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16.12.2012

15:43 Uhr

Lebensmittelproduktion

Das harte Geschäft mit dem süßen Schokomann

VonAnja Müller

Von wegen besinnlich: Bei der Produktion von Schokoladen-Genussgütern schenken sich die Hersteller im Advent nichts. Das Geschäft ist knallhart durchkalkuliert – wer nicht billig ist, verpasst die Bescherung.

Nikoläuse in einem Supermarkt: In den Fabriken läuft bereits die Osterwaren von den Bändern.

Nikoläuse in einem Supermarkt: In den Fabriken läuft bereits die Osterwaren von den Bändern.

Dettingen/TeckWer sich auf den Weg zu einem Weltmarktführer für Weihnachtsmänner und Schokofiguren macht, wird vom Duft warmer Schokolade empfangen. Die Schokoladenfabrik Rübezahl liegt unscheinbar mitten in einem Industriegebiet am Fuß der schwäbischen Alb. Doch wer da gerade im Sekundentakt von Maschinenhand in bunte Alufolie gewickelt wird, hat weder Bart noch rote Mütze; bei Rübezahl werden momentan die Hasen für die kommende Ostersaison verpackt.

Die Armeen von Nikoläusen und Weihnachtsmännern sind schon lange abgereist. Sie stehen bereits in den Regalen von Discountern und Lebensmittelhändlern oder sogar in den Schränken von Eltern und Großeltern in Italien und Israel, in den USA und sogar in China. Rübezahl liefert in mehr als 50 Länder. Und die Vollmilchschokoladenhohlkörper - so heißen sie korrekt - warten auf ihren großen Einsatz zu Weihnachten.

Das Geschäft mit dem "süßen" Mann ist knallhart kalkuliert. Wer Weihnachtsmänner mit dem "private label" also ohne eigene Marke verkaufen will, "muss fast konkurrenzlos preiswert sein und trotzdem eine hohe Qualität liefern", erklärt Claus Cersovsky, geschäftsführender Gesellschafter von Rübezahl. Jedes Jahr verlassen mehr als 50 Millionen Schokoladen-Weihnachtsmänner und Nikoläuse und ebenso viele Osterhasen die Schokoladenfabrik in Dettingen/Teck bei Stuttgart. Hinzu kommen rund 30 Millionen Schokoladen-Adventskalender. Zurzeit exportiert Rübezahl rund 40 Prozent seiner Produktion. In zehn Jahren aber, glaubt Cersovsky, wird sich das Verhältnis umgekehrt haben.

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Das Unternehmen ist bei den Verbrauchern dennoch weitgehend unbekannt. Denn Rübezahl produziert vor allem für Discounter und den Lebensmitteleinzelhandel unter Handelsnamen oder Süßwaren rund um die Spielfiguren der Schlümpfe oder Spongebob, Wickie oder Hot Wheels. Nur wer auf den Absender schaut, liest mal den Namen Rübezahl oder Friedel, eine kleine Marke, die Rübezahl 2002 also vor zehn Jahren hinzugekauft hat.

Unabhängigkeit ist für die Unternehmer Cersovsky ein hohes Gut. So gilt bei Rübezahl die Regel: "Wir versuchen mit keinem einzelnen Handels-Partner mehr als zehn Prozent Umsatz zu machen." Der Druck des Handels ist dennoch enorm. Die stetig steigenden Kosten konnte das Unternehmen nur über Wachstum finanzieren. "In den letzten 20 Jahren hat das Unternehmen den Ausstoß verzwanzigfacht, in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt." Seit zwei, drei Jahren aber ist klar, dass Saisonartikel ohne starke Namen kein großes Wachstumspotenzial mehr in Deutschland haben.

Konkurrent Peter Riegelein, geschäftsführender Gesellschafter der Confiserie Riegelein, der in ähnlicher Größenordnung produziert, ergänzt: "In den vergangenen Jahren haben immer mehr Ganzjahresanbieter dieses Segment für sich entdeckt." Markenhersteller wie Lindt oder Kraft mit Milka sind mehr im Lebensmitteleinzelhandel präsent, während die mittelständischen Hersteller oft Discounter beliefern.

Knapp 46 Euro geben die Deutschen im Schnitt pro Jahr für Schokolade aus, der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 9,2 kg, errechnete der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). "Als im vergangenen Jahr die Rohstoffpreise deutlich anzogen, konnten wir die höheren Preise aber nicht so einfach weitergeben", erklärt Cersovsky, der den Vorsitz in Baden-Württemberg beim BDSI führt. Wenn überhaupt, dann meist nur mit einer Zeitverzögerung.

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