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13.01.2009

10:50 Uhr

Jahresabschluss

Mit internationaler Bilanz zum Kredit

VonJulia Groth

Wer seine Bilanz nach den Internationalen Bilanzierungsstandards (IFRS) erstellt, kann bei einigen Banken mit besseren Kreditkonditionen rechnen. Experten sind aber skeptisch, ob sich der Aufwand für Mittelständler lohnt. Wenn das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz in Kraft tritt, dürften die Grenzen zwischen den beiden Bilanzierungsstandards ohnehin verwischen.

Bilanzen können klassisch nach Handelsgesetzbuch oder nach Internationalen Bilanzierungsstandards erstellt werden. Foto: Archiv

Bilanzen können klassisch nach Handelsgesetzbuch oder nach Internationalen Bilanzierungsstandards erstellt werden. Foto: Archiv

KÖLN HB. Bisher müssen nur börsennotierte Unternehmen nach IFRS bilanzieren. Mittelständler, die ihren Jahresabschluss freiwillig gemäß internationaler Standards aufstellen, können sich aber bei einigen Banken Vorteile verschaffen. Denn jede vierte Bank hält es für möglich, einem Unternehmen, das nach IFRS bilanziert, bessere Kreditkonditionen einzuräumen. Das geht aus einer neuen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG und der Handelshochschule Leipzig hervor. "Ein nicht unerheblicher Teil der Befragten hält eine Verbesserung der Konditionen für möglich", fasst Studienautor Edgar Löw, Partner bei KPMG im Bereich Banking und Finance, die Ergebnisse zusammen. "Bei zwölf Prozent der Banken können Kunden offensichtlich mit einem klaren Vergabevorteil rechnen, wenn sie einen IFRS-Abschluss vorlegen."

Der Grund: Jeder vierte Banker ist überzeugt, durch IFRS-Bilanzierung einen besseren Einblick in die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu bekommen. Das könnte für die lockerere Kreditvergabe sprechen - obwohl es wenig logisch ist, allein wegen veränderter Bilanzierung eher einen Kredit zu vergeben. "Die Kreditkonditionen sollten sich durch eine Umstellung eigentlich überhaupt nicht verändern", wundert sich auch Löw. "Durch ein Ratingsystem wird die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens beurteilt. Und nicht deren Darstellung."

Der Aufwand für die internationale Art der Rechnungslegung lohnt sich ohnehin nur in Einzelfällen. Denn die IFRS-Bilanz können mittelständische Unternehmen nur zusätzlich machen - die HGB-Bilanz müssen sie trotzdem erstellen. Das kann vor allem kleinere Unternehmen leicht überfordern, denn die Doppelbelastung kostet Geld und macht viel Arbeit. Vor allem der Anhang einer Bilanz auf IFRS-Basis muss wesentlich umfassender sein als der Anhang einer nach HGB erstellten Bilanz. "Doppelte Bilanzierung lohnt sich insbesondere für Unternehmen, die auf eher intransparenten Geschäftsgebieten arbeiten, weil die IFRS über erweiterte Angaben Vertrauen schaffen", sagt KPMG-Experte Löw.

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