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04.05.2011

11:07 Uhr

Investieren um zu sparen

Effizienz muss bei Betrieben ganz oben stehen

VonIngmar Höhmann

Wenn Energie und Rohstoffe Spitzenpreise erreichen, müssen Betriebe effizient arbeiten, um den Kopf über Wasser halten zu können. Fördermittel und Finanzierungsmodelle können dabei helfen - wenn sie genutzt werden.

Mitarbeiter bei Bosch Rexroth: Der Anlagenbauer setzt auf Investitionen zur Energieeffizienz. Quelle: picture-alliance/ dpa

Mitarbeiter bei Bosch Rexroth: Der Anlagenbauer setzt auf Investitionen zur Energieeffizienz.

KölnEines Tages hatte Uwe Kempkes genug: Vier Container mit Altholz musste er in seiner Oberhausener Schreinerei jeden Monat entsorgen – für 200 Euro die Fuhre. „Eine Verschwendung, das war gutes Heizmaterial“, sagt er. Kempkes machte sich im Internet und auf Messen schlau. Schließlich fand er ein System, bei dem die Späne aus der Schreinerei über die Absauganlage automatisch in einen Holzofen gelangen – und so den Betrieb heizen.

Für die Finanzierung nahm er einen Förderkredit der KfW-Bank auf: 115000 Euro zu einem Zinssatz von 3,8 Prozent über zehn Jahre, die ersten drei Jahre tilgungsfrei. Viel Geld für einen 20-Mann-Betrieb mit einem Jahresumsatz von zwei Millionen Euro. Die Investition hat sich gelohnt: Kempkes spart durch die neue Anlage rund 28 Prozent an Energie und 1600 Euro Kosten im Monat ein. In acht Jahren hat sich das System amortisiert.

Industrie mit großen Reserven

Investieren um zu sparen – eine Botschaft, die längst nicht überall im Mittelstand angekommen ist. Einer Studie der Fraunhofer-Gesellschaft zufolge lassen sich mittelfristig in der industriellen Produktion bis zu 30 Prozent Energie einsparen. Die Kostenexplosion bei Energie und Rohstoffen werde für viele Unternehmen bereits zu einem Konjunkturrisiko, sagt Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger. „Künftig können sich nur Unternehmen auf dem Markt behaupten, die Materialien und Energie effizient nutzen.“

Das Problem beginnt beim Einkauf: „95 Prozent der Firmen schauen bei Maschinen nur auf die Beschaffungskosten“, sagt Günther Zettl, Leiter Energieeffizienzberatung beim Anlagenbauer Bosch Rexroth. „Der Stromverbrauch hat in der Regel keinen Einfluss auf die Kaufentscheidung – dabei macht er ein Viertel der Gesamtkosten aus.“ Der Grund: Die Betriebs- und Beschaffungsbudgets laufen über verschiedene Kostenstellen. „Der Einkäufer hat vor allem ein Interesse an einem geringen Kaufpreis, es gibt im Normalfall kein Bewusstsein für die Betriebskosten.“

Dennoch: Die Bereitschaft wächst, für effiziente Anlagen auch mehr Geld auszugeben. Bei der Hannover Messe Anfang April gab es kaum einen Aussteller, der nicht Energieeffizienz in den Vordergrund rückte. Doch die Ansprüche entsprechen nicht immer der Realität: „Viele Mittelständler erwarten, dass sich eine Investition innerhalb eines Jahres amortisiert. Bei anspruchsvoller Automatisierungstechnik ist das aber nicht immer möglich“, sagt Zettl. „Wir streben derzeit maximale Amortisationszeiten von drei Jahren an.“

Energieeffizienz bedeutet jedoch mehr als nur die Senkung des akuten Stromverbrauchs. Effiziente Komponenten haben weitere Vorteile: Die Ausfallrate sinkt, die Wartungskosten fallen und die Lebensdauer steigt. „Eine Maschine, die weniger Strom verbraucht, wird auch nicht so schnell heiß“, sagt Zettel. „Wärme belastet vor allem die Elektronik: Wenn die Temperatur nur um wenige Grad sinkt, erhöht sich die Lebensdauer immens.“

Solche Vorteile sind nicht leicht zu vermitteln – denn sie werden in den Budgets nicht direkt sichtbar. Eine Tatsache, die sich einige zunutze machen: „Es gibt Energieberater, die ihr Geld vor allem damit verdienen, öffentliche Fördergelder zu beschaffen – aber von den technischen Möglichkeiten kaum Ahnung haben“, sagt Zettl. „Wenn die ganze Beratungsleistung hinterher aus dem Austausch der Lichttechnik besteht, dann ist das banal. Klar erreicht ein Unternehmen so schnell eine Einsparung von 30 Prozent – aber dafür brauche ich keine professionelle Beratung. Das ist Energieeffizienz für Anfänger.“

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