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06.10.2017

14:39 Uhr

Kettler

Kettcar-Hersteller sucht Investoren

VonKatrin Terpitz

Nach überstandener Insolvenz hält der Freizeitgerätebauer Ausschau nach Käufern. Eine angebliche Steueraffäre um den verstorbenen Firmengründer Heinz Kettler sorgt zusätzlich für Unruhe im Sauerland.

Generationen von Kindern sind mit dem Kettcar groß geworden. Jetzt sucht der Hersteller aus dem Sauerland nach Investoren. picture alliance/dpa

Tretauto Kettcar

Generationen von Kindern sind mit dem Kettcar groß geworden. Jetzt sucht der Hersteller aus dem Sauerland nach Investoren.

DüsseldorfDie Traditionsfirma Kettler kommt nicht zur Ruhe. Im Juni 2015 hatte Karin Kettler für den Hersteller von Sport- und Freizeitartikeln Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Familienunternehmen, 1949 gegründet von ihrem Vater Heinz und bekannt für das Tretauto Kettcar, war in finanzielle Schieflage geraten. Die Gründertochter wollte damals „eine unabgestimmte Übernahme durch einen Finanzinvestor“ verhindern.

Im Frühjahr 2016 gelang die Rettung des legendären Kettcar-Herstellers – vor allem auch Dank einer auf zehn Jahre ausgelegten Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Fahrradsparte wurde an ZEG verkauft. Die anderen Geschäfte der insolventen Heinz Kettler GmbH gingen auf die Kettler GmbH mit Sitz in Ense über. Diese wird treuhänderisch verwaltet.

Dann der nächste Schock für die Belegschaft, die von über 1000 auf rund 700 geschrumpft war: Im März verunglückte Karin Kettler mit 57 Jahren bei einem Autounfall tödlich. Bereits ihr Bruder, einst vom Vater als Firmennachfolger ausersehen, war 1981 ebenso ums Leben gekommen. „Eine Tragik wie bei den Buddenbrooks“, meint ein Beobachter. Die promovierte Biologin Karin Kettler hatte die Geschäftsführung inzwischen abgegeben. Zuletzt war sie nur noch im Beirat tätig. In der Todesanzeige betrauern Geschäftsleitung und Mitarbeiter „einen wertvollen Menschen“.

Auch nach dem tragischen Unfall kommt die Traditionsmarke nicht zur Ruhe. Mit neuen Investoren hofft die Familie die Lage zu stabilisieren, was in der Belegschaft zu neuen Spekulationen führt. „Die Kettler GmbH prüft aktuell alle Möglichkeiten einer Kooperation mit einem strategischen Partner oder potenziellen Investoren/Gesellschaftern“, bestätigte eine Firmensprecherin dem Handelsblatt. Der Belegschaft war dies in der Werler Stadthalle bereits vor den sommerlichen Betriebsferien mitgeteilt worden, wie der „Soester Anzeiger“ berichtete.

Der Grund für die Suche nach einem starken Partner ist laut Kettler der harte Wettbewerb in der Branche. Viele Konkurrenten fertigen - anders als Kettler - überwiegend im günstigeren Ausland. „Die Produktion von Alurohren im Sauerland für den Massenmarkt ist heute schwierig“, sagt ein Brancheninsider. Gartenmöbel seien zwar ein boomender Markt. Viele Kunden bevorzugten aber schicke Lounge-Möbel statt bespannter Alustühle wie Kettler sie überwiegend anbiete, heißt es. Auch für Heimtrainer ist der Markt schwieriger geworden. Die Leute gingen lieber ins Fitnessstudio. Oder sie stellten sich in den heimischen Fitnessraum Premium-Geräte statt mittelpreisiger Heimtrainer wie von Kettler. Die Marke habe allerdings weiter einen exzellenten Klang – nicht zuletzt wegen des legendären Kettcar. Der Umsatz lag zuletzt bei rund 135 Millionen Euro.

Die Grundsätze bekannter Führungspersonen

Robert Bosch, Gründer von Bosch

„Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“

Götz Werner, Antroposoph und dm-Gründer

„Normales Führungsdenken geht davon aus, dass man Druck ausüben muss. Führen heißt aber nicht, Druck aufbauen, sondern einen Sog erzeugen.“

„Wir wollen die Menschen in der Filiale miteinbeziehen, damit sie ihre Persönlichkeit, ihre Fähigkeiten entwickeln können.“

Steve Jobs, Apple-Ikone

„Innovation hat nichts damit zu tun, wie hoch das Forschungsbudget ist (…). Es geht dabei nicht um Geld. Es geht um die Mitarbeiter, die daran arbeiten, darum, wie sie geführt werden, und wie gut man Innovation verstanden hat.“

William McKnight, früherer 3M-Chef

„Je mehr ein Unternehmen wächst, desto wichtiger wird es, Verantwortung zu delegieren und die Mitarbeiter zu Eigeninitiative aufzufordern. Das verlangt ein hohes Maß an Toleranz.“

George Buckley, ebenfalls früher 3M-Chef

„Befördere Führungspersönlichkeiten nicht zu schnell. Gib ihren Fehlern Zeit, sie wieder einzuholen.“

Kurt Ernsting, Gründer von Ernsting’s family

„Im Stillen helfen und fördern.“

Quelle

Petra Blum, „Mitarbeiter motivieren und Kunden begeistern – Ein Blick hinter die Kulissen erfolgreicher Unternehmen“, Haufe, 2014.

Mit der Suche nach Investoren möchte die Firma Kettler „eine zukunftsorientierte Ausrichtung für das Unternehmen schaffen, um uns den Herausforderungen des schärfer werdenden Wettbewerbs zu stellen und zeitnah den laufenden Restrukturierungsprozess zu beenden.“ Es gebe keine Alternative für das Unternehmen, meint ein Beobachter. Die Firma Kettler geht davon aus, dass sie den Prozess bis Jahresende abgeschlossen hat. Mit der Suche beauftragt wurde die M&A-Beratung Clearwater International, die Kettler mit einem Unternehmenswert von 100 Millionen Euro bewirbt, wie das Magazin „Bilanz“ berichtete.

Clearwater wollte dies auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Mögliche Interessenten bekommen jedoch derzeit Prospekte für das Projekt Olympia zugeschickt. Darin wird ein namhafter deutschen Hersteller angepriesen. Dazu ein Bild eines Kettcar in Blautönen.

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