Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.10.2012

16:34 Uhr

Möbel-Hersteller

Interlübke meldet Insolvenz an

Zu Jahresbeginn hatte der Luxusmöbel-Hersteller Interlübke noch verkündet, rechtzeitig zum 75-jährigen Bestehen sei man wieder in der Erfolgsspur. Doch jetzt meldete das Traditionsunternehmen Insolvenz an.

Der geschäftsführende Gesellschafter des Möbelherstellers Interlübke, Leo Lübke. dpa

Der geschäftsführende Gesellschafter des Möbelherstellers Interlübke, Leo Lübke.

Rheda-WiedenbrückDer traditionsreiche Möbelhersteller Interlübke hat Insolvenz angemeldet. Der Antrag auf Insolvenz sei am Vortag beim Bielefelder Amtsgericht eingereicht worden, meldete das Unternehmen am Dienstag. Der Antrag gelte nur für Interlübke und nicht für das Schwesterunternehmen Cor, betonte eine Sprecherin. Interlübke schreibt seit 2009 rote Zahlen.

„Wir kämpfen um die Fortführung von Interlübke“, erklärt der Geschäftsführende Gesellschafter Leo Lübke. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Norbert Küpper aus Verl bestellt. Er wollte sich zunächst nicht zur Zukunft des Unternehmens äußern.

„Zum Insolvenzantrag führten drei Faktoren: untragbare Altlasten auf Basis einer wesentlich höheren Unternehmensgröße, der gewandelte Stellenwert des Systemmöbels und eine durch konjunkturelle Schwankungen bedingte, schwache Auftragslage seit März 2012“, hieß es in der Mitteilung. Zuletzt hatte Interlübke nach Angaben der Sprecherin Helga Sonntag-Kunst 269 Arbeiter und Angestellte sowie acht Auszubildende.

Beiräte im Mittelstand: Abschied von Rotweinrunde und Familienklüngel

Beiräte im Mittelstand

Abschied von Rotweinrunde und Familienklüngel

Im eigenen Saft schmoren, Entscheidungen im stillen Kämmerlein treffen, nur auf den Familienrat hören? Immer mehr Mittelständler setzen auf die externe Expertise erfahrener Beiräte – und steigern so ihren Erfolg.

Zu Jahresbeginn hatte der Möbelhersteller Möbel noch Fortschritte gemeldet. Erstmals seit 2007 war Interlübke 2011 wieder gewachsen, und zwar um 6,2 Prozent auf knapp 35 Millionen Euro Umsatz. Im Erfolgsjahr 2007 waren es 46 Millionen Euro, 2010 nur noch knapp 33 Millionen Euro gewesen.

Zu Gewinnen oder Verlusten macht das Unternehmen in der Regel keine Angaben. Als im Mai Geschäftsführer Lübke aber ein Restrukturierungsprogramm ankündigte, war von Verlusten seit 2009 die Rede. Die konjunkturelle Entwicklung sei Auslöser, „den Betrieb zu verschlanken, unser Produktprogramm noch wettbewerbsfähiger zu gestalten und die Kapazitäten durch Auftragsproduktionen stärker auszulasten“. Die Trennung von bis zu 40 Mitarbeitern wurde angekündigt.

Abnehmer deutscher Möbel

Steigende Exporte

Deutsche Möbel sind im Ausland beliebt. Die meisten Nationen in den Top Ten haben von Januar bis Oktober 2011 sogar noch mehr als im Vorjahrszeitraum eingekauft. Die Zahlen hat der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) erhoben.

Platz 10

Auf Platz zehn kommen die USA. Über den großen Teich wurden von Januar bis Oktober 2011 deutsche Möbel im Wert von 224 Millionen Euro exportiert. Das sind 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Platz 9

Polen hat in den ersten zehn Monaten 2011 Möbel im Wert von 242 Millionen Euro importiert (plus 20,1 Prozent) - Rang neun.

Platz 8

Spanische Kunden haben deutsche Möbel im Wert von 259 Millionen Euro gekauft. Das sind 10,4 Prozent mehr als von Januar bis Oktober 2010.

Platz 7

Der achte Rang geht an die Italiener, die in den ersten zehn Monaten 2011 für deutsche Möbel 260 Millionen Euro ausgegeben haben. Das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum beträgt 14,4 Prozent.

Platz 6

In den ersten zehn Monaten 2011 gingen Möbel im Wert von 421 Millionen Euro nach Belgien, 5,1 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Platz 5

Auch die Briten interessieren sich für deutsche Möbel, denn sie haben von Januar bis Oktober 2011 Waren im Wert von 430 Millionen Euro importiert. Im Vergleich zu den ersten zehn Monaten 2010 sind das drei Prozent mehr.

Platz 4

Unsere Nachbarn aus den Niederlanden haben bis Oktober im vergangenen Jahr Möbel aus deutscher Produktion für 666 Millionen Euro gekauft. 2010 waren es noch 0,4 Prozent mehr.

Platz 3

Nach Österreich gingen Möbel im Wert von 774 Millionen Euro. Im Vergleich zu den ersten zehn Monaten 2010 sind das sechs Prozent mehr.

Platz 2

Auch die Eidgenossen erfreuen sich an deutschen Möbeln. Die Schweizer kauften bis Oktober Waren im Wert von 835 Millionen Euro (plus 16,4 Prozent).

Platz 1

Unangefochten an der Spitze liegen aber die Franzosen. Sie haben von Januar bis Oktober 2011 deutsche Möbel im Wert von 1,165 Milliarden Euro importiert. Der Zuwachs zum vergleichbaren Zeitraum im Vorjahr beträgt 13,3 Prozent.

Die Entscheidung über die weitere Restrukturierung von Interlübke wird zum Jahreswechsel erwartet, teilte Lübke jetzt mit. „Wir streben an, den Geschäftsbetrieb währenddessen fortzusetzen.“ Leo Lübke verantworte weiterhin die strategische Ausrichtung und operative Leitung des Unternehmens in Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, hieß es. Man habe im Frühsommer 2012 eine Restrukturierung eingeleitet, die wirtschaftlichen Erfolge könnten sich aber erst 2013 zeigen, sagte Lübke.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Hajoha

24.10.2012, 10:34 Uhr

......die Kinder und Kindeskinder der ersten Käufergeneration also nach dem letzten Krieg, denkt garnicht mehr daran, Möbel dieser Coleur zu kaufen. Warum nicht? Man gibt nicht mehr diese Unsummen für Möbel aus, die das kosten, was interlübke hergestellt hat. Viele weitere Faktoren spielen eine fundamentale Rolle. U. a. kauft man eher Einzelstücke, will flexibler sein. Kauft also keine Schrankwände mehr. Hängt nicht mehr ein Leben lang an der großen Schrankwand. Trennt sich eher früher vom Möbel wie vom Partner. Die Scheidungsraten sprechen eine deutliche Sprache. Hätte man den Weg über das Einzelstücke einschlagen sollen? Ja, unbedingt. Und das auch noch zu bezahlbaren Preisen. Dazu hat Ikea mit gutem Design und preiswerten Möbeln bei den jungen gebildeten Nachkommen der Vorgängergeneration ein übriges getan. Die Umsatzzahlen von Ikea sprechen eine deutliche Sprache. Dazu kommt, daß der jetzige Inhaber Leo Lübke keine zwei Firmen gleichzeitig und verantwortbar lenken und leiten kann. Ihm fehlte das Herzblut der verantwortbaren Vorgängergeneration. Leo ist Polstermöbelmann, als Nachfolgert von Helmut, dem viel zu früh verstorbenen Vater. Und darum besteht kaum eine Möglichkeit die Firma zu retten. Sie wird endgültig in absehbarer vom Markt verschwinden. Und der Oberprolet Hülsta reibt sich die Hände und freut sich des Niedergangs von interlübke. Interlübke hat es auch nicht verstanden, den Händler mit menschlicher Wärme zu empfangen und zu begleiten. Es war immer eine Art Arroganz und Hochnäsigkeit bei dieser Firma zu spüren. Wie gehts weiter? Für Interlübke absolut nicht mehr, und für Cor wirds mehr als schwierig, weil Copien dieser Modelle von Billiganbietern angeboten wird. Auch bei Cor gilt es jetzt in der Kalkulation die Preise nicht auf die Spitze zu treiben. Wenn man 50 Jahre mit beiden Firmen gearbeitet hat, weiß man wie der Wind geweht hat und weiter wehen wird. Die jungen Leute von heute handeln eben anders als ihr Väter. Das Wertegefühl ist nicht mehr.

ciekay

05.11.2012, 16:27 Uhr

Made in Germany - Die junge Generation .Das hochpreisige Niveau - auch wenn raffiniert gefertigt- sei es die Technik oder die Oberflächen habe ich in meinem Auslieferungsleben nur die Ältere Kundenschar- die das Geld haben, oder junge Russen, die hier heimisch geworden sind, als Kunden gehabt. Schade- Interlübke ist der Mercedes unter den Wert&Wohnmöbeln.Aber auch für ein Element Base (1m) mit 2 Einlegeböden und Kleiderstange 750€ statt 978€ Rettet dieses Unternehmen nicht mehr.
Ich kenne auch viele Monteure, die Interlübke aufgebaut haben- da muß man sich reinarbeiten- aber es ist "HiTech"
Nicht nur mal ruckzuck- auf Zeit aufgebaut!Das wird auch viele Händler abgeschreckt haben. Ein Interassantes Highlight von Interlübke war das Programm "REEF" mit unterschiedlichen Tiefen- klasse! Hat mir viel Spaß gemacht. Aber- Du brauchst die Zeit- mußt Dich mit der Materie vertraut machen. Das sehen die MöbelUnternehmer nicht.Auch das Bettensystem Malo- mit den Panelen- um die richtig auszurichten und alles ordentlich zu montieren hat es schon einen Tag gedauert. Auch die Schränke- alles ist eigentlich wie beim Schweden- sehr Montageintensiv- aber aufgrund der hochwertigkeit bist du natürlich doppelt vorsichtig. Für einen 6 Türigen Schrank haben wir schon 1 Tag veranschlagt! Jetzt gibts natürlich wieder Besserwisser, die bauen dann 2 Interlübkeschränke inerhalb von 12 Stunden ein- ist klar!Habe ich auch schon erlebt: Türe- Lack ab, Seite beschädigt( Transport) etc- weil ja die meisten Möbelhäuser nach Promille gehen.
Es gibt sogar Möbelhäuser, da wird dir der Schaden vom Lohn abgezogen- egal ob du das warst, oder nicht.Alles wird auf Zeit abgerechnet.
Interlübke hat eine Philosophie entwickelt, deren Wert leider auch von den Sprößlingen der Urgenaration nicht mehr erkannt wird. Es ist ein Zeitloses Design mit dem die Generation umziehen kann. Statt dessen wird im Zeitgeist lieber weggeworfen. Schade. Aber mit dem Biedermeier war es ja genauso.
RIP Interlübke

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×