Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.06.2015

15:20 Uhr

Mittelständler holen Promis an Bord

Der Star als Anteilseigner

VonAnja Steinbuch

Fußball-Star Philipp Lahm ist nicht nur die Werbefigur des Kosmetikherstellers Sixtus. Ihm gehört auch die Hälfte der Firma. Immer mehr Promis kaufen sich bei Mittelständlern ein. Was ihnen das bringt.

Bayern-Star und Unternehmer. Sixtus

Fußball-Weltmeister Philipp Lahm

Bayern-Star und Unternehmer.

DüsseldorfPhilipp Lahm ist nicht nur Fußballprofi beim FC Bayern, sondern auch Geschäftsmann. Während er auf dem Platz von Erfolg zu Erfolg eilt und im vergangenen Sommer mit dem WM-Titel seine Karriere krönte, musste er als Unternehmer jetzt einen Misserfolg hinnehmen: Der 31-Jährige soll versucht haben, als Teil eines Investorenkonsortiums den Modekonzern Bogner zu übernehmen. Doch der bisherige Eigentümer Willy Bogner (73) blies den Verkauf am Mittwoch ab – offenbar war ihm das Angebot zu niedrig.

Dennoch gewinn der Trend, dass Prominente als Unternehmer bei Traditionsfirmen ein einsteigen, weiter an Geschwindigkeit: Viele Stars machen nicht nur Werbung für ein Produkt, sondern investieren auch in den Hersteller – zahlen damit also praktisch auf das eigene Konto ein.

Lahm war schon im Frühjahr in diese neue Doppelrolle geschlüpft: Er übernahm 50 Prozent des oberbayerischen Herstellers von Sportpflegeprodukten Sixtus. Die neue Lust der Prominenz am Unternehmertum hat für viele Mittelständler einen Zusatznutzen: Sie müssen nicht ihre Liquidität angreifen, im Gegenteil, es fließen manchmal sogar größere Summen der Prominenten in ihre Kassen.

Der Fußballer Philipp Lahm: Daten und Fakten

Homepage

Philipp Lahm ist als Fußballer eine Person des öffentlichen Lebens. Er hat eine Homepage, auf der viele Informationen über ihn und seine Aktivitäten abrufbar sind.

Geburtstag

11. November 1983 in München

Verein

Verein: FC Bayern München (Vertrag bis 30. Juni 2018), vorzeitiger Rücktritt Mitte 2017, Bayern-Kapitän seit 2011.

Länderspiele

Länderspiele: 113, Tore: 5, Länderspieldebüt: 18. Februar 2004 in Split beim 2:1 gegen Kroatien. Letztes Länderspiel: WM-Finale am 13. Juli 2014 in Rio de Janeiro beim 1:0 n.V. gegen Argentinien.

Turniere

Turniere: EM 2004 (Vorrunde), WM 2006 (Dritter), EM 2008 (Finale), WM 2010 (Dritter), EM 2012 (Halbfinale), WM 2014 (Titel)

Größte Erfolge (1)

Größter Nationalmannschafts-Erfolg: Weltmeister 2014

Größte Erfolge (2)

Größte internationale Erfolge mit dem FC Bayern München: Champions-League-Sieger 2013; Club-Weltmeister 2013; Europäischer Supercup-Sieger 2013

Größte Erfolge (3)

Größte nationale Erfolg mit dem FC Bayern: 7 Mal deutscher Meister; 6 Mal DFB-Pokalsieger

DFB-Kapitän

Erstmals Kapitän in der Startelf der deutschen Nationalmannschaft am 29. Mai 2009 beim 1:1 in Shanghai gegen China; Kapitän bei der WM 2010 und 2014 sowie der EM 2012

Verletzungen

Mittelfußbruch im Januar 2005; Kreuzbandriss im rechten Knie im Mai 2005; Sehnenanriss am rechten Ellbogen im Mai 2006 kurz vor der WM in Deutschland

Die Pläne

An drei Firmen hat sich Lahm bis jetzt beteiligt, und damit soll noch lange nicht Schluss sein. Lahm schaut sich eigenen Angaben zufolge nach weiteren Beteiligungen um. Mitte 2017 hängt er die Fußballschuhe an den Nagel und will zunächst Privatier sein.

Traditionell nutzten Mittelständler bisher die Strahlkraft prominenter Menschen als Markenbotschafter: die Molkerei Müller mit dem gleichnamigen Fußball-Weltmeister Thomas Müller, Süßwarenhersteller Haribo mit Thomas Gottschalk und Michael „Bully“ Herbig. Das Online-Reisebüro Ab-in-den-Urlaub arbeitete mit Ex-Fußballprofi Michael Ballack. Doch nicht jeder kann sich die Gagen dieser Stars leisten.

Noch ein Beispiel: Auch Detlef D. Soost, bekannt aus der Pro-Sieben-Fernsehsendung „Popstars“, hat eine zweite Karriere begonnen: Der Tanz-Coach ist das Gesicht des Online-Diät und -Fitnessportals Body Change. Der 45-Jährige ist Personal-Trainer von rund 200.000 Abonnenten. Aber Soost hat keinen herkömmlichen Werbevertrag mit der Social Media Interactive (SMI) in München, sondern ist am Umsatz des Mittelständlers beteiligt.

Von jedem Euro, den SMI mit Online-Abos, Koch-, Motivations- und Fitnessvideos verdient, bekommt Soost einen vertraglich festgelegten Anteil. SMI erwirtschaftete im ersten Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von fast vier Millionen Euro. „Klassische Verträge für Werbespots und Fotos, für die ein Prominenter eine zuvor festgelegte Summe einstreicht, sind out“, sagt Frederik Harkort, Chef von SMI. Weil die Konsumenten auch durch Social Media sensibler geworden seien, funktioniere mittlerweile ein Testimonial nur noch, „wenn es zum echten Bestandteil der Marke und nicht nur als Sticker und Aushängeschild künstlich eingesetzt wird“.

Frederik Harkort und sein Team hatten vor fünf Jahren mit 30.000 Euro nur wenig Startkapital für ihre Idee: „Ich brauchte einen Partner, der überzeugt von dem Fitness-Portal ist, weil er sich von der Wirkung des Programms im Selbsttest überzeugt hat. Nur deshalb ging Detlev D. Soost für eine Umsatzbeteiligung auch in Vorleistung.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×