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23.01.2008

21:54 Uhr

Logo bei Muslimen immer wichtiger

Halal im Einkaufswagen

VonMichael Sauermost (bfai)

Hersteller von Lebensmitteln werben in der islamischen Welt damit, dass ihre Produkte „halal“ sind. Ist das Logo auf der Verpackung Pflicht oder Kür?

Halal-Logo an einem Restaurant in Malaysia. Foto: Reuters

Halal-Logo an einem Restaurant in Malaysia. Foto: Reuters

JAKARTA. Ob Grüner Punkt oder Biosiegel: In Deutschland sind Logos auf den Lebensmittelverpackungen gang und gäbe. Doch sie alle verblassen gegenüber der Wirkung des Halal-Logos in der muslimischen Welt. In der Republik Indonesien ist die Zertifizierung zwar keine Pflicht, doch gerade ausländische Produkte werden sehr genau kontrolliert. Ein Teil der Marketingbudgets fließt daher in die Halal-Zertifizierung von Produkten.

Der arabische Begriff „halal“ bedeutet: „rein“ und bezeichnet Dinge, die nach islamischem Recht erlaubt sind. In erster Linie dürfen die Produkte nichts mit Schweinefleisch oder Alkohol zu tun haben. Hygiene ist genauso wichtig wie die Art der Schlachtung bei Fleischerzeugnissen. „Ganz so einfach ist es jedoch nicht“, weiß Kartika Adiwilaga, Sprecherin von PT Nestlé Indonesia. Wer wie Nestlé Indonesia sämtliche Produkte mit dem Halal-Logo versehen will, muss nachweisen, dass auch alle Zulieferer entsprechend zertifiziert sind. Die Zuckerraffinerie kann sich beispielsweise als „haram“, also unrein, entpuppen. Der gesamte Produktionsablauf wird deshalb geprüft – inklusive Verpackungen. Selbst Transportunternehmen gliedern sich mittlerweile in den Zertifizierungsprozess ein.

Ein Halal-Zertifikat wird in Indonesien für zwei Jahre erteilt. Bei importiertem Fleisch nehmen die Behörden jede Lieferung unter die Lupe. Die offiziellen Kosten des Logos für Standardprodukte liegen bei 50 bis 250 US-Dollar. „Bei ausländischen Erzeugnissen können aber hohe Nebenkosten anfallen“, betont Adiwilaga. Müssen Zulieferer aus dem Ausland überprüft werden, entstehen Reise- und Unterbringungskosten für die Inspektoren.

Gerade bei neuen Produkten aus dem Ausland schauen die Kunden ganz genau auf das Logo. In den lokalen Restaurants fragt kaum jemand nach, woher zum Beispiel das Speiseöl stammt. In Fünfsternehotels sieht das ganz anders aus. Während in Indonesien gefertigte Instantnudeln automatisch in den Einkaufswagen wandern, muss der Camembert aus Frankreich erst dem Röntgenblick des Konsumenten standhalten. Die US-amerikanischen Fast-Food-Ketten stehen besonders stark in der Pflicht, neben ihren Kassen einen Halal-Schriftzug zu platzieren.

Halal steigert den Wert

Dass die Hypermarktkette Carrefour ihre neuen Produkte noch nicht mit einem Halal-Logo versehen konnte, hat geschäftspraktische Gründe. Ein Großteil der rund 3.000 Lieferanten von Carrefour sind kleinere Unternehmen. „Diese können sich das oft nicht leisten, wenngleich wir selbstverständlich unsere Hilfe anbieten“, sagt Irawan Kadarman, Unternehmenssprecher von Carrefour Indonesia. Erst ab einem gewissen Volumen lohne sich der Deal für Lieferant und Auftraggeber. Der Supermarkt bemühe sich jedoch, sämtliche Produkte zu zertifizieren, da das Halal-Logo ihren Wert erheblich steigere. Auch der Marketingeffekt ist groß. Viele Unternehmen werben mit dem Slogan „100 Prozent halal“. „Das ist natürlich Blödsinn“, schmunzelt Kadarman. „Ein Produkt ist entweder halal oder nicht. 50 Prozent halal gibt es nicht.“

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