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27.01.2011

08:30 Uhr

Motorsägenhersteller

Reibungsloser Generationenwechsel bei Stihl

VonWaldemar Schäfer

Vor über 80 Jahren baute der Ingenieur Andreas Stihl seine erste Benzin-Motorsäge. Vier Jahrzehnte später gelang seinen Kindern, Weltmarktführer bei Motorsägen zu werden - und bis heute zu bleiben. Ein eigens geschaffenes Vertragswerk sorgt dafür, dass Familie und Unternehmen sich nicht voneinander trennen.

Rüdiger Stihl, Aufsichtsrat der Stihl AG. dpa

Rüdiger Stihl, Aufsichtsrat der Stihl AG.

Mittagszeit im Stammwerk der Andreas Stihl AG & Co KG in Waiblingen unweit von Stuttgart: In der Reihe vor der Essensausgabe stehen zwischen Arbeitern und Angestellten Mitglieder der Eigentümerfamilie Stihl. Hans Peter Stihl, der persönlich haftende Gesellschafter, Eva Mayr-Stihl, Gerhild Schetter geb. Stihl und Rüdiger Stihl. Mitunter auch deren Kinder und Enkel.

Geduldig warten sie, mit dem Tablett in der Hand, bis sie ihr Essen bekommen. Ihr einziges Privileg: Ein Tisch - der zweite vorne links - ist für die Familie reserviert. Auf ihm liegt Besteck, stehen Gläser und kalte Getränke, auch wenn einmal niemand aus der Familie zum Essen kommt.

Schon dem Gründer war die Nähe zur Belegschaft sehr wichtig. Bei seinen Kindern hat sich das nicht geändert. Zwar zog sich die Familie 2002 aus dem Management zurück. Über den Beirat kontrollieren Hans Peter Stihl und seine Geschwister jedoch unverändert das Unternehmen. Nach wie vor wissen sie, was beim Weltmarktführer bei Motorsägen läuft, der auch andere Motorgeräte für die Garten- und Parkpflege sowie die Land- und Forstwirtschaft herstellt. Die Stihl-Gruppe besteht aus der Holding, dem Stammhaus mit sieben Werken, einer Vertriebsgesellschaft im Inland und 34 Auslandsgesellschaften. Sie beschäftigt fast 11 000 Mitarbeiter und erreicht mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz.

Noch heute besucht Hans Peter Stihl, der mittlerweile 78 Jahre alt ist, Jahr für Jahr nicht nur alle Inlandswerke, sondern auch die ausländischen Produktionsgesellschaften in Brasilien, China, Japan, der Schweiz und in den USA. Seine Reisen führen ihn außerdem zu den wichtigsten Vertriebsgesellschaften und Vertriebspartnern rund um den Globus. Hier bekommt er Marktinformationen aus erster Hand. Seine Erkenntnisse notiert er auf dem Rückflug. Und wie eh und je gibt er sie umgehend nach seiner Rückkehr weiter. Heute an den Vorstand, früher an die zuständigen Mitarbeiter. Andererseits lässt er sich - vor allem vor Ort - über alle technischen Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Damit bleibt er mit allen Produkten bestens vertraut.

Und er behält im Blick, ob die fünf Prozent des Umsatzes, also rund 100 Millionen Euro, gut angelegt sind, die jährlich in Forschung und Entwicklung investiert werden. Dies soll den Marktanteil von rund 33 Prozent bei Motorsägen sichern und die Marktposition anderer Geräte weiter verbessern. Nicht zuletzt mit neuen, mit Akkus ausgerüsteten Geräten.

Schwester Eva Mayr-Stihl, lange Jahre Finanzchefin, achtet unverändert darauf, dass sparsam gewirtschaftet wird. Ihr ist es mit zu verdanken, dass die Stihl-Gruppe heute über eine hohe Eigenkapitalquote von 65 Prozent verfügt.

Von einem Unternehmen heutiger Größe und finanzieller Stärke hat Andreas Stihl, der 1926 das Unternehmen gründet, vermutlich nie geträumt. Inflation, Kriegs- und Nachkriegszeit bescherten ihm immer wieder Krisen, bis hin zu einem Vergleichsverfahren. Den großen Durchbruch schafften ab den 70er-Jahren seine Kinder Hans Peter und Eva, zu denen später auch Rüdiger Stihl in die Geschäftsführung eintritt. Sie expandieren, treiben die Internationalisierung - die der Vater im Vertrieb begann - auch auf dem Gebiet der Produktion voran. Gegen einen harten Wettbewerb im In- und Ausland erringen sie in den 70er- Jahren die Weltmarktführerschaft bei Motorsägen, die sie noch heute innehaben.

Kommentare (8)

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Wie schön für die wo dort arbeiten

27.01.2011, 12:08 Uhr

Als deutscher mit Ausbildung und beruf bin ich nicht reingekommen. Dafür arbeiten aber sehr viele Ausländer ohne Ausbildung dort.
Dass ist kein Neid, aber ich hätte mir hier ein Häuschen gekauft, die anderen bauen sich etwas in der Türkei oder Griechenland auf.
Naja ist doch ein Unternehmen mit einem faden Gschmäckle!!!!

palindrom

27.01.2011, 12:57 Uhr

vielleicht liegt es daran,dass die ausländer besser deutsch sprechen können.

also ist es schön für die, die dort arbeiten!

gruß

ein ausländer

die wo dort arbeiten

27.01.2011, 13:09 Uhr

Ein fades Geschmäckle hätte es,wenn einer meiner Kollegen,egal ob Deutscher,Türke oder Grieche,entlassen wird,um Dich einzustellen.
STiHL kan nun mal keine 5 Millionen Arbeitssuchenden einstellen.

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