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21.01.2015

15:09 Uhr

Mittelstand

Deutscher Pessimismus drückt Investitionen

Der deutsche Mittelstand ist verunsichert. Offenbar fürchten viele Firmen eine „Megakrise“, die zu einer weltweiten Rezession führen könnte. Europaweit zeichnet sich hingegen eine neue Aufbruchsstimmung ab.

Viele Mittelständler fürchten eine Eskalation der vielen politischen Krisen und militärischen Konflikten. dpa

Viele Mittelständler fürchten eine Eskalation der vielen politischen Krisen und militärischen Konflikten.

BerlinIm deutschen Mittelstand machen sich wegen vieler internationaler Krisen Zukunftssorgen breit. Während sich europaweit eine neue Aufbruchsstimmung unter den Firmen abzeichnet, überwiegt in Deutschland der Pessimismus, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) unter 6000 Betrieben aus 21 Ländern hervorgeht. „Deutschlands Mittelständler sind massiv verunsichert“, sagte EY-Experte Peter Englisch. „Sie sehen derzeit vor allem Risiken.“ Die vielen weltweiten Krisen erschwerten die Planungen, vor allem der Konflikt mit Russland.

Die Industrie rechnet zwar damit, dass die Wirtschaft dieses Jahr mit 1,5 Prozent genauso kräftig wächst wie 2014. „Trotz aller Turbulenzen und Unsicherheiten steht Deutschland zu Beginn des Jahres 2015 wirtschaftlich gut da“, sagte Präsident Ulrich Grillo vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Ein durchgreifender Aufschwung zeichne sich allerdings nicht ab, sagte Grillo, der ebenfalls auf die geopolitischen Risiken wie die Ukraine-Krise hinwies. „Wer verunsichert ist, stellt einfach Investitionen zurück.“

Mangelnde Zuversicht führt der EY-Umfrage zufolge dazu, dass die deutschen Firmen vergleichsweise weniger investieren wollen als ihre ausländischen Wettbewerber. Nur 19 Prozent der heimischen Mittelständler rechnen mit einer besseren Wirtschaftslage. Europaweit hingegen gehen fast ein Drittel von einem Aufschwung im eigenen Land aus – in Irland sogar mehr als zwei Drittel. Vor einem halben Jahr war die Zuversicht unter den deutschen Firmen laut EY bedeutend größer: Da rechneten noch 30 Prozent mit einer anziehenden Konjunktur.

Auch bei der Einschätzung der eigenen Geschäftslage geben sich die Firmenchefs deutlich skeptischer. Nur jeder Dritte rechnet mit einer Besserung, während europaweit der Anteil der Optimisten im Schnitt bei 46 Prozent liegt. Der Anteil der Betriebe, die mit schlechteren Geschäften rechnen, stieg im Vergleich zu Juli 2014 von sieben auf zwölf Prozent – den höchsten Wert seit dem Krisenjahr 2009.

Das Geschäftsklima trübte sich hierzulande ein, hier liegt Deutschland laut Umfrage nur auf dem 18. Platz. Schlechter ist das Klima demnach nur in Italien, Polen und Griechenland.

Die Stimmung sei deutlich schlechter als die Lage, sagte Englisch. Der Ölpreis-Rückgang entlaste zwar die Kosten und wirke wie ein Konjunkturprogramm. Allerdings verstärke dies die Sorgen, dass Russland weiter in die Krise rutsche – was sich auf die deutschen Firmen auswirken könnte. Offenbar fürchteten immer mehr Mittelständler, dass aus den vielen politischen Krisen, militärischen Konflikten und den wirtschaftlichen Verwerfungen wie dem Ölpreis-Verfall „eine Megakrise wird, die zu einer erneuten weltweiten Rezession führen könnte“, sagte Englisch.

Von

rtr

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