Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.06.2014

09:28 Uhr

Marktführer bei Schalenkoffern

Samsonite gegen den Rest der Welt

VonGeorg Weishaupt

Der Markt für Reisegepäck ist hart umkämpft. „Unser größter Konkurrent ist der No-Name-Markt“, sagt Tim Parker, Chef des Marktführers Samsonite. Die Billigheimer haben inzwischen 70 Prozent des Marktes erobert.

Samsonite-Chef Tim Parker: Er führt das Unternehmen seit 2008. Der Brite, der zuvor bei Kenwood, Clarks und EMI arbeitete, musste die Firma nach der Wirtschaftskrise erst sanieren. Reuters

Samsonite-Chef Tim Parker: Er führt das Unternehmen seit 2008. Der Brite, der zuvor bei Kenwood, Clarks und EMI arbeitete, musste die Firma nach der Wirtschaftskrise erst sanieren.

OudenaardeDie große Waschtrommel aus Holz dreht sich langsam. Sie nimmt den gelben Schalenkoffer ein Stück mit in die Höhe und lässt ihn dann polternd sich überschlagen. Das wiederholt sich immer wieder. Der Koffer sieht arg ramponiert aus. Aber die Scharniere und Reißverschlüsse halten den Dauerbelastungen stand.

Samsonite unterzieht sein Reisegepäck im Testzentrum in der Europazentrale im belgischen Oudenaarde bei Gent harten Prüfungen. Mit hohem Qualitätsanspruch will sich die weltweite Nummer eins der Koffermarken gegen die vielen Billigkonkurrenten behaupten. „Wir wollen den Umsatz in den kommenden fünf Jahren verdoppeln“, sagte Samsonite-Chef Tim Parker dem Handelsblatt.

Im vergangenen Jahr steigerte das ursprünglich amerikanische Unternehmen, das seit 2007 seinen Sitz in Luxemburg hat und an der Hongkonger Börse notiert, seinen Umsatz um 15 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen stieg um 18 Prozent auf 338 Millionen US-Dollar.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Das hohe Umsatzziel für die kommenden fünf Jahre kann der Konzern mit „organischem Wachstum“, also aus eigener Kraft, erreichen, ist Parker überzeugt. Doch er hält auch Ausschau nach Akquisitionen. Heute schon hat er unter dem Dach Samsonite zahlreiche Marken wie American Tourist, Hartmann oder High Sierra versammelt. So will er möglichst viel vom weltweiten Koffermarkt im mittleren und gehobenen Preissegment abdecken.

Denn der Markt für Reisegepäck wächst, ist aber hart umkämpft. Der weltweite Reiseverkehr ist nach Berechnungen der World Tourism Organization (UNWTO) um fünf Prozent auf 1,1 Milliarden Reisende gestiegen. Parker erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Samsonite führt zwar die Riege der Markenhersteller an. So lag der Marktanteil nach den letzten Berechnungen von Frost & Sullivan 2011 bei 9,6 Prozent, während die nächsten Konkurrenten wie Tumi USA (1,6 Prozent), ACE USA (1,5) und der nächste deutsche Rimowa (0,6) mit großem Abstand folgen. Aber nicht die Markenkonkurrenten sind das Problem des Marktführers, sondern die Billigheimer. „Unser größter Konkurrent ist der No-Name-Markt“, räumte Parker ein. Die Billigmarken haben inzwischen 70 Prozent des Marktes erobert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×