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13.08.2012

10:43 Uhr

Klaus Fischer

„Ich habe das Unternehmen nicht für meine Kinder geschaffen“

VonTanja Kewes, Oliver Stock

Der Chef des Bautechnik-Konzerns wollte die Führung seinem Sohn übertragen. Doch der Nachfolgeplan ist gescheitert. Firmenchef Klaus Fischer erklärt, warum die Übergabe nicht funktioniert hat und wie es weitergehen soll.

Der Inhaber und Geschäftsführungsvorsitzende der Fischer-Werke, Klaus Fischer. picture-alliance/ dpa

Der Inhaber und Geschäftsführungsvorsitzende der Fischer-Werke, Klaus Fischer.

Herr Professor Fischer, Ihr Vater Artur Fischer hat viele Ideen wie die des Kunststoff-Dübels in Patente umgesetzt. Sie haben die Firma dann in der zweiten Generation groß gemacht. Ist das die Arbeitsteilung zwischen den Generationen gewesen?
Ich glaube ja. Ein Schwerpunkt war für mich immer, unser Unternehmen international auszurichten. Zu schauen, dass wir nicht abhängig sind von einem Land. Dadurch sind wir gewachsen. Das zweite Thema, das ich immer intensiv bearbeitet habe, ist Ausbildung. Weil ich gesehen habe, dass hervorragend ausgebildete Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg sind. Deshalb engagieren wir uns auch in Kindergärten und an Schulen.

Sie haben das Unternehmen im Jahr 1980 von Ihrem Vater übernommen. Was war Ihre erste Tat?
Da habe ich gefragt, wie unsere Sparten definiert sind. Ich wollte herausfinden, was uns eigentlich antreibt. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass wir so etwas wie eine Philosophie brauchen. Wir haben sieben Jahre dazu benötigt.

... eine biblische Zeit.
Nach sieben Jahren hatten wir geschafft, Werte zu definieren, die zu uns passen, die wir wirklich leben: innovativ, eigenverantwortlich, seriös. Heute fragt sich jeder Mitarbeiter bei uns: Was bedeutet es für mich, innovativ zu sein? Was heißt es, am Arbeitsplatz eigenverantwortlich zu handeln? Wie kann ich dazu beitragen, dass unser Unternehmen Geld verdient?

Fischer

Firma

Die Unternehmensgruppe Fischer ist in den Bereichen Befestigungstechnik(Fischer-Dübel), Automobilinterieur und Konstruktionsspielzeug (Fischertechnik) weltweittätig. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Fischer mit rund 3900 Mitarbeitern einen Umsatz von 606 Millionen Euro.

Generationen

Die Grundlage für das Unternehmen legte im Jahr 1948 Artur Fischer (92) mit zahlreichen Erfindungen und Patenten wie für den Synchronblitz und den Spreizdübel. Seit 1980 führt sein Sohn Klaus Fischer (61) die Geschäfte, bei dem seit 2001 auch 98 Prozent der Anteile liegen. Jeweils ein Prozent halten seine beiden Söhnen Jörg Klaus (36) und Frank.

Gescheiterte Nachfolge

Zu Jahresbeginn 2011 übernahm Jörg Klaus Fischer die operative Leitung der Gruppe. Ein Jahr und drei Monate später verließ er überraschend das Unternehmen wieder. Seither liegt die operative Führung erneut bei Klaus Fischer.

Haben Sie Ihre Ideen zur Prozessverbesserung alle hier im abgeschiedenen Waldachtal entwickelt?
Nein, dazu muss man rausgehen. Ich habe viel in Japan gelernt. Die Firmen betreiben dort das "Kaizen". Das heißt, die Mitarbeiter kommen dort regelmäßig zusammen und fragen sich: Wie können wir noch besser werden? Wie können wir noch schneller werden? Jeden Tag ein Stück besser werden, immer nach vorne gerichtet. Das ist eigentlich der Prozess. Nicht die großen Sprünge, die gibt es auch ab und zu. Aber jeden Tag einen kleinen Schritt machen und jeden Tag die Verbesserung, die sichtbar wird, umzusetzen. Nicht zuerst rechnen, nicht langatmig diskutieren, nicht schauen, ob andere Probleme auch noch da sind, sondern lösen, nach vorne blicken - das ist der Weg.

Klingt anstrengend.
Das ist es auch. Ich muss den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwas zutrauen. Nur wenn man sie machen lässt, verändern sie das Unternehmen. Die Menschen müssen sich verändern können, Fehler machen dürfen, das ist ein ganz entscheidender Faktor. Jeder Fehler, der auf den Tisch kommt, verändert das Unternehmen positiv, sofern er nicht zweimal gemacht wird.

Je länger wir reden, desto weniger verstehen wir, warum bei Ihnen der Generationswechsel zu Ihrem Sohn nicht gelungen ist. Ihr Sohn hatte schon das Ruder übernommen, war als Ihr Nachfolger im Amt, und dann mussten Sie doch wieder ran. Was ist passiert?
Mein Sohn hat sich entschlossen, das Unternehmen zu verlassen.

Kommentare (12)

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Hermann.12

13.08.2012, 12:23 Uhr

Fischer ist eine Beispiel, wie es richtig laufen sollte.
Familienunternhemen sind das Rückgrat der Wirtschaft.
klar gibt es auch Eigentümer, die ihrer Verantwortung nicht so nachkommen wie Fischer das definiert. Das hält dann aber selten über mehrere Generationen.
Probleme gibts immer dort, wo Aktionäre befriedigt werden müssen. Deshalb ist pauschale Reichenbashing ja auch so falsch und unbefriedigend.
Reich im nwegativen sinne sind nur Menschen, die für ihren Reichtum keine entsprechende Verantwortung übernehmen. Also Vorstände großer aktiengesellschaft und Inhaber großer Aktienpakete, die allein an deren Rendite interessiert sind.
Das sind aber eben nicht die Reichen die in der öffentlichen diskussion das Ziel höherer Abgaben sind, deshalb ist die pauschsale Reichenverunglimpfung so demagogisch falsch.
Gewerkschaften und Sozialpolitiker wissen, dass ihr vortei lnicht am Familienunternehmenhängt, sondern an der Mitbestimmung vor allem in Aktiengesellschaften, sie vertreten deshalb auch primär deren Interessen und besteuern gerne die Anderen. Denn das sichert persönliche Macht und gesellschaftlichen Einfluss. Beides ist in Familienunternehmen nicht zu erlangen, dort gibts halt keine Versorgungsposten mit Machtbasis.
Wer also eine bessere Vermögensverteilung wünscht, sollte sich genau überlegen, wessen Interessen er bedient und ob der Blick allein aufs Geld tatsächlich den gewünschten Effekt hätte oder eltztlich anderne Interessen dient.

H.

Account gelöscht!

13.08.2012, 12:34 Uhr

Klaus Fischers Worte hören sich weitgehend sehr vernünftig an: Das Unternehmen für die Zukunft seiner Familie und seiner Mitarbeiter, die Beteiligung der Mitarbeiter an den Denkprozessen, die Sorge um die Mitarbeiter, die Bedeutung sozialer Führungskompetenz. Andererseits dürfte es keine gewagte Behauptung sein, dass sich nahezu jeder Inhaber eines Familienunternehmens so äußern würde, wenn er einem HB-Redaktionsteam gegenüber sitzen würde.

Die Eigentumsverhältnisse sprechen dagegen eher für einen Patriarchen, der sich in Wahrheit die reine Vernunft, allen anderen aber vorsorglich das Schlimmste zutraut.

Die 1%-Beteiligungen seiner Söhne, die Mutter seiner Kinder gar nicht beteiligt, Arbeitnehmer des Unternehmens auch nicht beteiligt - und 98% bei ihm selbst.

Die Gründe, die sein ältester Sohn auf dem Spaziergang dafür nannte, dass er das Unternehmen nicht führen wolle, bleiben ebenso unerwähnt wie sie Gründe dafür, dass sein jüngster Filius keine Gelüste dafür spürt, in dem Unternehmen arbeiten zu wollen.

Klaus Fischer ist zweifellos ein sehr kluger Kopf, aber ebenso sicher ist es, dass auch er in Schablonen denkt, deren Grenzen für ihn bisher unüberwindbar sind. Ich würde sehr gern einmal mit ihm über die Göttin und die Welt reden.

Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

"Die Menschheit richte sich danach, was die gerechten und vernünftigen unter den Frauen am Ende des freien und für alle offenen Streites der Argumente wollen, im Kleinen, im Großen, in allem!"

NievauNivellor

13.08.2012, 15:50 Uhr

Erst wenn Sie etwas vergleichbares "auf die Beine" gestellt haben und in seine Liga aufgestiegen sind, erst dann dürfen sie mit Ihm über die nie dagewesene Göttin und die für den Mann erschaffene Welt reden!
Doch bis dahin bleiben Sie unter Ihresgleichen - der Neider- und "durchgegenderter Hochintelligenzbesserwisserklugscheißerfraktion", die so zahlreich in meinem geliebten Vaterland vertreten ist.

MfG

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