Leben?

Ja. Wir können schon vor dem Kennenlernen feststellen, wer zu wem passt. Jedes neue Mitglied füllt beim Anmelden einen Fragebogen aus. Aufgrund der Ergebnisse machen wir dann passende Partnervorschläge. Und mit jedem neuen Tag lernen wir anhand der Fragebögen mehr über die Singles in unserer Gesellschaft. Bei uns sind 15 Psychologen damit beschäftigt, mit Hilfe dieser Erkenntnisse unser wissenschaftliches Verfahren zu perfektionieren.

Wieso bedienen sich die Singles nicht mehr der klassischen Wege wie Kneipe, Kegelverein oder VHS-Kurs?

Viele sagen, dass sie einfach überhaupt keine Zeit dazu haben, neue Menschen kennenzulernen. Das gilt vor allem für Menschen, die ein stabiles soziales Umfeld und einen fordernden Job haben - da bleibt wenig Zeit für neue Kontakte.

Parship hat zweistellige Umsatzzuwächse jedes Jahr. Die Menschen hoffen nicht mehr darauf, in der wirklichen Welt einen Partner zu finden. Ist das nicht traurig?

Nein. Dann müsste ich es auch traurig finden, dass ich heute wunderbar Ski fahren kann, weil Menschen Metallstangen für Skilifte in Felswände gebohrt haben. So wie der Skilift ist unsere Dienstleistung nur ein Hilfsmittel. Wir ermöglichen dem Kunden, in einem sicheren Umfeld interessante Menschen kennenzulernen. Dabei hat er eine sehr große Chance, jemanden zu treffen, in den er sich verliebt. Der echte Kontakt wird ja durch Parship nicht ersetzt, sondern nur gut vorbereitet. Aber man erspart sich Situationen, die ich als Teenager immer gehasst habe: aufgeregt vor einem Mädchen zu stehen und sich nicht zu trauen, es anzusprechen. Diesen kleinen, aber unangenehmen Situationen können unsere Kunden entgehen.

Vier von zehn Mitgliedern werden bei Parship fündig. Zu wie vielen Hochzeiten waren Sie schon eingeladen?

Ich selbst war noch zu keiner eingeladen. Es gibt aber Mitarbeiter bei uns, die sich ausschließlich darum kümmern, mit erfolgreich zusammengeführten Paaren Kontakt zu halten. Das machen wir, um aus den Erfolgsgeschichten zu lernen. Diese Mitarbeiter werden dann natürlich eher eingeladen als ich.

Früher haben Sie online Bücher verkauft - wie hat es Sie in die Partnerbranche verschlagen?

Über einen Headhunter: Ich wurde angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte, Online-Partnervermittler zu werden. Der Anrufer hatte Angst, dass mich das beleidigen könnte. Ich musste schmunzeln. Zuerst dachte ich: Was ist das für eine ungewöhnliche Jobofferte! Ich hatte sofort diese Anzeigen in der Samstagsausgabe der Zeitung vor Augen, wo die 23-jährige, hübsche Milliardärstochter ihren Partner fürs Leben sucht. Für mich war deshalb wichtig, dass die Sache seriös ist.

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