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05.05.2015

14:54 Uhr

Kommentar zu Rocket Internet

Ernüchterung im Samwer-Reich

VonMiriam Schröder

Ein halbes Jahr nach dem Börsengang macht Rocket Internet Verluste. Viele eigene Gründungen dümpeln vor sich hin – das Wachstum müssen sich die Samwers teuer zukaufen. Dem Geschäftsmodell fehlt der Spirit. Ein Kommentar.

Die selbsternannte Start-up-Schmiede schafft es bisher nicht, Begeisterung zu erzeugen. dpa

Rocket-Chef Oliver Samwer

Die selbsternannte Start-up-Schmiede schafft es bisher nicht, Begeisterung zu erzeugen.

Es klingt alles schwer nach Entzauberung: Nur ein halbes Jahr nach dem Börsengang weist Rocket Internet Verluste aus. Die Kritiker dürfen sich bestätigt fühlen, und davon gibt es eine Menge: Die Samwers bringen keine Innovationen auf den Markt, sagen sie, die Brüder kopieren lediglich Geschäftsmodelle und machen sie in bislang unbesetzten Märkten groß. Damit haben sie Recht.

Wie gut die Samwers das können, beweist der Erfolg von Zalando. Der Börsengang des Modehändlers im vergangenen Jahr bescherte Rocket die Gewinne, die es brauchte, um selbst Investoren anzulocken. Delivery Hero könnte das nächste Ding werden – ist aber keine Rocket-Erfindung, nicht mal eine Kopie. Die selbst ernannte Start-up-Schmiede stieg erst im Februar bei den Lieferhelden ein und musste fast 500 Millionen Euro dafür zahlen

Rocket Internet: Großer Hunger, große Verluste

Rocket Internet

Großer Hunger, große Verluste

Ein halbes Jahr nach dem Börsengang meldet Rocket Internet ein Minus. Die Start-up-Schmiede kompensiert die schlechte Nachricht mit neuen Beteiligungen: Rocket kauft bei Essenslieferdiensten zu.

Wenn sich das Investment lohnt, ist dagegen nichts einzuwenden – nur wäre das ein neues Geschäftsmodell, für das man weder 30.000 Leute noch einen kompletten Büroturm braucht, wie ihn das Unternehmen gerade in Berlin plant. Eigene Gründungen, wie der Zimmervermittler Wimdu, dümpeln vor sich hin. Die Samwers haben es bisher nicht geschafft, einen Spirit zu kreieren, wie ihn das Original Airbnb vorlebt, und damit auch in Deutschland, dem Heimatmarkt von Rocket Internet, die Kunden begeistert.

Begeisterung, Spirit, das sind keine Wörter aus der Rocket-Welt, in der es mehr um Performance und Execution geht. Allein: Die Kritik daran ist nicht neu, genau so wenig wie die Frage, ob und wann die mehr als 100 Beteiligungen aus dem Samwer-Reich jemals Gewinn abwerfen. Ernüchternd ist die Erkenntnis, dass man große Erfolge nicht in Serie planen und produzieren kann, nicht mal, wenn man Samwer heißt. Entzaubert sind die Samwers nicht: Gezaubert haben sie nie.

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