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28.10.2015

13:07 Uhr

Kettler in Insolvenz

Kettcar-Hersteller entlässt weniger Mitarbeiter

VonBert Fröndhoff, Anja Müller

Im Juni ging Kettler in die Insolvenz, jetzt wissen die Mitarbeiter, was auf sie zukommt. Knapp 200 Beschäftigte erhalten die Kündigung. Und bei der Sanierung mischt ein finanzkräftiger US-Finanzinvestor mit.

Das Familienunternehmen versucht sich derzeit an der Sanierung. picture alliance/dpa

Kettcar von Kettler

Das Familienunternehmen versucht sich derzeit an der Sanierung.

DüsseldorfDer traditionsreiche Hersteller des legendären Kettcar steckt mitten in der Sanierung. Am Mittwoch haben die betroffenen Mitarbeiter auf der Betriebsversammlung erfahren, wie viele tatsächlich gehen müssen.

Die schlechte Nachricht: Für 198 Kettler-Mitarbeiter gibt es keine Zukunft im Unternehmen mehr. Sie werden in den nächsten zwei bis drei Tage die Kündigung bekommen und die 1949 gegründete Firma verlassen müssen. Die gute Nachricht: es sind rund 200 Mitarbeiter weniger als befürchtet. Zurzeit hat Kettler 1100 Beschäftigte.

Die Vorgeschichte: Kettler hatte sich in den vergangenen zehn Jahren zu wenig verändert, kritisierten Branchenbeobachter, die Struktur galt als verworren. Gründer Heinz Kettler hat einst mehr als 30 Gesellschaften gegründet, manche hochprofitabel, andere nicht. Am 3. Juni 2015 hatte seine Tochter Karin Kettler den Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das Verfahren wurde Anfang September eröffnet.

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Kettler ist auf Kurs in Richtung Sanierung: Das Amtsgericht Arnsberg eröffnet das Insolvenzverfahren. Der Plan von Gründer-Tochter Karin Kettler kann nun umgesetzt werden. Nimmt Kettler noch die Kurve?

Mittlerweile nimmt der Sanierungsplan Gestalt an. Das Ziel: Das Überleben der Firma zu sichern und sie dauerhaft in Familienhand zu halten. Der Plan sieht eine Neustrukturierung der Firma vor, eine neue Finanzbasis und den Schutz durch eine Bürgschaft des Landes NRW. Zu Beginn des Verfahrens hieß es, dass alle Gläubiger vollständig befriedigt werden sollen. Die vier Segmente – Fahrrad, Gartenmöbel, Fitnessgeräte und Kindergeräte – sollen erhalten bleiben.

Der Bevollmächtigte der IG Metall, Torsten Kasubke, erklärt zu den Entlassungen, dass es mehrere Komponenten geben werde, die sozialen Härten der betroffenen Mitarbeiter abzufedern. Manche seien insolvenzüblich, dann gebe es aber noch eine Regelung für diejenigen Mitarbeitern, die sich nicht gegen ihre Kündigung wehren und dann noch einen Sozialtarifvertrag. Der solle tarifliche Angestellte, die gekündigt werden, finanziell besser stellen: „Die Summe ist nicht unerheblich“, sagt Kasubke. Und er ergänzt: Mit allen Punkten zusammen sei es weit mehr als in einem Insolvenzverfahren üblich. „Dann sind wir nicht mehr so weit weg von einem normalen Sozialplan.“

Nach Informationen aus Finanz- und Unternehmenskreisen ist die Carlyle Group nun doch im Gläubigerausschuss von Kettler vertreten. Mit dieser Aufgabe ist Frank Grell betreut, Partner der US-Kanzlei Latham & Watkins in Deutschland. Er leitet von Hamburg aus die deutsche Praxisgruppe Restrukturierung und Insolvenz und gilt als deutschlandweit anerkannter Experte auf dem Gebiet. Zu seinen Kernaufgaben zählt es, die Interessen von Gläubigern bei Krisenunternehmen zu vertreten, etwa bei der finanziellen Restrukturierung, bei Insolvenzplanverfahren und bei der Gestaltung von Debt-Equity-Swaps, also in der Umwandlung von Forderungen in Anteile an einem Unternehmen.

Damit hat sich der Finanzinvestor Carlyle doch noch mit der Forderung durchgesetzt, die Zukunft von Kettler im Gläubigerausschuss mitgestalten zu können. Dies war dem US-Investor zunächst von Seiten Kettlers verwehrt worden. Strittig war, ob Carlyle überhaupt Gläubiger der insolventen Kettler-Gesellschaft ist.

Inhaberin Karin Kettler hatte das Insolvenzverfahren des Unternehmen explizit auch damit begründet, die Übernahme durch einen unerwünschten Investor verhindern zu wollen. Damit war unter anderem Carlyle gemeint. Die Private-Equity-Gesellschaft hatte der Commerzbank eine Forderung über mehr als zwölf Millionen Euro gegen Kettler abgekauft. Der Finanzinvestor hat Pläne für eine Übernahme von Kettler nie bestätigt. Bei anderen Firmen hat Carlyle Eigenkapital zur Verfügung gestellt und aktiv an der Sanierung mitgewirkt.

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