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31.03.2012

08:33 Uhr

„Made in America“

Wenn sich China nicht mehr lohnt

VonThomas Jahn

In Asien finden sich viele der Billigheimer unter den globalen Produktionsstätten, dabei ist die Herstellung in der Ferne oft kaum günstiger. US-Firmen wie der Kosmetikkonzern Farouk Systems blasen nun zum Rückzug.

Die Produktionshalle von Farouk Systems in den USA: Hier werden Föns und Bügeleisen hergestellt. PR

Die Produktionshalle von Farouk Systems in den USA: Hier werden Föns und Bügeleisen hergestellt.

HoustonMan muss nur nach den knalligen Schuhen suchen. Beim Rundgang verliert man Farouk Shami im Gewirr von Metallkübeln und Sortiermaschinen schnell aus den Augen. Aber man findet ihn rasch wieder: Der Chef von Farouk Systems trägt blauen Anzug, grau-weiß gestreiftes Hemd – und rote Cowboystiefel. Auf deren Spitze steht mit goldenen Buchstaben „Chi“, das ist die Hauptmarke des Kosmetik- und Konsumgüterkonzerns mit Sitz in Houston im US-Bundesstaat Texas.

Der Firmengründer liebt seine Fabrikhallen, kennt jede Maschine und grüßt die Arbeiter. In Asien löst er derzeit seine Produktion auf, bis 2015 soll alles wieder in Amerika hergestellt werden. Eine überraschende Entscheidung, immerhin zahlt Shami einem Arbeiter in China nur 40 Cent die Stunde und in den USA zwölf Dollar. Aber das sind, so meint er, nicht alle Kosten. Rechnet man noch Transport, Zoll und deutlich höhere Lagerhaltung hinzu, hat China nur noch knapp die Nase vorn.

Farouk System ist mit knapp einer Milliarde Dollar Umsatz einer der größten privat geführten Kosmetikhersteller der Welt. Das Geld wird mit teilweise patentierten Ökoprodukten verdient: Haarfärbemittel ohne Ammoniak, Lockenstäben mit Keramik oder Föhne mit niedriger elektromagnetischer Strahlung. Seitdem das Unternehmen in China produziert, kämpft es gegen eine Flut von gefälschten Produkten. „In China hat man keinen Respekt vor Privateigentum“, sagt Shami.

Der Unternehmenschef ist mit seinem Vorhaben keineswegs allein. Nach Schätzung der Beratungsfirma Gartner werden bis 2014 rund 20 Prozent der nach Asien ausgelagerten Produktion wieder in die USA zurückgeholt. Steigende Arbeitskosten und andere Faktoren wie bessere Logistik oder steigende US-Produktivität „erodieren kontinuierlich den vormals überwältigenden Kostenvorteil Chinas“, schreibt Boston Consulting in einer neuen Studie. Nach deren Analyse wandern bis 2020 jährlich Produktionskapazitäten von 20 bis zu 55 Milliarden Dollar in die USA zurück, wo durch die Rückkehr insgesamt drei Millionen Arbeitsplätze entstehen.

Kommentare (11)

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umdenken

31.03.2012, 08:56 Uhr

Und genau das sollten sich europäische Unternehmer auch überlegen.
Ein Grund der jetzigen Krise ist auch die Auslagerung von Arbeitsplätzen nach Asien, wodurch nun ein neues Lumpenproletariat in den unteren Schichten entsteht. Diese drehen dann die Spirale der Gesellschaft durch wenig Konsum und Leben von der Stütze weiter nach unten. Gewinnmaximierung ist nicht alles, es sollte auch noch irgendwie angenehm zu leben sein und durch den Müll wühlende Rentner sind eine Schande für eines der reichsten Länder dieser Erde. Im Ausland weiss man dass dies in D passiert und es tut dem Image der Deutschen nicht gut, da es das Vorurteil der knallharten Kälte befestigt.

Account gelöscht!

31.03.2012, 08:58 Uhr

...au fein, endlich haben es auch die ersten Firmenlenker erkannt... ...und wenn ein solches Produkt nur durch heimische Produzenten hergestellt werden kan, gut und damit begehrt ist, werden auch im Inland kostendeckende und gewinnerhöhende Margen erzielt. Man schaue nur auf teuere Markenware, deren Materialwert weit unter dem Verkaufspreis liegt. Und da auch China hohe Importzölle verhängt, bleibt den anderen Ländern gleiches Recht vorbehalten. Letztendlich wird sich über kurz oder lang ohnehin wieder alles austarieren. Und für Zollkontrollen kann man neues Personal einstellen...

InterimManager

31.03.2012, 12:12 Uhr

Ist schon interessant wie lange es dauert bis das offensichtliche zum Mainstream wird. Ich habe das einen Kollegen schon vor 5 Jahren vorgerechnet. Ohne Erfolg! Wenn ein Manager mit seiner Produktion nicht nach China geht muss er sich rechtfertigen. Und man macht ja im industriellen Masstab 1-2 Mio. weniger im Jahr. In der Krise kann das den Kopf kosten.
Der Konformitätsdruck führt oft zu dummen kurzsichtigen Entscheidungen.

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