Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2011

12:16 Uhr

Medwedews Reformkurs

Russland hinkt bei Modernisierung hinterher

VonBernd Hones (gtai)

Russland kommt bei der Modernisierung kaum voran. Die Euphorie über Präsident Medwedews ehrgeizige Reformpläne ist verflogen. Nur wenige deutsche Unternehmen können konkrete Projekte verbuchen. Impulse könnten nun die Investitionen für die Fußball-WM 2018 bringen.

Straßenszene in Vostok: Beobachter beklagen, dass Russland bei der Modernisierung nicht schnell genug vorankommt. Reuters

Straßenszene in Vostok: Beobachter beklagen, dass Russland bei der Modernisierung nicht schnell genug vorankommt.

MOSKAU. Russland hat unter Präsident Medwedew den Modernisierungspfad eingeschlagen. Aber die bisherigen Ergebnisse sind dürftig. Und die Euphorie ist dahin. Nur bei wenigen deutschen Unternehmen schlagen konkrete Projekte zu Buche. Besonders im Infrastrukturbau bewegte sich 2010 wenig. Impulse könnten die nötigen Investitionen für die Fußball Weltmeisterschaft 2018 bringen. Auf dem Markt für Medizintechnik setzen die Akteure auf zusätzliche staatliche Mittel durch die erhöhten Krankenkassenbeiträge.

Der russische Präsident hatte bei der Präsentation seiner Modernisierungsziele Ende 2009 Großes angekündigt. Hunderte Milliarden Euro für den Infrastrukturbau und die Energiewirtschaft, Megainvestitionen in Krankenhäuser, Aufbau einer starken Pharmaindustrie und eine Vorreiterrolle bei IT und Telekommunikation – das sind die Eckpfeiler der Strategie Medwedews.

Diese basierte zu großen Teilen auf einem starken Engagement des russischen Staates als Investor – vor allem im Infrastrukturbereich, im Gesundheitswesen, in Teilen der Energiewirtschaft und des Telekommunikationsmarktes.

Energieeffizienz, Energiewirtschaft

Über ein Jahr ist dies nun her. Die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus: Finanzminister Kudrin hat viele für 2010 geplante Gelder erst gar nicht frei gegeben – das gilt vor allem für den Bereich der Energieeffizienz. Zahlreiche Projekte – etwa in der Vorzeigestadt Jekaterinburg – bestehen nach wie vor erst auf Papier.

Deutsche Unternehmen und Verbände kritisieren unisono, dass Fördermechanismen fehlten. Energiesparpläne „in Behörden allein, das reicht nicht“, kritisiert etwa Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. In einer zusammen mit der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer durchgeführten Umfrage gaben lediglich 40 Prozent aller befragten Unternehmen zu Protokoll, dass sie Fortschritte bei der Modernisierung erkennen können. Über die Hälfte dagegen war der Ansicht, Russland sei noch keinen Schritt vorangekommen.

Tatsächlich profitieren längst nicht alle Firmen von den verhaltenen Reformbemühungen. Einige jedoch schon. Eine davon ist etwa die Firma Wolf aus dem bayerischen Mainburg. Der Heiz- und Klimatechnikanbieter hat im vergangenen Jahr 300 Sonnenkollektoren für Russlands bis dato größte Solaranlage geliefert. Sie befindet sich in Ust Labinsk im Krasnodarski Krai.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×