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29.03.2006

13:58 Uhr

Maßgeschneiderten Finanzierungen

Glitzerwelt braucht flexible Hausbank

VonAnke Brillen

Wenn im Mittelstand ein Großauftrag winkt, lautet die erste Frage: Wie kann ich die Order vorfinanzieren? Für hochspezialisierte Branchen mit teuren Rohstoffen ist das ein echtes Problem, das nur im engen Schulterschluss mit der Hausbank gelöst werden kann. Ein gutes Fallbeispiel hierfür liefert die Schmuckbranche.

FRANKFURT. Als die mittelständische Schmuckmanufaktur Victor Mayer in Pforzheim den Großauftrag erhielt, als einzig autorisierter Betrieb für die Marke „Fabergé“ Schmuck und Uhren zu fertigen, stand Geschäftsführer Dr. Marcus Mohr vor der größten Herausforderung seit der Betriebsgründung 1890. Auf einen Schlag musste er Dutzende Kilo Gold für sein Entree auf den Weltmarkt vorfinanzieren.

„Für die Schmuckmanufakturen ist die Goldbeschaffung eine große Finanzierungsaufgabe“, sagt Rolf Herminghaus, Leiter des Firmenkundengeschäfts der Deutschen Bank in Mittelbaden. Ein Gold verarbeitender Betrieb wird in der Kreditbeurteilung zunächst genau so behandelt, wie andere Unternehmen auch. Auf die Besonderheiten des Rohstoffes Gold wird erst einmal nicht eingegangen. Die Bonität kann durch ein wertvolles Warenlager zwar verbessert werden. Die Crux ist aber: Mit steigendem Verarbeitungsgrad sinkt die Fungibilität. Gold ist nur als Barren oder Granulat handelbar. Wird es handwerklich bearbeitet, sinkt sein Wert als Sicherheit für die Bank. „Je geringer der Materialwert, desto höher der Bewertungsabschlag“, so Herminghaus.

Andererseits muss der Unternehmer das Gold so schnell wie möglich in Form von Schmuck zu Geld machen, um das gebundene Kapital freizusetzen. Für das „Moderisiko“ ist ein weiterer Risikoabschlag fällig, denn hier drohen unter Umständen massive Wertverluste, wenn der Schmuck nicht den Geschmack der Kunden trifft. Victor Mayer produziert deshalb nur zeitlosen Schmuck. Für Geschäftsführer Mohr eine „finanzstrategische Entscheidung“.

Da die Warenlager schwer zu bewerten sind, werden die meisten Kredite nicht in erster Linie auf Basis von Sicherheiten vergeben. Die Hausbanken stellen sich auf die Bedürfnisse der Branche ein. „Die Kredite stellen vor allem auf die Ertragskraft eines Unternehmens und seine wirtschaftliche Gesamtsituation ab“, sagt Herminghaus. Generell gelte: „Wer hochwertigen Schmuck produzieren will, muss viel Geld mitbringen.“ Geld, das nur noch wenige mittelständische Familienunternehmen aufbringen können. 70 Prozent der deutschen Schmuckproduktion stammt aus Pforzheim. Die Betriebe sehen sich jedoch der wachsenden Konkurrenz börsennotierter, kapitalstarker Luxuskonzerne gegenüber, die ihre Marktmacht ausbauen.

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