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10.08.2014

10:32 Uhr

Marktführer für Dachsysteme

Das Panoramadach als Statussymbol

VonMarkus Fasse

„Schiebe- und Panoramadächer“, schwärmt Webasto-Chef Holger Engelmann, „sind in China zunehmend ein Muss“. Der Zulieferer baut in zehn Werken Glashimmel für den chinesischen Markt. Nur Cabriodächer laufen gar nicht gut.

Glasdach-Fertigung bei Webasto in China: Gefühl von Licht, Luft und Leichtigkeit im Auto. Webasto

Glasdach-Fertigung bei Webasto in China: Gefühl von Licht, Luft und Leichtigkeit im Auto.

StockdorfMehr denn je lebt die deutsche Autoindustrie vom Chinaboom: Jeder dritte VW und fast jeder fünfte BMW wird im Reich der Mitte verkauft und auch produziert. Mag der europäische Heimatmarkt weiter schlummern, im Fernen Osten werden immer neue Rekorde geschrieben. Denn die Chinesen kaufen nicht nur besonders gern große Autos, sie haben eine besondere Vorliebe für Vollausstattungen: Ledersitze, Soundsysteme, extrateure Spielereien eben.

Das gilt besonders für ein Feature: „Schiebe- und Panoramadächer“, schwärmt Webasto-Chef Holger Engelmann, „sind in China zunehmend ein Muss“. Acht Werke für die Produktion der Glashimmel betrieben die Oberbayern bislang im Reich der Mitte, jetzt kommen noch zwei dazu. Der chinesische Glasdach-Boom soll dazu beitragen, den Umsatz des Familienunternehmens mittelfristig von heute 2,5 Milliarden Euro auf fünf Milliarden zu verdoppeln.

Sieben Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon; "Hidden Champions des 21. Jahrhunderts")

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen - und profitieren von - Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung - in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management.

Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: "Um die Chance zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen."

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität - keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: "Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen."

Allein 2018 soll bereits eine Milliarde Euro aus dem China-Geschäft kommen. „Die Aufträge für das angepeilte Wachstum haben wir schon“, sagt Engelmann. „Jetzt müssen wir liefern“.

Das Familienunternehmen, das für Wilhelm Baier Stockdorf steht, darf sich der Weltmarktführerschaft bei Dachsystemen rühmen. Geliefert wird an alle Großen der Branchen: Volkswagen, Daimler, Ford, BMW und General Motors. Wie die Konkurrenten, die Toyota-Tochter Aishin oder der Honda-Ableger Yachiyo stellen auch die Oberbayern eine Verschiebung des Marktes fest. Waren früher kleine Schiebedächer eine beliebte Sonderausstattung, so wird heute immer öfter die gesamte Dachfläche verglast. In der Branche gilt eine einfache Faustformel: Je größer das Auto, desto mehr Glas kommt aufs Dach. Zumindest bei Geländewagen entsteht so das Gefühl von Licht und Leichtigkeit.

Das trifft das Lebensgefühl vieler Chinesen. Denn dort machte Webasto zunächst eine enttäuschende Feststellung: Cabriodächer, neben Standheizungen das zweite Stammgeschäft der Oberbayern, laufen nicht. Galt früher die Regel, dass mit zunehmendem Wohlstand der Wunsch nach Frischluft im Auto steigt, so ist China eine Ausnahme.

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