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03.05.2014

08:24 Uhr

Mittelständler Mifa

Maschmeyers Fahrradunfall

VonBjörn Menzel

Der mittelständische Fahrradhersteller Mifa war jahrelang ein erfolgsverwöhntes Unternehmen. Nun finden sich in der Bilanz Millionenverluste – doch Miteigentümer Carsten Maschmeyer glaubt weiterhin an sein Investment.

Erfolgsgeschichte aus dem Osten der Republik: der Fahrradhersteller Mifa.

Erfolgsgeschichte aus dem Osten der Republik: der Fahrradhersteller Mifa.

LeipzigEigentlich war der ostdeutsche Fahrradhersteller Mifa positive Nachrichten gewohnt. Das änderte sich in einer Nacht Mitte März vor zwei Jahren. Die Mitarbeiter der Nachtschicht legten kurzentschlossen Schraubenzieher und Inbussschlüssel beiseite.

Die Fahrradproduktion bei Mifa musste gestoppt werden. In einem wilden Streik kämpften die Angestellten für mehr Geld. Mit Erfolg: Sie erhielten noch in derselben Nacht eine Zusage für ein Lohnplus von 150 Euro pro Monat.

Ein höheres Bruttogehalt für Saisonkräfte aus Polen hatte zuvor zum Unmut der Stammbelegschaft geführt. Der Streik war ein erstes Zeichen dafür, dass beim traditionsreichen Zweiradproduzenten doch nicht alles rund läuft.

Wie Maschmeyer Veronica Ferres "eroberte"

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist 2012 unter die Buchautoren gegangen. „Selfmade - erfolg reich leben“ (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Es folgen die Ausschnitte über Veronica Ferres.

Wulff als "Kuppler"

Als mich Christian Wulff auf der Berlinale 2007 mit meiner heutigen Partnerin Veronica Ferres bekannt machte, fragte sie mich nach meinem Beruf. „Finanzen und Versicherungen“, antwortete ich, und da sagte sie: „Oh, da könnte ich auch einmal einen Ratschlag gebrauchen.“

Das erste Gespräch

Zum ersten Mal länger und intensiver sprach ich mit Veronica Ferres auf der Geburtstagsparty von Klaus Meine im Mai 2008. Wir telefonierten danach ab und zu und im Spätherbst immer öfter.

Das Wiedersehen und Gerüchte

Dann sahen wir uns im Winter in Südafrika wieder, wo sie den ZDF-Zweiteiler „Das Geheimnis der Wale“ drehte. Meine Zuneigung stieg, und ich glaube, ich fing an, mich zu verlieben. Bei einem Empfang, bei dem wir beide anwesend waren, tauchten die ersten Gerüchte auf, dass wir ein Paar seien, was aber zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht stimmte.

Bedenken wegen der Medien

Es war schon sehr beängstigend, nicht zu wissen, wie die Leute und die Medien reagieren, wenn Veronica Ferres und ich uns als Paar outen würden.

Die Zwickmühle

Die Zwickmühle war, jetzt entweder zu sagen: „Lass uns jetzt einfach mal versuchen, ein Paar zu sein und das auch offiziell zu machen“ oder sich ein paarmal zu treffen, um festzustellen, ob man wirklich zueinander passt. Aber dabei eventuell gesichtet zu werden, wäre „gefährlich“ gewesen. Die normale Reihenfolge, sich näher kennenzulernen, mal zusammen ins Kino zu gehen, war hier eben nicht möglich.

Ganzen Mut aufgebracht

So brachten wir im Februar 2009 unseren ganzen Mut auf, uns zu outen. Unsere Beziehung war noch ein zartes Pflänzchen, aber die Medien hatten großes Interesse, das erste Bild von uns als Paar zu erhalten.

Der erste gemeinsame Auftritt

Wir entschlossen uns, bei der Gursky-Ausstellung in Wolfsburg bei VW im April 2009 zum ersten Mal gemeinsam öffentlich aufzutreten. Als sich das herumsprach, kündigten sich sehr viele Pressevertreter und Fotografen an.

Herz pochte wie wild

Mein Herz pochte wie wild und am liebsten wäre ich im Hotelzimmer geblieben. Auf der Fahrt zum Pressezentrum wurden meine Hände feucht und es erforderte unheimlich viel Mut, dann aus dem Auto zu steigen und sich dem Blitzlichtgewitter zu stellen.

Jetzt müssen wir es tun

Aber ich wusste, jetzt müssen wir es tun! Gleichzeitig war mir auch klar, dass ich von nun an viel weniger Privatsphäre haben würde, aber die Liebe zu ihr hat die Angst davor besiegt.

Bis zu jener Nacht vor zwei Jahren ging es für das mittelständische Fahrradwerk Mifa im sachsen-anhaltischen Sangerhausen fast immer nur bergauf. Zwei Unternehmer erwarben die 1907 gegründete Firma 1996 von der Treuhand und führten es acht Jahre später an die Börse. Der Umsatz überstieg die 100-Millionen-Euro-Marke, mehr als 600.000 Fahrräder verkaufte das Unternehmen im Jahr – deutschlandweit spitze.

750 Angestellte machten Mifa zu einem Vorzeigebetrieb im Landkreis Mannsfeld-Südharz, in dem gute Nachrichten aus der Wirtschaft Seltenheitswert haben. Eine Erfolgsgeschichte. Zu den besten Zeiten im Jahr 2004 kostete eine Aktie des Fahrradherstellers 9,50 Euro.

2011 stieg auch Carsten Maschmeyer ein. Der einstige AWD-Eigentümer und Milliardär verlieh dem Unternehmen als größter Einzelaktionär gar einen gewissen Glamour. Mehr als 20 Millionen Euro soll sein Aktienpaket wert gewesen sein.

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