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28.06.2012

11:57 Uhr

Mehr Insolvenzen

Deutschlands Firmen geht die Puste aus

VonSebastian Ertinger

Der drohende Zerfall der Euro-Zone ließ bislang viele deutsche Unternehmen kalt. Doch Pleiten wie die von Schlecker sind kein Einzelfall mehr: Die Zahl der Insolvenzen steigt. Der Schaden ist immens.

Ein Ende im Regen: Die Filialen der insolventen Drogeriekette Schlecker haben nach dem Ausverkauf geschlossen. Rund 25.000 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen. dpa

Ein Ende im Regen: Die Filialen der insolventen Drogeriekette Schlecker haben nach dem Ausverkauf geschlossen. Rund 25.000 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen.

DüsseldorfDie Türen verrammelt, die Schaufenster leer, das Licht ist aus – die Filialen der insolventen Drogeriekette Schlecker sind nun geschlossen. Der Großteil der rund 25.000 Schlecker-Angestellten ist arbeitslos. Die Pleite der Drogeriekette ist die bislang größte Firmenpleite Deutschlands in diesem Jahr. Auch den Arbeitern der einst gefeierten Solar- und Windenergiebranche stehen düstere Zeiten bevor: Unternehmen wie Q-Cells, Solarhybrid oder Siag Schaaf Industrie reichten Insolvenzantrag ein. Zuletzt ging auch noch dem Autozulieferer Druckguss Heidenau das Geld aus.

Erfasst die Eurokrise nun auch deutsche Wirtschaft? Bislang schienen die schlechten Vorzeichen an der robusten Konjunktur hierzulande abzuperlen. Doch die Zeichen trüben sich ein: Die Zahl der Firmenpleiten ist im ersten Halbjahr gestiegen.

In den ersten sechs Monaten rutschten 15.200 Unternehmen in die Insolvenz. Dies gab die Bonitätsauskunftei Creditreform heute bekannt. Im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres notierte die auf mittelständische Unternehmen spezialisierte Gesellschaft lediglich 15.090 Firmenpleiten. "Es geht ein Gespenst um in Europa - das Gespenst der Pleite", warnte Michael Bretz, Experte der Wirtschaftsauskunft Creditreform.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Der Anstieg von 0,7 Prozent erscheint auf den ersten Blick zwar moderat. Doch der volkswirtschaftliche Schaden, der durch Unternehmensinsolvenzen entstanden ist, hat im Vergleich zum Vorjahr markant zugenommen. So türmte sich im ersten Halbjahr 2012 ein finanzieller Schaden von 16,2 Mrd. Euro auf. In den ersten beiden Quartalen des Vorjahres waren es lediglich 10,4 Mrd. Euro. "Dabei spielten nicht zuletzt die Großinsolvenz von Schlecker und die in Schieflage geratene Solarindustrie eine tragende Rolle", heißt es von der Creditreform.

Zu Jahresbeginn war die Creditreform noch von einer gleichbleibend ruhigen bis leicht zunehmenden Insolvenzentwicklung ausgegangen. Die Unsicherheiten durch die Konjunktur, die stockende Kreditvergabe durch die striktere Bankenregulierung und das verabschiedete Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen werde kompensiert durch die gute Finanzverfassung der Unternehmen, hieß es damals. Das neue Insolvenzrecht soll Unternehmen unter anderem durch einen verstärkten Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen in schwierigen wirtschaftlichen Situationen helfen, einen Insolvenzantrag zu vermeiden.

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Doch die Realität sieht nun anders aus. Und die gestiegene Zahl an Insolvenzen und der wachsende volkswirtschaftliche Schaden hat folgen für den Arbeitsmarkt. Durch die Insolvenz ihres Arbeitgebers mussten in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 150.000 Beschäftigte um ihre Stelle fürchten. Im Vorjahreszeitraum waren nur 110.000 Arbeitsplätze bedroht. Dies entspricht einem Anstieg von 36,6 Prozent.

"Vor allem die Händler hatten ein schwieriges erstes Halbjahr", berichtet die Creditreform. Hier stieg die Zahl der Insolvenzen um 7,9 Prozent auf 3140 Fälle. Neben Schlecker gerieten offenbar auch viele andere in der Branche in Schieflage.

Letzte Schleckerfilialen geschlossen

Video: Letzte Schleckerfilialen geschlossen

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Kommentare (27)

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28.06.2012, 12:05 Uhr

ÜBERALL dort wo Politik ihre Hände im Spiel hat droht der Zerfall, Chaos oder Ungerechtigkeit und das sieht gerade beim Paradebeispiel Deutschland extrem gut. Ebenso die USA mit ihren lachhaften Präsidentenfiguren und weiss der Geier wer.

Die Menschen brauchen diesen Zirkus nicht und müssen vertreten werden. Das ist leider längst nicht mehr der Fall und so wie es momentan aussieht werden wir in eine Art 3. Weltkrieg getrieben wenn diese Gestalten weiter machen dürfen was sie möchten. http://www.youtube.com/watch?v=uK1EhI1dYuY&feature=share

Übrigens...zähle mir doch mal jemand auf was die deutsche Politik in den letzten Jahrzehnten positives gebracht hat für Volk und Land....

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28.06.2012, 12:06 Uhr

hier bricht alles zusammen, aber Bürgschaft für Halb EURO
Land übernehmen!

Account gelöscht!

28.06.2012, 12:07 Uhr

Hauptsache wir Bürgen per ESM !

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