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18.05.2011

00:00 Uhr

Mezzanine-Programme

"Am Ende gibt es fast nur Verlierer"

VonPeter Köhler

Der Boom ist lange vorbei: Viele Mezzanine-Programme für kleine und mittlere Unternehmen laufen in den nächsten Jahren aus. Experten erwarten hohe Ausfälle. Daran sind die Banken zumindest zum Teil selber Schuld.

Fünf vor zwölf: Nach dem Auslaufen der Mezzanine-Programme brauchen viele Mittelständler dringend Anschlussfinanzierungen. Quelle: dpa

Fünf vor zwölf: Nach dem Auslaufen der Mezzanine-Programme brauchen viele Mittelständler dringend Anschlussfinanzierungen.

FrankfurtVor sieben Jahren machte ein neues Zauberwort die Runde: Mezzanine. So wird das Kapital bezeichnet, das als Zwitter zwischen Eigen- und Fremdkapital steht. Alle Beteiligten sahen damals nur Vorteile: Banken und Finanziers sahen eine neue Einnahmequelle, die Unternehmer einen Weg zur Bilanzstärkung und die Investoren versprachen sich hohe Renditen.

Obwohl Mezzanine-Mittel rechtlich gesehen als Schulden gelten, sind sie wirtschaftlich Eigenkapital, weil die Geldgeber im Insolvenzfall meist erst nach allen anderen Gläubigern bedient werden. Das stärkt die Bonität des Unternehmens und damit die Kreditwürdigkeit. Doch die Finanzkrise machte viele Renditeträume zunichte und heute hoffen alle Seiten, dass es nicht zu einer Bruchlandung kommt. Das erste Mezzanine-Programm ist vor kurzem ausgelaufen. Hier ist alles gut gegangen, aber für eine Entwarnung ist es Finanzexperten zufolge noch zu früh.

"Wir haben die Transaktion erfolgreich abgeschlossen und die Investoren haben alle ihr Geld zurückbekommen. Die durchschnittliche Verzinsung des Portfolios betrug 6,5 Prozent pro Jahr auf sieben Jahre", sagt Lars Schmidt-Ott, Geschäftsführer der Capital Efficiency Group (CEG).

Das Programm unter dem Kürzel "Preps" hatte ein Gesamtvolumen von 249 Millionen Euro, 34 Unternehmen erhielten daraus Mittel für die Finanzierung. Zwei Firmen wurden zu Insolvenzfällen, was aber im Rahmen der erwarteten Ausfallquote lag. Die Frage ist aber: Wird es in den anderen Programmen, die in den kommenden Jahren auslaufen, ebenso glimpflich ausgehen? CEG-Chef Schmidt-Ott ist skeptisch. "Nach dem Jahr 2004 wurde es schwieriger, gute Mittelständler in Deutschland zu finden." Doch in den Jahren 2005 bis 2006 kam eine wahre Welle neuer Mezzanine-Programme auf den Markt.

Bis 2007 begaben Großbanken, aber auch Landesbanken mehr als ein Dutzend Programme mit einem Volumen von rund 4,3 Milliarden Euro. Auf der jüngsten Handelsblatt-Tagung "Restrukturierung" schätzte ein Beobachter das daraus abgeleitete Kreditvolumen für Mittelständler auf 21 Milliarden Euro, davon dürften zehn bis 20 Prozent notleidend werden. Ab 2008 war der Boom vorbei, mit der US-Immobilienkrise, dem wegbrechenden Verbriefungsmarkt und der Pleite der US-Bank Lehman verschwand das Phänomen Mezzanine in der Versenkung, neue Programme wurden nicht mehr aufgelegt.

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