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25.06.2017

14:21 Uhr

Karl-Theodor zu Guttenberg

„Eine Marktlücke entdeckt“

VonAnja Müller

Früher war er Wirtschafts- und Verteidigungsminister, heute Berater und Investor. Karl-Theodor zu Guttenberg spricht über US-Präsident Trump, sein Geschäftsmodell und sein Interesse an der Blockchain-Technologie.

Karl-Theodor zu Guttenberg war Redner beim Tag der Familienunternehmer. Werner Schuering

Stiftung Familienunternehmen

Karl-Theodor zu Guttenberg war Redner beim Tag der Familienunternehmer.

Wenn der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auftritt, ist das Interesse groß. Auch bei seiner freivorgetragenen Rede über die Welt nach US-Präsident Donald Trump auf dem Tag der Familienunternehmer redet im Saal niemand dazwischen. Danach wird er umringt. Man kennt sich. Als Mitgründer von Spitzberg Partners ist er zurückhaltend gegenüber den Medien. Manche Fragen mag er gar nicht beantworten. Trotzdem nimmt er sich nach dem Mittagessen knapp zehn Minuten Zeit für das Handelsblatt.

Herr zu Guttenberg, Sie empfehlen den Familienunternehmern, ihre Kontakte in die USA weiter zu pflegen und auf die Nach-Trump-Ära zu setzen. Was sollen die Konzernlenker konkret tun?
Es ist nicht damit getan, dass sich die Politik und die Politik austauscht. Zahlreiche Familienunternehmen haben langjährige Verbindungen in die USA. Sie sollten selbst eine Brücke schlagen: Wirtschaft zu Wirtschaft und Wirtschaft zu Politik vor Ort. Auch unterhalb der nationalen Regierungen. Das alleinige Warten auf den Geistesblitz aus Berlin wird immer wieder zur Ernüchterung führen.

Sie erklären im US-Fernsehen den Amerikanern Deutschland und Europa. Wie würden Sie denen die deutschen Familienunternehmen beschreiben?
Die Amerikaner sind sehr beeindruckt von der Qualität im deutschen Mittelstand, vor allem von der Kontinuität, die in den USA nicht so eine große Rolle spielt. Viele US-Unternehmer stehen eher für kreatives Risiko. Daher schauen die Amerikaner einerseits mit Bewunderung auf die Kontinuität, aber auch gelegentlich mit Befremden, weil sie das Thema Nachfolge oft anders angehen. Häufig höre ich, dass man gerne bereit ist, von den Deutschen bei den Themen Nachhaltigkeit und Ausbildung zu lernen.

Es heißt immer, Sie sind Berater und Investor. Das klingt sehr vage. Erklären Sie uns doch einmal kurz das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens.
Spitzberg Partners hat mehrere Komponenten. Erstens: Wir beraten Firmen aus dem Technologie- und Digitalbereich mit Blick auf die geopolitischen, interkulturellen und regulatorischen Implikationen ihrer Technologien.

Deutsche Unternehmen?
Unternehmen weltweit. Insbesondere dann, wenn sich diese Firmen aufmachen, einen neuen Markt zu ergründen. Naturgemäß geht es dabei viel um das transatlantische Verhältnis, aber wir befassen uns genauso mit Unternehmen aus Israel, die nach Europa gehen oder in die USA. Oder US-Unternehmen, die den Rollout in Europa oder in Fernost suchen. Immer wieder treffen diese Firmen auf Probleme, die üblicherweise bei einer Due Dilligence keine Rolle spielen. Wir haben diese Marktlücke entdeckt, von der wir sehr profitieren.

Und die zweite Komponente?
Wir haben festgestellt, dass auch junge Firmen vor solchen Problemen stehen. Wenn sie sich nicht früh genug damit befassen, laufen sie Gefahr, spätestens nach der zweiten Finanzierungsrunde gegen die Wand zu fahren. Da brauchen sie einen Backup, in einer Phase, in der sie noch kreativ und innovativ sein müssen. Denen sagen wir: Wir bieten Euch so einen Sicherheitshebel an, aber auch ein einzigartiges Netzwerk. Ihr könnt Euch uns nicht leisten, aber wir nehmen von Euch einen Anteil. Wenn wir Euch gut genug kennen, dann sind wir auch bereit, in der nächsten Finanzierungsrunde selbst als Investoren einzusteigen. Dadurch haben wir unser Risiko enorm minimiert. Bis zum Investment haben wir eine gute Kenntnis darüber, ob das Start-up ein Erfolg wird.

Haben Sie einen Fonds hinter sich?
Nein. Wir hatten einige sehr schöne Investitionserfolge, weshalb wir nie auf ein Fondsmodell zurückgreifen mussten. So konnten wir Geld aus dem eigenen Topf investieren.

Und welche sind das?
Darüber sprechen wir nicht.

Und dann gibt es noch einen dritten Geschäftsbereich?
Es kamen Finanzinvestoren, Wagniskapitalgeber und alte Industrien zu uns, die uns sagten: „Ihr habt eine Due-Dilligence-Komponente, die wir nicht haben. Seid Ihr bereit, uns bei Akquisitionen oder einem Merger zu unterstützen?“ Da haben wir „ja“ gesagt. In der Nacht auf Freitag gab es eine Finanzierungsrunde für Blockchain. Das Start-up bietet eine virtuelle Geldbörse für Kryptowährungen wie Bitcoins. Es heißt, Sie interessieren sich sehr für das Thema, vielleicht haben Sie dort investiert? Ich freue mich über das Interesse an der Blockchain. Auch wenn es noch eine ganze Weile dauern wird, bis sich alle Hoffnungen erfüllen werden. Ich habe jedoch meine Zweifel, ob sich Bitcoin durchsetzen wird. Ich glaube, dass langfristig andere Kryptowährungen da die Nase vorne haben könnten.

Wenn Sie auf Ihre Arbeitswoche schauen, wie viel Zeit verbringen Sie als Berater und wie viel als Unternehmer?
Ohne aktuelle Schwerpunkte für alle drei Komponenten jeweils rund 30 Prozent meiner Arbeitszeit.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?
Weniger, als ich bräuchte, und mehr, als die meisten denken.

Das klingt nach einem verschwiegenen Familienunternehmer... Haben Sie auch diese als Kunden?
Ja, und auch als Co-Investoren. Manchmal spielt man sich eine Investition auch gegenseitig zu und entwickelt sie gemeinsam weiter. Es kommen zunehmend mehr Familienunternehmer dazu.

Herr zu Guttenberg, vielen Dank für das Interview.

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