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20.09.2016

07:33 Uhr

Kommunikation im Mittelstand

Das Schweigen der Bosse

VonAnja Müller

Die Universität Leipzig hat zum zweiten Mal die Kommunikationsarbeit von Mittelständlern untersucht. Das Problem sitzt auf dem Chefsessel, zeigen die Daten, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen.

Vom Chef hängt es wesentlich ab, ob die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens transparent ist - und ob die Kommunikation nach außen den Erfolg der Firma beflügelt. dpa

Bürogebäude

Vom Chef hängt es wesentlich ab, ob die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens transparent ist - und ob die Kommunikation nach außen den Erfolg der Firma beflügelt.

LeipzigGerd Eckelmann hat das Herrschaftswissen in seinen Unternehmen abgeschafft. Der Gründer, Mehrheitseigentümer und seit Juli stellvertretende Vorsitzende der Eckelmann-Gruppe sagt seinen 420 Mitarbeitern, was das Unternehmen mit rund 60 Millionen Euro Umsatz plant, sofern dies nicht unter den Datenschutz fällt. Er spricht dann von einem „virtuellen Großraumbüro“, das die Mitarbeiter in die Lage versetzt, möglichst viel mitzubekommen.

Kurz: Eckelmann bringt Leben in die digitale Fabrik. Das Unternehmen entwickelt und produziert digitale Steuerungen für Maschinen und Anlagen. Zu den Renommierprojekten zählt die Partikeltherapie zur Tumorbehandlung in Heidelberg. „Wir gehen großzügig mit Informationen um, dahinter steckt die Hoffnung, dass die Mitarbeiter unternehmerisch mitdenken, wenn sie es denn wollen.“ Gute Ideen entstünden oft zufällig, sagt Eckelmann, Nur in einem angstfreien und offenen Raum würden Mitarbeiter diese Ideen mit ihren Chefs teilen.

„Offenbar haben viele Mittelständler erkannt, dass Kommunikation nach innen und außen in Zeiten der Digitalisierung wichtiger wird, doch an der Umsetzung hapert es“, erklärt Studienleiter Ansgar Zerfaß, Professor für Strategische Kommunikation an der Universität Leipzig. Zum zweiten Mal hat die Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der PR-Agentur Fink & Fuchs weit mehr als 500 Unternehmen befragt, davon 270, die unter die Schwelle von weniger als 500 Mitarbeitern oder weniger als 50 Millionen Euro Umsatz fallen.

Ein großes Dilemma liege auch darin, dass die Firmenchefs unter Kommunikation vor allem Kundenkommunikation verstehen, so Zerfaß. Sie glaubten, dass mit Marketing schon viel erledigt sei. „Sie heuern dann möglicherweise auch nicht die Kommunikationsprofis an, die sie brauchen.“ Eine Konsequenz: Gute Kommunikationsleute, die erkennen, dass ihren Chefs das Verständnis fehlt, verlassen die Unternehmen wieder.

Die Vorteile kurzer Entscheidungswege, die in mittelständischen Unternehmen herrschten, würden so wieder aufgebraucht. Während unternehmerischer Instinkt nach wie vor der wichtigste Vorteil für viele agile Mittelständler sei, bestätigt Stephan Fink, Geschäftsführer bei Fink& Fuchs PR, brauche es für strategische Kommunikation „interne oder externe Kommunikationsprofis“.

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