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25.02.2015

09:02 Uhr

KfW-Studie

Mittelstand immer weniger innovativ

Der Mittelstand gilt als der Motor der deutschen Wirtschaft. Doch besonders innovativ sind die Unternehmen in den vergangenen Jahren offenbar nicht. Die Investitionen gehen zurück, sogar bei Maschinenbauern.

Der deutsche Mittelstand ist einer KfW-Studie zufolge immer weniger innovativ. dpa

Getriebebau in Baden-Württemberg

Der deutsche Mittelstand ist einer KfW-Studie zufolge immer weniger innovativ.

FrankfurtDeutschlands Mittelständler tun sich mit Innovationen einer KfW-Studie zufolge zunehmend schwer. Nur noch knapp jede dritte (28 Prozent) der kleinen und mittleren Firmen steckte demnach zuletzt noch Geld in neue Produkte oder Prozesse. Nach KfW-Berechnungen sank die Bereitschaft des deutschen Mittelstandes, Neuland zu betreten, im dritten Jahr in Folge.

Der Anteil innovativer Unternehmen liege inzwischen sogar niedriger als in den stark von der Finanzkrise beeinflussten Jahren 2007 bis 2009. Die am Mittwoch veröffentlichte Studie bezieht sich auf die Jahre 2011 bis 2013, dies seien die aktuellsten verfügbaren repräsentativen Daten.

Diese Branchen sind fest in Familienhand

Bau

Im Baugewerbe sind drei Viertel aller Betriebe im Familienhand. Wie wichtig diese im großen Maßstab sind zeigt die Firma Goldbeck aus Bielefeld: 2014 erwirtschafteten sie einen Umsatz von 1,57 Milliarden und waren damit das sechstgrößte Bauunternehmen Deutschlands.

Quelle: Studie des Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, Februar 2015

Handel

Ein weitere Kernbranche der Familien ist der Handel: Sie stellen knapp 70 Prozent aller großen Unternehmen. Vor allem die Lebensmittelhändler wie die Schwarz-Gruppe (Lidl, Edeka) oder die Rewe-Group dominieren mit Umsätzen von jenseits der 70 beziehungsweise 50-Milliarden-Euro-Grenze.

Verarbeitendes Gewerbe

Rang Drei der Branchen mit den meisten familiengeführten Unternehmen ist das verarbeitende Gewerbe, die zu 69,3 Prozent von Inhabern geführt wird. Zum verarbeitenden Gewerbe zählen unter anderem die Schwerindustrie oder die chemische Industrie. Ein Beispiel ist die Firma Würth, die mit seiner Produktion von Schrauben bekannt wurde.

Gastgewerbe

Das Gastgewerbe ist traditionell stark in Familienhand. Heute ist das noch bei zwei Drittel aller Betriebe der Branche der Fall. So betreibt etwa die Münchner Kuffler Gruppe deutschlandweit über 40 Restaurants.

Wirtschaftliche Dienstleistungen

Immer noch 59 Prozent der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen werden von Familien gesteuert. Unter die schwammige Kategorie fallen beispielsweise die Vermietung von Fahrzeugen, die Überlassung von Arbeitskräften oder auch Reisebüros.

Freiberufler, Wissenschaftler, Techniker

Die nächste breite Kategorie im Ranking sind die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Mehr als die Hälfte (56,4 Prozent) dieser Firmen werden von Familien geführt.

Verkehr und Lagerei

Etwa 53 Prozent der großen Verkehrsunternehmen werden von Familien geführt. Dazu gehört unter anderem die Logistikbranche mit Firmen wie Kühne und Nagel, Dachser oder Rhenus.

Grundstücks- und Wohnungswesen

Genau die Hälfte aller großen Immobilienunternehmen sind Familienunternehmen. Dominiert wird die Immobilienbranche zwar von großen Unternehmen wie Deutsche Annington oder Deutsche Wohnen. In der Breite führen aber noch viele Familien die Geschäfte in dieser Branche.

Als wesentlichen Grund für den Rückgang nennen die Ökonomen der Förderbank anhaltenden konjunkturellen Stillstand in weiten Teilen Europas. Das bremse selbst Unternehmen etwa aus Maschinenbau, Elektrotechnik oder Pharmaindustrie, die in der Regel häufig mit Neuerungen auf sich aufmerksam machten. „Wenn der Mittelstand an Innovationskraft einbüßt, dann sind das schlechte Nachrichten für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und auch für den Standort Deutschland“, befand KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld 2015 lasse nicht auf ein Anspringen der Innovationsaktivitäten im Mittelstand hoffen, heißt es in der Studie. Zum Mittelstand zählen die Autoren sämtliche Unternehmen in Deutschland, deren Jahresumsatz 500 Millionen Euro nicht übersteigt. Nach dieser Definition gibt es derzeit 3,61 Millionen Mittelständler in Deutschland. Davon seien 1,01 Millionen Innovatoren.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Herr Thomas V. Schuischel

25.02.2015, 09:53 Uhr

Wer hätte das gedacht? Natürlich nicht. Warum war Fiat unter der italienischen Lire nicht innovativ? Weil sie über den Preis verkaufen konnten. Deutschland war innovativ, warum? Weil sie gezwungen waren immer besser als die anderen zu sein, die günstigsten zu sein war nicht möglich. Und jetzt wundert man sich, warum die Firmen keine innovativen Leistungen erbringen? Weil es sich derzeit nicht lohnt, das Zeug verkauft sich auch so. Dass das für die Zukunft natürlich fatal ist, ist klar. Aber systembedingt.

Herr Thomas V. Schuischel

25.02.2015, 09:55 Uhr

Nebenbei ist auch das natürlich eine Konsequenz aus der Niedrigzinsphase und Geldschwemme der EZB. Und warum macht das die EZB? Weil sich bei höheren Zinsen die Südländer nicht mehr finanzieren könnten und es die Schuldenlast der Nordländer, die derzeit die Südländer teilweise finanzieren, etwas mildert. Auch das ist die Folge eines Euros. Dieser Einheitszinssatz funktioniert einfach nicht.

Account gelöscht!

25.02.2015, 10:29 Uhr

Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge (Energiewende), dann der Betrug/Selbstbetrug (EEG) danach der Mangel (Steigung der Stückkosten durch steigende Strompreise) und zum Schluss die Armut in der Form des nicht mehr investieren in den stromintensiven und stormteuren EE-Standort Deutschland.

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