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20.02.2015

10:22 Uhr

Mittelstand

Familien sind die besseren Manager

VonMatthias Streit

Familien führen große Unternehmen besser durch die Wirtschaftskrise als Manager. Eine neue Studie zeigt: Sie erzielen höhere Renditen.

Das Baugewerbe zählt zu den Branchen mit den meisten Familienunternehmen. Knapp drei Viertel aller Baufirmen sind in Familienhand. dpa

Mittelstandsgarant Bau

Das Baugewerbe zählt zu den Branchen mit den meisten Familienunternehmen. Knapp drei Viertel aller Baufirmen sind in Familienhand.

DüsseldorfProfite liegen in der Familie. Das zumindest geht aus einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn hervor. Demnach haben deutsche Familienunternehmen in den Krisenjahren 2008 bis 2012 höhere Renditen erzielt als managergeführte Unternehmen vergleichbarer Größe.

Sowohl die Eigenkapitalrentabilität als auch die Gesamtkapitalrentabilität der Unternehmen lagen nicht nur im gesamten Zeitraum, sondern auch in allen einzelnen Jahren über denen normaler Großunternehmen. Für die Studie untersuchte das Institut 6.575 große Unternehmen, davon waren 3.723 in Familienhand.

Zu großen Unternehmen zählen in der Analyse bereits Firmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro und mehr als 500 Mitarbeitern. Familiengeführt definieren die Forscher alle Unternehmen, deren Anteile mindestens zur Hälfte auf höchstens zwei Familien verteilt sind. Zudem müssen Familienmitglieder in der Geschäftsführung aktiv sein.

In den Jahren 2010 bis 2012 etwa lag die Gesamtkapitalrentabilität großer Familienunternehmen jeweils bei knapp sechs Prozent, die der Nichtfamilienunternehmen ungefähr ein Prozent darunter. 2012 lag die Kluft bei je 6,1 und 4,3 Prozent. Auch bei den Eigenkapitalrenditen lagen die Familienunternehmen im Untersuchungszeitraum vor den managergeführten Firmen, wenngleich nur knapp. Führten Familien die Geschicke, lag die Rendite 2012 bei 10,8 Prozent, leiteten Manager bei 10,2 Prozent.

„Ursächlich hierfür ist eine stärkere Erhöhung des Eigenkapitals auf Seiten der Familienunternehmen im betrachteten Zeitraum“, schreiben die Autoren des IfM Bonn.

Ganz krisenfest sind allerdings auch Familienunternehmen nicht: Im schwersten Krisenjahr 2009 sanken auch deren Umsätze, mit 10,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sogar etwas stärker als bei der Konkurrenz (minus 8,4 Prozent).

Diese Branchen sind fest in Familienhand

Bau

Im Baugewerbe sind drei Viertel aller Betriebe im Familienhand. Wie wichtig diese im großen Maßstab sind zeigt die Firma Goldbeck aus Bielefeld: 2014 erwirtschafteten sie einen Umsatz von 1,57 Milliarden und waren damit das sechstgrößte Bauunternehmen Deutschlands.

Quelle: Studie des Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, Februar 2015

Handel

Ein weitere Kernbranche der Familien ist der Handel: Sie stellen knapp 70 Prozent aller großen Unternehmen. Vor allem die Lebensmittelhändler wie die Schwarz-Gruppe (Lidl, Edeka) oder die Rewe-Group dominieren mit Umsätzen von jenseits der 70 beziehungsweise 50-Milliarden-Euro-Grenze.

Verarbeitendes Gewerbe

Rang Drei der Branchen mit den meisten familiengeführten Unternehmen ist das verarbeitende Gewerbe, die zu 69,3 Prozent von Inhabern geführt wird. Zum verarbeitenden Gewerbe zählen unter anderem die Schwerindustrie oder die chemische Industrie. Ein Beispiel ist die Firma Würth, die mit seiner Produktion von Schrauben bekannt wurde.

Gastgewerbe

Das Gastgewerbe ist traditionell stark in Familienhand. Heute ist das noch bei zwei Drittel aller Betriebe der Branche der Fall. So betreibt etwa die Münchner Kuffler Gruppe deutschlandweit über 40 Restaurants.

Wirtschaftliche Dienstleistungen

Immer noch 59 Prozent der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen werden von Familien gesteuert. Unter die schwammige Kategorie fallen beispielsweise die Vermietung von Fahrzeugen, die Überlassung von Arbeitskräften oder auch Reisebüros.

Freiberufler, Wissenschaftler, Techniker

Die nächste breite Kategorie im Ranking sind die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Mehr als die Hälfte (56,4 Prozent) dieser Firmen werden von Familien geführt.

Verkehr und Lagerei

Etwa 53 Prozent der großen Verkehrsunternehmen werden von Familien geführt. Dazu gehört unter anderem die Logistikbranche mit Firmen wie Kühne und Nagel, Dachser oder Rhenus.

Grundstücks- und Wohnungswesen

Genau die Hälfte aller großen Immobilienunternehmen sind Familienunternehmen. Dominiert wird die Immobilienbranche zwar von großen Unternehmen wie Deutsche Annington oder Deutsche Wohnen. In der Breite führen aber noch viele Familien die Geschäfte in dieser Branche.

Managergeführte Unternehmen sind allerdings größer als Familienunternehmen. Im Schnitt erwirtschafteten 3.400 Mitarbeiter 2012 einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro. Bei den großen Familienunternehmen sorgten im Mittel nur 1.100 Beschäftigte für einen Umsatz von 268 Millionen Euro.

Kommentare (1)

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Herr Fred Meisenkaiser

20.02.2015, 11:13 Uhr

Ist völlig klar! Nicht die Gier nach dem schnellen Geld - oft zuLasten des Unternehmens - sondern langfristiges Wirtschaften ist die Basis des Wirtschaftens!

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