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29.03.2006

09:41 Uhr

Liberalisierung des Textilmarktes

Firmen klagen über Quoten-Konfusion

VonAnna Marohn

Die Einfuhrbeschränkungen für Textilien sollen bis 2008 komplett fallen. Die europäischen Weiterverarbeiter bangen um ihr Geschäft.

KÖLN. Als im Januar 2005 die Handelsbarrieren für Textilimporte aus China liberalisiert werden sollten, war das auch für Hersteller von Berufsbekleidung ein Grund mehr, im Reich der Mitte zu produzieren. Zwar gehörte reine Berufsbekleidung auch vorher nicht zu den quotierten Waren. Aber alles, was auch auf der Straße tragbar ist, konnte den Zoll nur in begrenztem Maß passieren: Die Einfuhr von T-Shirts mit kleinem Firmenlogo oder modisch geschnittenen Hosen waren als gilt als Freizeitkleidung – und deren Einfuhr ist beschränkt.

Im Juni 2005 war es mit der neuen Freiheit aber schon wieder vorbei: Die EU hatte nach Protesten süd- und osteuropäischer Länder quasi über Nacht mit China vereinbart, die schrittweise Liberalisierung zu verzögern. „Die Regelung hat uns völlig überrascht. Der Gesetzgeber hat sich absolut inakzeptabel verhalten“, schimpft Harald Goost, Vertriebsleiter des Kölner Berufsbekleiders Bierbaum-Proenen.

15 000 Outdoorjacken von BP hingen zeitweise in China fest, weitere 5000 konnten gar nicht mehr geliefert werden. Dem Mittelständler entstand ein Schaden von 200 000 Euro.

Im September einigten sich EU und China dann zwar auf Nachbesserungen, um gestrandete Ware freizugeben – allerdings wurden die Mengen auf die Quoten für die nächsten Jahre angerechnet. Der Branchenverband Germanfashion kritisiert besonders den fehlenden Vertrauensschutz, der bereits geschlossene Abkommen betraf: „Die Unternehmen konnten ihre Lieferverträge nicht erfüllen und mussten kurzfristig umdisponieren, was zwangsläufig hohe Mehrkosten verursacht“, sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Rasch. Denn trotz der Schwierigkeiten ist die Liebe zu Fernost in der Textilbranche ungebrochen. China war auf der Importrangliste mit 3,4 Mrd. Euro zwischen Januar und Oktober 2005 das wichtigste Einfuhrland der Branche.

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