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01.07.2014

16:43 Uhr

Mennekes

Stecker aus der Ideenschmiede

VonRegine Palm

Die besten Ideen kommen Walter Mennekes in seinem Büro. Sein Ziel: „Das Leben einfacher zu gestalten.“ Seine Produkte vermarktet der „Außenminister“ des Hidden Champions am liebsten persönlich und in der ganzen Welt.

Walter Mennekes zeigt einen original Mennekes-Stecker und eine chinesische Kopie (rechts im Bild) mit dem Namen Mnieknes. Dirk Hoppe/Netzhaut für Handelsblatt

Walter Mennekes zeigt einen original Mennekes-Stecker und eine chinesische Kopie (rechts im Bild) mit dem Namen Mnieknes.

KirchhundemNeue Ideen entwickelt Walter Mennekes in seinem Büro. Dafür gönnt er sich viel Platz. Doch der riesige lichtdurchflutete Raum in der dritten Etage des Mennekes-Bürohauses ist zweigeteilt. Eher unspektakulär ist die Hälfte des Raumes, die von einem großen runden Besprechungstisch beherrscht wird.

Von hier aus öffnet sich der Blick auf die langgestreckten Produktionsgebäude; im Vordergrund stehen die Mustersäulen zum Laden von Elektroautos. Seitlich wird der Ausblick durch das Flüsschen Hundem und hohe Tannen begrenzt. Weniger aufgeräumt, sogar leicht chaotisch präsentiert sich die andere Raumhälfte: Sie ist die „Ideenschmiede“ für Walter Mennekes.

Mittig steht ein großer Schreibtisch, der unter der Last zahlloser Stecker fast zusammenbricht. Zum Schreiben bleibt kaum Platz. Auch rund um den Schreibtisch liegen Stecker und Steckverbindungen jeder Farbe, Art und Größe. Von unauffälligem Schwarz bis zu leuchtendem Rot und grellem Gelb. Eines der neuesten Modelle ist ein durchsichtiger Stecker. Mennekes bestellt beim Rundgang durch den Betrieb für seine Sammlung gleich zwei davon. Seine besonderen Schätze, darunter ein Stecker aus der Anfangszeit, liegen in einer gut gefüllten kleinen Vitrine in seinem Büro.

Sieben Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon; "Hidden Champions des 21. Jahrhunderts")

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen - und profitieren von - Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung - in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management.

Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: "Um die Chance zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen."

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität - keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: "Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen."

In diesem Umfeld eines scheinbaren Chaos kommen Mennekes die besten Ideen, erzählt er. Sein Ziel: „Das Leben einfacher zu gestalten.“ Das zeigt zum Beispiel ein großer Industriestecker, der in Autowerkstätten eingesetzt wird. Dank einer Gummimanschette - abgeschaut von Kugelschreibern - liegt der Stecker jetzt viel sicherer in der Hand. Oder die Steckvorrichtung, die er für den kleinen Autoreparaturbetrieb gegenüber entwickelt hat: Wenn wenig Platz ist, können die Stecker seitlich weggeklappt werden.

Seine Ideen vermarktet Mennekes, der sich selbst gern als „Außenminister“ seines Unternehmens bezeichnet, weltweit auf Messen. „Das sind die besten Marktplätze.“ Unzählige Messen hat er besucht - von Johannesburg bis St. Petersburg und Schanghai. Besonders angetan haben es ihm deutsche Messen. „Sie überzeugen mit ihrer Qualität und ihrem Durchführungstalent.“

Dieser Einstellung verdankt Mennekes einen Zweitjob. Seit Juni 2013 ist er Vorsitzender des Auma, des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Der Auma vertritt alle an Messen beteiligten Verbände wie VDMA (Maschinenbau), ZVEI (Elektrotechnik), aber auch Handwerks- und Handelsverbände und die Messegesellschaften.

Für Hobbys bleibt Mennekes nur wenig Zeit. Beim FC Bayern München sitzt er im Verwaltungsbeirat. Seine Freizeit verbringt er mit Nordic Walking - oder er geht auf die Jagd.

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