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24.01.2010

14:01 Uhr

Investoren gesucht

Togo will raus aus dem Krisental

VonDieter Grau (gtai)

Das einstige Musterland Togo steht vor großen Herausforderungen. Der Rückzug der Geldgeber Anfang der 1990er Jahre hinterließ Finanzierungslücken, die das Land wirtschaftlich weit zurückwarfen. Nahezu alle Branchen liegen am Boden. Den Aufholprozess kann Togo nicht allein schultern.

Da helfen keine Beschwörungen: Togo muss erst die nötigen Voraussetzungen schaffen, um Investoren zurück zu holen. dpa

Da helfen keine Beschwörungen: Togo muss erst die nötigen Voraussetzungen schaffen, um Investoren zurück zu holen.

LOMÉ. Die Rückkehr der Geldinstitute weckt große Hoffnungen. Investoren und Partnerschaften werden gesucht. Straßenbau, Strom- und Wasserversorgung sowie Abwasserbehandlung bieten Geschäftsmöglichkeiten auch für deutsche KMU. Nachdem sich die internationalen Geldgeber vor über 15 Jahren aus politischen Gründen aus Togo zurückgezogen haben, ging es mit der Wirtschaft des Landes steil bergab. Deshalb besteht ein riesiger Nachholbedarf auf jedem Gebiet, betonen Experten.

Togo müsse jedoch die nötigen Voraussetzungen schaffen, um Investoren ins Land zu locken. Dies sei aber nur möglich, wenn Schlüsselsektoren wie Infrastruktur und Telekommunikation (IT) auf Vordermann gebracht werden. So seien die Preise für IT-Dienstleistungen viel zu hoch, da keine Konkurrenz herrscht.

Wichtige Infrastrukturen wie Straßen, Elektrizitätserzeugung, Trinkwasserversorgung, Abwasseraufbereitung, Kläranlagen und Kanalisation sind entweder nicht oder nicht ausreichend vorhanden beziehungsweise in einem vernachlässigten oder schlechten Zustand, erklärte Projektleiter Timm G. Sander des Ingenieurbüro Inros Lackner AG in Lomé gegenüber Germany Trade & Invest. Hier sei der Nachholbedarf am größten und dementsprechend gut die Geschäftschancen auch für deutsche Unternehmen. Das Bremer Ingenieurunternehmen sieht besonders im Straßenbau lukrative Chancen für deutsche Straßenbaufirmen.

Die Franzosen beispielsweise kommen bereits wieder. Da die verhältnismäßig kleinen Projekte in dem kleinen Land bei den großen deutschen Bauunternehmen kein Interesse zu finden scheinen, seien die Möglichkeiten gerade für KMU lukrativ. Auslandserfahrungen sind jedoch von größter Bedeutung. Man sollte sich mit einem in Togo ansässigen Unternehmen oder Agenten zusammentun. Auch französische Sprachkenntnisse seien unerlässlich. Aber die KMUs müssen natürlich selbst die entsprechenden Ausschreibungen verfolgen, die meist von Gebern wie der Weltbank oder afrikanischen Entwicklungsbanken kommen.

Die ohnehin nicht ausreichende Straßeninfrastruktur ist in einem maroden Zustand. Es fehlen vor allem Brücken. Die meisten vorhandenen Brücken sind mehr als 30 bis 50 Jahre alt, zu kurz, zu schmal und schlecht gegründet. Sie müssen dringend erneuert und den modernen Transportanforderungen angepasst werden. Infolge großer Überschwemmungen im Sommer 2008 wurden darüber hinaus zahlreiche Brücken zerstört oder stark beschädigt. Einige werden bereits mit chinesischer Finanzierung erneuert.

Auch das Prestigeprojekt einer vierspurigen Küstenstraße von der Grenze zu Ghana bis zur Grenze nach Benin bietet noch Geschäftschancen. Der erste Abschnitt wird gegenwärtig von der französischen COLAS gebaut mit Finanzierung durch die Westafrikanische Entwicklungsbank (BOAD) und die Afrikanische Entwicklungsbank (BAD). Der zweite Abschnitt ist bereits ausgeschrieben. Mit der Ausschreibung des dritten wird Anfang 2010 gerechnet.

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