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15.02.2012

21:32 Uhr

Investitionen

Mittelständler finanzieren sich in China

VonMartin-W. Buchenau, Martin Wocher, Till Hoppe

Deutsche Mittelständler haben chinesische Banken als Finanzierungsmöglichkeit entdeckt. Die Konditionen dort sind gut. Doch um bei den örtlichen Instituten Kredite zu erhalten, braucht es Know-how.

Eine Filiale der Industrial und Commercial Bank of China: Die Auslandsfinanzierung findet im deutschen Mittelstand Anklang. Reuters

Eine Filiale der Industrial und Commercial Bank of China: Die Auslandsfinanzierung findet im deutschen Mittelstand Anklang.

Stuttgart/DüsseldorfFast ein Jahr dauerten die Verhandlungen mit den Chinesen. „Es war am Anfang nicht einfach. Wir mussten erst einmal erklären, wer wir überhaupt sind“, sagt Voith-Chef Hubert Lienhard. Eine chinesische Banker-Delegation besuchte sogar den Stammsitz des Familienkonzerns in Heidenheim.

Dann war es so weit. Das 1867 gegründete Familienunternehmen vereinbarte in Schanghai mit einem Konsortium von chinesischen Banken sowie internationaler Koordinatoren unter Führung der Citibank einen Kredit über umgerechnet 270 Millionen Euro (2,25 Milliarden Yuan) mit einer Laufzeit von fünf Jahren. „Wir verwurzeln uns mit diesem Schritt noch mehr in China, indem nach der Produktion jetzt auch die Finanzierung vor Ort geschieht“, berichtete Lienhard. Zum Bankenkonsortium gehören neben der Industrial und Commercial Bank of China die China-Töchter der neuseeländischen ANZ und der britischen Standard Chartered Bank.

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Zwar zieht es einige deutsche Mittelständler durchaus in ferne Länder. Doch das gilt meist für Märkte, wo die Konkurrenz schon groß ist. Dabei bieten auch Länder wie Indonesien oder die Mongolei gute Möglichkeiten.

Der Heidenheimer Familienkonzern will in China in den nächsten Jahren 400 Millionen Euro investieren, einen Großteil davon mit der neuen Kreditlinie. Lienhard rechnet damit, dass China innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre Deutschland als wichtigsten Absatzmarkt ablöst. Zuletzt setzte Voith im Geschäftsjahr 2010/2011 (30. September) 18 Prozent seines Konzernumsatzes von 5,6 Milliarden Euro in China um. Die Schwaben bauen dort unter anderem Papiermaschinen, Turbinen für Kraftwerksprojekte und Regionalzüge. Lienhard sieht im neuen Fünfjahresplan der chinesischen Regierung – in dem Themen wie erneuerbare Energien, Ressourcenschonung und Mobilität eine wichtige Rolle spielen – große Chancen. Die Zahl der Beschäftigten im Reich der Mitte soll bis 2016 von heute 3000 auf 5000 steigen.

Mit dem chinesischen Großkredit für die lokale Finanzierung setzt sich Voith an die Spitze eines Trends bei großen Maschinenbauern und in der Elektroindustrie. So arbeitet der weltgrößte Ventilatorenhersteller EBM-Papst eng mit seinen chinesischen Hausbanken zusammen. „Der Vorteil ist der Wegfall von Wechselkursrisiken, der Nachteil die höheren Zinssätze“, sagte der Finanzchef von EBM-Papst, Hans Peter Fuchs, dem Handelsblatt. So müsse man im Reich der Mitte rund sechs Prozent Zinsen zahlen, in Deutschland deutlich weniger. Welche Zinsen Voith in China zahlen muss, verriet Lienhard nicht. Man habe aber keine Abstriche an den sonst für den Konzern üblichen Konditionen machen müssen.

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