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07.01.2010

14:41 Uhr

Mittelstand

Wie Firmen auf dem Land um Personal werben

VonLaura Frommberg

Viele Bewerber möchten am liebsten in der Stadt arbeiten. Das bekommen zumindest viele Unternehmen im ländlichen Raum zu spüren, die sich oft besonders um neue Arbeitnehmer bemühen müssen. Dabei gehen sie bisweilen recht ungewöhnliche Wege.

Unternehmen aus dem ländlichen Raum müssen sich oft besonders um Bewerber bemühen. gms

Unternehmen aus dem ländlichen Raum müssen sich oft besonders um Bewerber bemühen.

KÖLN. Als Hossein Gouhari Mitte Oktober einen Präsentkorb zugeschickt bekam, staunte er nicht schlecht. Der Absender: der südniedersächsische Prothesenhersteller Otto Bock, bei dem er sich gerade um einen Job beworben hatte. Der Inhalt: Göttinger Rotwein, edles Salz aus dem Harzer Bergwerk und eine echte Eichsfelder Mettwurst - alles regionale Spezialitäten. "Da war ich beeindruckt", sagt Gouhari. "Von anderen Arbeitgebern kannte ich so etwas nicht." Das Unternehmen, bei dem der 30-Jährige seit November arbeitet, leidet unter Fachkräftemangel. Und es ist eine von 64 Firmen des Regional-Marketing-Projekts Genius Göttingen, das hinter der Idee mit dem Präsentkorb steckt.

Genius Göttingen will dem Mangel an Fach- und Führungskräften in der Region entgegenwirken - viele potenzielle Bewerber kennen den Standort nicht. Das liegt, so Marc Diederich, Regionalmanager bei Genius Göttingen, auch daran, "dass es bei uns keinen Großkonzern gibt, mit dem jeder die Region verbindet".

Es sind vor allem Mittelständler die dort arbeiten - und unter dem Stigma der strukturschwachen Region leiden. "Wenn jemand Wolfsburg hört, denkt er an Volkswagen. Bei Duderstadt, Northeim oder Osterode wissen die meisten nicht einmal, wo genau es liegt", sagt Diederich. Dabei ist Otto Bock in der Prothetik weltweit Marktführer.

Der Nachwuchs steht auf Städte Das Standortproblem betrifft nicht nur Südniedersachsen: Der Karriereatlas des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos zeigt, dass junge Fach- und Führungskräfte hauptsächlich Städte und Ballungszentren als Top-Gegenden wahrnehmen. In ländliche Regionen zieht es sie dagegen kaum. Unternehmen in diesen Gegenden setzen deshalb verstärkt auf gemeinsames Regionalmarketing.

In Niederbayern und Oberfranken arbeiten Unternehmen im "IT-Forum" und im "Personet Oberfranken" zusammen. Die Netzwerke sehen sich in erster Linie als Ansprechpartner für die Unternehmen. "Es geht darum, dass potenzielle Bewerber unsere Region als attraktiven Standort wahrnehmen", so Nadine Schoberth, Geschäftsführerin von Personet. Für Schoberth entscheidet auch das Wir-Gefühl über den Erfolg der Personet-Projekte.

Kommentare (1)

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Jan

07.01.2010, 17:01 Uhr

Otto bock hat auch eine 42 Stunden Woche ohne Lohnausgleich eingeführt, da kann man auch eine Wurst bezahlen.

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