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27.10.2015

17:18 Uhr

Investoren Thelen und Steiner

„Es wurden auch mal die Krallen ausgefahren“

VonAnja Müller

Vier Fragen an zwei Investoren aus der Höhle der Löwen: Frank Thelen und Lencke Steiner kämpften auf Vox um Deals. Welche „unvorstellbaren Erfolge“ Thelen sieht – und warum FDP-Politikerin Steiner aussteigt.

„Viele Gründer haben die unglaublichen Deals immer im Hinterkopf.“ PR

Frank Thelen und Lencke Steiner

„Viele Gründer haben die unglaublichen Deals immer im Hinterkopf.“

Am Dienstag wird die vorerst letzte Sendung der Höhle der Löwen ausgestrahlt. Was war besser als bei der ersten Staffel?
Lencke Steiner: Die Gründer haben viel aus der ersten Staffel gelernt. Die Pitches waren besser vorbereitet, die Gründer wussten genau, worauf sie sich einlassen und worauf es ankommt. Es gab lustigerweise einige Keywords, wie „skalierbar“ die unsere Gründer perfekt gelernt und eingebaut haben, um Ihre Chance auf ein Investment zu erhöhen.
Frank Thelen: Die Gründer und Produkte haben in der zweiten Staffel deutlich an Qualität gewonnen. Wir hatten neue Technologien wie Drohnen, unglaublich smarte Gründer wie die beiden jungen Mathematikerbrüder Nitsche, die Math42 entwickelt haben und hoch skalierbare Produkte wie Little Lunch*. Was mir sehr wichtig ist: #dhdl schreibt echte Erfolge. Wir haben mittlerweile für weit über eine Million Euro Little Lunch Suppen verkauft. Das ist ein unvorstellbarer Erfolg. Der Accessoires-Anbieter Von Floerke hat eine eigene Show auf dem Teleshoppingsender HSE und eröffnet eine Filiale in Wien. Meine Spielzeugkiste hat zwei Millionen Euro Kapital eingesammelt und ist eines der am schnellsten wachsenden Abo-Start-ups in Europa. Wir schaffen Arbeitsplätze.

Fünf Highlights der zweiten Staffel „Die Höhle der Löwen“

Eine Gewinnspanne bis zu 900 Prozent...

hat das Start-up „von Floerke“ den Investoren versprochen. Gründer David Schirrmacher war durchgestylt, legte einen erfolgreichen Pitch hin und schloss einen Deal mit den Löwen.

Einhörner in der Höhle...

gab es auch bei einem Pitch. Die Gründer von Einhorn präsentierten nachhaltig produzierte Kondome im Einhornkostüm. Für einen Lacher war gesorgt, schließlich kam es aber nicht zu einem Investment.

Ohne Sissi in der Bademeisterei...

hat Alexander Kraml als Kaiser von Österreich den Löwen sein Produkt vorgestellt. Zumindest war der Gründer des Start-ups Bademeisterei so verkleidet. Beim Pitch hingegen war vieles pink und rosa. Im Vox-Studio roch es vermutlich wie in einer Drogerie. Doch Kraml hatte Erfolg: Mit 350.000 Euro stiegen Williams, Öger und Schweizer ins Unternehmen ein.

Als Silver Gründer...

galt Klaus-Peter Beer in dieser Staffel DHDL. Er hat eine Anziehhilfe für Socken entwickelt, nachdem er genau so etwas nach einem Fahrradunfall gebraucht hätte. Letztendlich hat der Gründer von Hand+Fuss einen Deal aber ausgeschlagen.

Fünf Euro für ein Nickerchen...

muss man bei Boris Munsig und Alexander Kohlhepp pro Stunde bezahlen. Ihre sogenannte „Sleepbox“ (deutsch: Schlafbox) kam allerdings nicht gut an. Jochen Schweizer kommentierte den Pitch der Stay2Day-Gründer so: „Erfolg hat drei Buchstaben. T, U, N. Sie haben es nicht getan.“

Dennoch hatten auch viele Gründer, die sich in der zweiten Staffel präsentierten, unrealistische Bewertungen für ihre Geschäfte mitgebracht. Das war doch auch den Zuschauern schnell klar...
Thelen: Die Forderungen der Gründer waren auch in der zweiten Staffel teilweise unrealistisch und haben auch Deals verhindert. Bei viele Gründern waren sie aber „marktgerecht“. Und ich denke mit der Bekanntheit des Formats wird dies noch besser werden.

Steiner: Viele Gründer sehen ihr Potential und die Marktgröße als Indikator für die Bewertung. Aber nur, weil es 80 Millionen Deutsche gibt, die alle Hosen tragen, habe ich nicht die Garantie, dass auch alle mein Hosenmodell kaufen werden. Ich glaube Facebook und WhatsApp sind die Vorbilder, die mit enormen Bewertungsgrößen locken. Viele Gründer wissen um die unglaublichen Deals und haben immer im Hinterkopf, dass auch die einst in der Garage angefangen haben. Dadurch verstärkt sich das Phänomen zusätzlich.

Die Höhle der Löwen – eine Bilanz: Warum der „Kaffeefilter to go“ keinen Deal bekam

Die Höhle der Löwen – eine Bilanz

Warum der „Kaffeefilter to go“ keinen Deal bekam

Die zweite Staffel von „Die Höhle der Löwen“ ist zu Ende. Bei der Start-up-Show warben Gründer für ihre Ideen.

In den Sendungen der zweiten Staffel rauften die Löwen auch mal, war das beabsichtigt, um mehr Spannung reinzubringen?
Thelen: Ich kann für meine Person garantieren: Nichts ist von Sony/Vox gepusht oder sogar gescriptet. Ich sitze dort 100 Prozent frei als Frank Thelen und keiner drückt mich in eine Rolle. Das in der zweiten Staffel mehr „Dynamik“ zwischen den Löwen entstanden ist, liegt daran, dass wir uns besser kennen und einschätzen können. In der ersten Staffel waren alle sehr vorsichtig, in der zweiten wurde schon teilweise progressiv um Deals gekämpft. So ist es im echten Geschäftsleben auch und mir gefällt diese Entwicklung.
Steiner: Wir mussten uns auch einspielen. In der ersten Staffel waren wir gefühlt nicht so offensiv. In dieser Staffel wurden dann schon einmal die Krallen ausgefahren, wenn der Deal vor der Nase weggeschnappt werden sollte.

Insgesamt steigt die Zahl der interessanten Gründungen zurzeit wieder deutlich, es erinnert an den Boom vor der Dotcom-Blase. Ist es diesmal nachhaltig?
Thelen: Wir haben die richtige Dynamik: junge Gründer, Unternehmen die Start-ups fördern, neue Venture Fonds und viel positive Presse. Wir sind auf dem Weg, aber wir sind noch weit vom Silicon Valley entfernt. Generell gefällt mir der Trend sehr gut und Deutschland hat eine Chance, wieder zu einem Gründerland zu werden.

Werden Sie auch bei der geplanten dritten Staffel 2016 dabei sein?
Thelen: ich freue mich, dass es eine dritte Staffel geben wird, noch ist offen, ob ich dabei sein werde.
Steiner: Für mich waren die ersten zwei Staffeln wirklich sehr besonders und ich durfte viele Menschen mit enormem Unternehmerspirit, wahnsinniger Ausstrahlung und tollen Ideen kennenlernen. Für mich wird das die letzte Staffel gewesen sein. Ich werde mich jetzt auf das Unternehmen, Think Tanks und die Politik konzentrieren.

(*biologisch erzeugte Suppen im Glas, Anm. der Redaktion)

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