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15.06.2012

09:37 Uhr

Mittelstandsfinanzierung

Mit der richtigen Rechtsform den Fiskus ausbremsen

VonSaskia Jonker

Es gibt gute Gründe, die Produktion ins Ausland zu verlegen. Doch viele leisten sich bei der Expansion einen teuren Fehler: Sie wählen die falsche Gesellschaftsform. Was Unternehmen beachten sollten.

20 Prozentpunkte an Gewinnsteuern können Unternehmen bei ihren Osteuropa-Töchtern sparen. APN

20 Prozentpunkte an Gewinnsteuern können Unternehmen bei ihren Osteuropa-Töchtern sparen.

FrankfurtNiedrige Löhne, niedrige Transportkosten und ein wachsender Absatzmarkt: Für deutsche Firmen gibt es viele gute Gründe, ihre Produktion nach Osteuropa zu verlegen. Doch viele leisten sich bei ihrer Expansion gen Osten einen teuren Fehler: Sie gründen ein Unternehmen und wählen dafür die falsche Gesellschaftsform.

Manche Unternehmen zahlen dadurch 20 Prozent mehr Steuern, als sie müssten, weiß Markus Suchanek, Steuerberater und Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton. „Vor allem in Polen können sie die Steuern auf dem niedrigen Niveau von 19 Prozent einfrieren. Sie müssen nur die richtige Rechtsform für ihre Tochterunternehmen wählen“, sagt er. Die Mehrheit der Mittelständler entscheidet sich derzeit für eine steuerlich ungünstige Rechtsform, meint er.

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Denn für Osteuropa raten Steuerberater vielen Unternehmen, eine Gesellschaft mit begrenzter Haftung (GmbH) zu gründen. Das ist unter anderem in Tschechien, Polen und Ungarn möglich. Der Vorteil: Die Eigentümer des Unternehmens haften nur eingeschränkt. Der Nachteil: Die deutschen Gesellschafter müssen bei einer Ausschüttung alle Gewinne, die bei dieser GmbH anfallen, mit ihrem persönlichen Einkommensteuersatz in Deutschland versteuern. Für viele greift dabei der Höchststeuersatz von 42 Prozent.

Das lässt sich günstiger regeln, indem man eine besondere Form der Kommanditgesellschaft (KG) gründet, vergleichbar mit einer deutschen GmbH & Co KG. Formal handelt es sich dabei um eine KG. Doch als voll haftender Kommanditist wird eine GmbH eingesetzt. Auch bei dieser Rechtsform ist die Haftung eingeschränkt. Steuerlich hat diese Lösung laut Suchanek einen großen Vorteil: Der Gewinn einer solchen Auslandstochter ist in Deutschland oftmals steuerfrei. Das Finanzamt berücksichtigt den Gewinn, der in Osteuropa anfällt, nur für die Ermittlung des deutschen Steuersatzes der Gesellschafter.

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„Sollte sich der durchschnittliche Steuersatz der Gesellschafter ohnehin schon den Höchstwerten von 42 Prozent oder 45 Prozent annähern, fällt für den im Ausland erzielten Gewinn keine nennenswerte deutsche Steuer an“, sagt Suchanek. Nach seinen Berechnungen sinkt die Gesamtsteuerbelastung des Gesellschafters dauerhaft um bis zu 20 Prozentpunkte. Statt 39,5 Prozent, die sonst in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn fällig werden können, sind es dann nur 19 bis 20 Prozent.

Die Gründung einer GmbH & Co. KG ist etwas teurer als die einer GmbH. In Polen kostet sie zum Beispiel 2.000 Euro mehr. Die niedrigeren Steuern gleichen das aber schnell aus. Auch nachträglich können Unternehmer die Rechtsform einer Auslandstochter ändern. Allerdings sollten dort noch keine nennenswerten Gewinne angefallen sein. Andernfalls müssten diese beim Rechtsformwechsel in Deutschland fiktiv versteuert werden.

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