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27.11.2013

09:39 Uhr

Mittelständler Uvex

Keine Helmpflicht – und ein Helmhersteller freut sich

VonMartin Dowideit

Michael Winter führt den größten Radhelm-Hersteller Europas – und freut sich, dass es mit der neuen Koalition keine Helmpflicht geben wird. Denn das Ziel des nachhaltigen Wachstums wäre damit gefährdet.

Uvex-Geschäftsführer Michael Winter: Fast drei Viertel des Umsatzes steuert die Arbeitsschutzausrüstung bei.

Uvex-Geschäftsführer Michael Winter: Fast drei Viertel des Umsatzes steuert die Arbeitsschutzausrüstung bei.

DüsseldorfBMX-Helme, Straßenhelme, Rennhelme, Helme für Radakrobaten in der Halfpipe: Die Angebotspalette des größten europäischen Radhelmproduzenten Uvex ist riesig. Doch der fränkische Familienunternehmer Michael Winter ist gegen eine Radhelmpflicht, obwohl das einen Absatzschub bedeuten würde. „Ich bin generell gegen zu viel Regulierung“, sagt der 48-Jährige im Gespräch mit Handelsblatt Online. In den Koalitionsverhandlungen wurde er erhört: „Wir wollen darauf hinwirken, dass deutlich mehr Fahrradfahrer Helm tragen“, heißt es auf Seite 45 des Koalitionsvertrags – von einer Pflicht ist keine Rede.

Es klingt paradox, aber für Uvex ist das gut. Denn ein verpflichtender Kopfschutz für Radler wäre Winters Ziel der ökonomischen Nachhaltigkeit abträglich. Die Einschätzung des Managers stützt sich auf jahrzehntelange Erfahrung. In den 1980er-Jahren hatte eine Helmpflicht für Mofafahrer den Markt für die motorisierten Zweiträder zum Erliegen gebracht – der Helmmarkt sei danach quasi tot gewesen. Eine Abkehr vom Fahrrad befürchtet Winter zwar nicht. Doch er fürchtet sich vor einem kurzfristigen Nachfrageboom einer Helmpflicht. „Ich wachse lieber jährlich mit fünf bis 15 Prozent als drei Jahre mit 50 Prozent, um danach wieder jahrelang auf das normale Marktniveau zu schrumpfen“, so Winter.

Fakten zu Uvex

Gründungsjahr

1926 wurde das Familienunternehmen in Fürth gegründet und hat immer noch dort seinen Sitz.

Geschichte

Schon zu Beginn konzentrierte sich Gründer Philipp M. Winter Firma auf optische Produkte. Der Augenschutz rückte in den Mittelpunkt und 1960 entstand daraus die Idee für die Marke „Uvex“ (Ultraviolet Excluded).
1980 erfolgte die Expansion nach Nordamerika, die Markenrechte für Arbeitsschutzprodukte auf dem amerikanischen Kontinent verkaufte Uvex allerdings im Jahr 1997.

Eigner und Führung

Rainer Winter ist offiziell Vorsitzender der Geschäftsführung, sein Sohn Michael Winter ist seit Jahren ebenfalls Geschäftsführer und repräsentiert die dritte Generation im Unternehmen.

Produkte

Uvex produziert Arbeitsschutzprodukte wie Schutzbrillen, Sicherheitshandschuhe, Arbeitsschuhe und Schutzkleidung. Das zweite Standbein sind Sportprodukte, vor allem Fahrrad-, Ski- und Reithelme. Neben der Marke Uvex werden Produkte unter anderem auch unter den Marken Alpina und Filtral vertrieben.

Geschäftsentwicklung

Uvex wächst langsam, aber beständig. Im Geschäftsjahr 2007/08 lag der Umsatz bei 311 Millionen Euro, 2012/13 waren es 343 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren hat sich der Anteil der Arbeitsschutzprodukte am Gesamtumsatz erhöht auf zuletzt 72 Prozent. Der Auslandsumsatz stagniert zumindest in den vergangenen sechs Jahren bei 50 Prozent.

Beschäftigte und Standorte

Uvex hat fast 2000 Mitarbeiter, davon arbeiten zwei Drittel in Deutschland. Produziert wird an fünf Standorten in Deutschland sowie in der Slowakei, in Tschechien, in Italien, Schweden und den USA. Eine Produktionsstätte in China soll im Juni 2014 offiziell in Betrieb genommen werden.

Denn die hässlichen Nebenwirkungen einer Sonderkonjunktur hat der Produzent von Arbeitsschutzprodukten und Freizeithelmen schon mitgemacht. Nach dem spektakulären Skiunfall des ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus an Neujahr 2009 verdoppelte sich bei Uvex der Absatz von Skihelmen. Zwei Geschäftsjahre zehrte die Firma davon, die Sportsparte kletterte von 100 auf über 120 Millionen Euro Umsatz, doch danach brach das Geschäft weg. Der Umsatz sackte auf unter 100 Millionen Euro Umsatz und berappelte sich erst im Ende Juni geendeten Geschäftsjahr wieder etwas.

Eine Radhelmpflicht könnte zu einem ähnlichen „Boom and Bust“-Zyklus führen, fürchtet Winter. Das Interesse an Radhelmen wächst auch so. Jeder dritte Fahrradfahrer setzt mittlerweile in Deutschland einen Kopfschutz ein, vor zwei Jahren war es nur jeder vierte Radler. Etwa anderthalb Millionen Sport- und Freizeithelme werden im Jahr in Deutschland verkauft – Uvex gilt mit der Stammmarke und der hauseigenen Marke „Alpina“ als Marktführer in Deutschland. Genaue Statistiken gibt es nicht. Ein weltweit wesentlich größerer Konkurrent ist Easton Bell mit den Marken Giro und Bell.

Im Einzelhandel könnten abseits von Discountern 130 bis über 200 Euro pro Radhelm erzielt werden, so der Einkäufer eines Sportartikel-Anbieters. Denn viele Kunden ersetzten ältere Helme und wissen, worauf sei beim Neukauf achten müssen: Passform, Gewicht und Belüftung stehen oben auf der Anforderungsliste.

Kommentare (10)

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Oekonomix

27.11.2013, 11:56 Uhr

Der Banken Freud ist des Unternehmers Leid

Es tut gut einen bodenständigen Unternehmer zu hören, der auf langfristiges Wachtum anstatt auf Boom und Bust Zyklen setzt. Der kurzfristige Boom nutzt nur den Investmentbanken.

Leider haben die Banken einen viel zu großen Einfluss auf die Wirtschafts- und Geldpolitik.

H_A

27.11.2013, 14:12 Uhr

Interessante und nachvollziehbare Haltung. Eins aber wundert mich: Wie kommen Sie auf eine Helmtragequote von einem Drittel der Radfahrer? Laut den aktuellsten Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) stieg die Helmtragequote in Deutschland im Jahr 2012 auf 13 Prozent (gegenüber 11 Prozent im Vorjahr). Von einem Drittel ist das weit entfernt.

thiocyanato

27.11.2013, 14:37 Uhr

Ich bin zwar auch gegen zuviel Regulierung, aber die Frage nach einer Helmpflicht nur allein oder überhaupt an wirtschaftlichen Aspekten festzumachen, finde ich unverständlich. Es sollte doch in erster Linie um die Sicherheit der Fahrradfahrer gehen und sekundär darum, Kosten im Gesundheitswesen einzusparen. An dritter Stelle stehen für mich die Sorgen der mittelständischen Unternehmen.

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