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14.04.2015

06:25 Uhr

Mittelständler beliefern das Silicon Valley

Auch ein Tesla will lackiert werden

VonAxel Postinett

Ein schwäbischer Maschinenbauer schnappt sich seinen größten Auftrag im Silicon Valley – und auch Apple-Chef Tim Cook hat deutsche Lieferanten als „die besten der Welt“ gelobt. US-Technik-Pioniere lieben den Mittelstand.

Von 30.000 auf 500.000 Stück will Tesla seine Produktionskapazität erhöhen. Eisenmann aus Böblingen liefert dafür Lackiertechnik. PR

Auftrag aus USA

Von 30.000 auf 500.000 Stück will Tesla seine Produktionskapazität erhöhen. Eisenmann aus Böblingen liefert dafür Lackiertechnik.

San FranciscoDas Familienunternehmen Eisenmann aus dem württembergischen Böblingen hat nach eigenen Angaben den größten Auftrag seiner Firmengeschichte an Land gezogen. Für einen laut Vorstandschef Matthias von Krauland „dreistelligen Millionenbetrag“ liefert das Unternehmen Lackierstraßen an den Elektroauto-Hersteller Tesla aus dem Silicon Valley. Die zwei Anlagen sind Teil der geplanten Kapazitätsausweitung bei Tesla von 30.000 auf 500.000 Einheiten pro Jahr. Die 174 Lackierroboter in der Anlage kommen von Dürr aus Bietigheim-Bissingen.

Diese Aufträge sind kein Zufall, denn natürlich sind auch US-Technologiepioniere auf zuverlässige Lieferanten angewiesen. Und deutsche Mittelständler können von ihrem Qualitätsruf profitieren und weiter mit wachsenden Ausfuhren in die USA rechnen. Die Managementberatung Bain & Co rechnet in ihrer Studie „Go West“ für Maschinen- und Anlagenbauer ein Wachstum der US-Importe aus Deutschland von 28 Prozent bis 2017 vor. Ein Grund: „Die hiesige Exportstruktur entspricht den Bedürfnissen der zu alter Stärke zurückkehrenden US-Wirtschaft“, so die Berater.

Wie attraktiv deutsche Zulieferer sind, zeigt sich auch in San Francisco. An Pier 17, nahe des Touristen-Highlights Fishermans Wharf, steht eine umgebaute historische Lagerhalle. Der Duft von Schokolade liegt verführerisch in der Luft. Eine süße Mischung aus Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter und geheimen Zutaten fließt, wird gewalzt, erhitzt und wieder abgekühlt. Aus einer großen Trommel gießt sich die Rohmasse zur Weiterverarbeitung in Formen, die langsam über eine U-förmige Fertigungsstraße wandern.

Es rasselt und klappert unheimlich, aber am Ende verlassen hochwertige Schokoladenstücke die grauen Maschinen. Hier entsteht bei TCHO Premium-Schokolade für die High-Tech-Elite in San Francisco zu Liebhaberpreisen – und zwar auf deutschen Maschinen. Louis Rosetto und Jane Metcalfe, Gründer des Szenemagazins „Wired“, einer Art Bibel des Silicon Valleys, fanden nach dem Verkauf ihres Unternehmens für 390 Millionen Dollar, dass es Zeit war, der hektischen Technologie-Welt den Rücken zu kehren und etwas Anderes anzufangen.

Durch Zufall erfuhren sie vom Verkauf einer kompletten Schokoladenfabrik in Ostdeutschland, die für kleines Geld zu kaufen war. Noch mit Schokoladenresten überzogen verschifften sie die über 30 Jahre alten Anlagen der VEB Schokoladenfabrik Wernigerode an die Westküste der USA. Das Alter spielte keine Rolle, so Rosetto bei einem Rundgang durch die Halle mit dem besten Blick auf die Bucht, die deutschen Maschinen sind erste Wahl und grundsolide. „Und sie waren echt billig“, schmunzelt er.

Kommentare (4)

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Herr peter Spirat

14.04.2015, 09:39 Uhr

Bei allem Respekt für ausländische Zulieferer, aber wenn es um eine stabile Qualität und Liefertreue geht, kommt man um deutsche Lieferanten nicht herum. Und oft sind es wirklich die Technologie-Inhaber (Bosch, Conti, Siemens).

Alles hat seinen Preis, aber selbst den kann man objektivieren, wenn man hierbei Standorte wählt, die einen annehmbaren Preis noch sicherstellen (Ukraine, Nordafrika,....).

Anders Denken

14.04.2015, 10:47 Uhr

Export-Nostalgie vom Feinsten...Qualität ist immer eingepreist - den Unterscheid machen 10 Jahre Lohndumping zu Lasten der Euro"partner" und nun als Resultat der damit verursachten Eurokrise ein schwacher Euro. Hätten wir Qualitätsjournalismus würde ein Hinweis im Text vorkommen, dass die USA immer nachdrücklicher kritisieren, dass Deutschland einseitig auf Exportüberschüsse zu Lasten der Nachbarn setzt.

Herr peter Spirat

14.04.2015, 11:11 Uhr

Nur ein mieser Vogel schei.. ins eigene Nest.

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