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21.01.2011

14:14 Uhr

Iwis

„Durch meinen Willen habe ich später viel erreicht“

VonSusanne Schier

Gerhard Winklhofer hat Iwis zu einem Unternehmen aufgebaut, von dem fast jeder namhafte Autohersteller inzwischen Kettensysteme bezieht. Kein leichter Weg. Aber mit viel Elan und Willen hat Winklhofer Iwis groß gemacht. Doch anders als bei anderen Unternehmen wird bei Iwis nicht strikt von oben nach unten durchregiert. Iwis wird von unten gesteuert.

Gerhard Winklhofer im Gespräch. Quirin Leppert

Gerhard Winklhofer im Gespräch.

LANDSBERG/MÜNCHEN. Ein grauer Novembertag am Münchener Flughafen kurz vor halb acht. Die Menschen frösteln und ziehen ihre Kragen hoch, bevor sie sich in den Nieselregen stürzen. Nicht so Gerhard Winklhofer. Er lässt sich die Laune vom miesen Wetter nicht verderben. Lächelnd begrüßt er seine Gäste und ist voller Elan. Wer den ehemaligen Chef des Kettenherstellers Iwis erlebt, merkt schnell, welcher Tatendrang in dem Unternehmer steckt.

Darauf angesprochen sagt der 76-Jährige, dieser Wille zeichne ihn seit seiner Schulzeit aus: Einmal muss er in einer Klassenarbeit eine Landkarte von China zeichnen. Kurzerhand benutzt er einen Spickzettel. Aber sein Lehrer erwischt ihn. Winklhofer fühlt sich so in seiner Ehre gekränkt, dass er für die nächste Prüfung – Amerika ist an der Reihe – kräftig lernt. Bei der Notenvergabe sagt sein Lehrer: „Wenn er wirklich will, dann kann er, der Winklhofer.“ Winklhofer hat alles gewusst, die Bundesstaaten, die Flüsse und die Namen der Seen an der Grenze zu Kanada. „Für mich war das eine Lektion fürs Leben“, sagt er „Durch meinen Willen habe ich später viel erreicht.“

1934 als Enkel des Iwis-Gründers Johann Baptist Winklhofer geboren, schließt Winklhofer 1960 sein Studium als Diplom-Ingenieur für Maschinenbau ab. Bald darauf tritt er in den Familienbetrieb ein. Aber nicht ohne Umwege: Zunächst zieht es ihn mit seiner Frau nach Amerika. Dort arbeitet er in einer Firma, bis der Musterungsbescheid der US-Armee kommt. Seine Frau und er kehren nach Deutschland zurück. Das ist Winklhofers Anfang bei Iwis.

Aus den USA bringt er den Dienstleistungsgedanken mit. „Dort lag das Angebot schon damals über der Nachfrage. Da mussten die Firmen einen gewissen Service bieten“, erklärt Winklhofer. Es dauert eine Weile, bis er die Kollegen überzeugen kann, dass Service auch hierzulande wichtig ist. Seitdem entwickelt Winklhofer die Firma stetig weiter. Er besucht Messen und die Konkurrenz. Einmal bietet ihm der US-Wettbewerber Morse Chain an, Iwis zu kaufen. Winklhofer diskutiert lange, abgeben will er den Betrieb aber nicht. Schließlich gibt der Konkurrent resigniert auf: „Ich verstehe: Sie wollen der schnelle Fisch im großen Becken sein.“ Schnell ist das Leben von Winklhofer immer geblieben.

1975 übernimmt er die Leitung der Firma von seinem Vater Otto und seinem Onkel Rudolf. Die großen Fußstapfen machen ihm nichts aus: „Als Unternehmer lebt man immer im Jetzt. Man bekommt Werte mit auf den Weg, doch von der Tradition allein kann man nicht leben.“

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