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29.01.2010

15:20 Uhr

Krisenstimmung

Mittelstand benötigt Risikomanagement

VonAxel Granzow

Unter den Automobilzulieferern grassiert die Angst vor der Insolvenz. Etliche Unternehmen mussten in der Krise ihre Reserven aufbrauchen. Nun warnt eine Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman: Ohne Notfallplan droht etlichen Zulieferer im kommenden Jahr das Aus.

Kleinen und mittelständischen Zulieferbetrieben droht die Insolvenz. dpa

Kleinen und mittelständischen Zulieferbetrieben droht die Insolvenz.

DÜSSELDORF. Insolvenzen kleinerer und mittlerer Zulieferer werden 2010 das Szenario in der Automobilindustrie sowie vor allem im Maschinen- und Anlagenbau prägen. Diese Insolvenzen können die Produktion in den betroffenen Industrien stören, aber auch signifikante finanzielle und strategische Risiken für alle Beteiligten der Branche darstellen. Hersteller benötigen daher für 2010 ein effektives Lieferantenrisikomanagement, Notfallpläne und Frühwarnindikatoren, meint die internationale Managementberatung Oliver Wyman in der Studie "Risikomanagement im Einkauf". Durch erfolgreiches Risikomanagement der Lieferantenkette könnten sich Unternehmen gegen schwere finanzielle Belastungen absichern und Wettbewerbsvorteile erzielen. Für die Untersuchung befragten die Berater 150 Entscheidungsträger aus verschiedenen Branchen.

Die Unternehmensberatung erwartet in Deutschland für das Jahr 2010 rund 70 bis 100 Insolvenzen allein bei Automobilzulieferern. Über Kurzarbeit und ursprünglich noch vorhandene Auftrags- und Finanzpolster hätten sich in den vergangenen Monaten viele kleinere und mittlere Zulieferer am Leben erhalten. "Viele finanzschwächere Automobilzulieferer haben ihre Reserven nun aber aufgebraucht. Der leichte Aufschwung in 2010 ist für sie nicht ausreichend, um zu überleben", so Christian Heiss, Einkaufsexperte bei Oliver Wyman.

Während die großen Unternehmen bereits wieder nach vorn schauten, müssten viele kleinere und schwache Marktteilnehmer ihre Unternehmen schließen. Doch gerade wenn die Nachfrage wieder anzieht, sind Produktionsausfälle durch Insolvenzen von Lieferanten besonders kritisch.

Noch härter als die Automobilzulieferindustrie werde die Insolvenzwelle den Maschinen- und Anlagenbau treffen. Hier sei Single-Sourcing weit verbreitet, die Abhängigkeit bei der Beschaffung eines bestimmten Teils nur von einem Zulieferer.

Oliver Wyman prognostiziert für den Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 2010 mehr als 500 Insolvenzen, vor allem von kleinen und spezialisierten Unternehmen. Wie ein Dominoeffekt könnten einzelne Unternehmenszusammenbrüche dann ganze Industriesegmente gefährden, die ansonsten gesund sind, glauben die Berater. Im Jahr 2010 werde der Absatz zwar wieder anziehen - das Ausfallrisiko jedoch auch. Dies könne die Erholung von einzelnen Firmen schnell infrage stellen.

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