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05.09.2016

16:34 Uhr

Movinga

„Wir sind zu schnell gewachsen“

VonMiriam Schröder

Vom gefeierten Start-up zum Problemfall: Die Umzugs-Plattform Movinga hat ein Drittel der Mitarbeiter entlassen. Auch die Gründer gingen. Geschäftsführer Finn Hänsel erklärt im Interview, wie sich die Firma in Zukunft aufstellen will.

Jochen Cassel, Finn Hänsel, Christoph Müller-Guntrum (von links) sollen das Unternehmen wieder auf Kurs bringen. Movinga

Die neuen Geschäftsführer von Movinga

Jochen Cassel, Finn Hänsel, Christoph Müller-Guntrum (von links) sollen das Unternehmen wieder auf Kurs bringen.

Bis vor kurzem galt die Umzugs-Plattform Movinga in Berlin als Vorzeige-Start-up. Große Investoren wie Rocket Internet beteiligten sich. Dann kam der tiefe Fall: Es wurden Märkte zugemacht und ein Drittel der Mitarbeiter entlassen. Auch die Gründer gingen. Die Geschäfte führen jetzt Jochen Cassel, Christoph Müller-Guntrum - und Finn Hänsel, der schon seit November dabei ist.

Herr Hänsel, zuletzt lief es nicht so gut bei Movinga. Im Juni haben Sie 180 Leute entlassen, und Ihre Gründer gleich mit.
Da muss ich etwas klarstellen: Die Gründer haben die Firma auf eigenen Wunsch und im besten gegenseitigen Einvernehmen verlassen. Es stimmt aber leider, dass wir uns von knapp 120 Mitarbeitern trennen mussten, da wir zwei Länder geschlossen haben. Mit Praktikanten und freien Mitarbeitern waren es sogar noch etwas mehr. Das ist uns nicht leicht gefallen.

Wie kam es überhaupt dazu? Im Januar stand Movinga noch ziemlich gut da. Sie hatten gerade ein Investment von rund 20 Millionen Euro bekommen. Aber im Juni brauchten Sie schon wieder neues Geld.
Wir haben viel Geld in Wachstum investiert, und wir sind ja auch sehr stark gewachsen. Rückblickend betrachtet muss man vielleicht sagen: Zu schnell. Movinga wurde ja erst Anfang 2015 gegründet, im Juni dieses Jahres waren wir knapp 500 Leute und aktiv in sieben Ländern. Bei diesem Tempo ist die Firma mit der Skalierung einiger wichtiger Prozesse nicht hinterhergekommen.

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Die CDU verleiht einen Preis an das Start-up Movinga, das kürzlich ein Drittel seiner Belegschaft entließ. Die Auszeichnung wirft die Frage auf, wie nachhaltig der Hype um junge Firmengründer wirklich ist.

Was für Prozesse?
Die Buchhaltung, um nur ein Beispiel zu nennen. Nach einem Umzug mussten wir das Unternehmen, das ihn durchgeführt hat, bezahlen und dem Kunden eine Rechnung schicken. Als es immer mehr Umzüge wurden, kamen wir da nicht so schnell hinterher. Das hat dazu geführt, dass unsere Außenstände zwischenzeitlich unverhältnismäßig hoch waren.

Die Kunden sollen auch nicht so zufrieden gewesen sein, es gibt jede Menge schlechter Bewertungen im Internet.
Die übergroße Mehrzahl unserer Kunden ist sehr zufrieden. Aber die Menschen schreiben schneller eine Bewertung, wenn sie sich über etwas aufregen. Bei einem Umzug stehen die meisten Leute sowieso unter Stress. Wenn dann noch etwas schiefgeht, jemand zu spät kommt, oder etwas kaputtgeht, reagiert man darauf – verständlicherweise – auch mal sehr emotional. Natürlich ist es unser Ziel, dass jeder unserer Kunden mit uns zufrieden ist. Daran arbeiten wir jetzt noch einmal deutlich konsequenter als bisher.

Wie konnte denn so viel schiefgehen?
Auch das hat mit typischen Kinderkrankheiten eines Start-Ups zu tun. Wenn man von null anfängt, kann man noch nicht wissen, welche Partner zuverlässig sind und welche nicht. Wir hatten sehr schnell eine sehr hohe Nachfrage und mussten entsprechend viele Unternehmer gewinnen, für ein Start-up zu arbeiten, dass erst ganz neu am Markt war. Inzwischen arbeiten wir ausschließlich mit Partnern zusammen, mit denen wir positive Erfahrungen gemacht haben.

Viele Umzugsunternehmer lehnen es aber auch ab, mit Movinga zusammenarbeiten. Der Verband der Möbelspediteure hat öffentlich beklagt, dass Sie die Preise, die Sie den Spediteuren zahlen, zu niedrig sind. Welchen Anteil an einem Auftrag behalten Sie denn ein?
Unser Anteil ist sehr fair kalkuliert. Setzen unsere Partner die Einsparungen bei Transaktions- und Marketingkosten sowie ihre gesteigerte Auslastung in Relation, ist Movinga ein richtig gutes Geschäft für sie. Movinga ist nicht disruptiv im destruktiven Sinne, sondern will die Win-Win-Win-Situation. Wir eröffnen den mittelständischen Speditionen die Chancen der Digitalisierung. Es ist daher auch toll zu sehen, wie viele unserer zufriedenen Partner gemeinsam mit uns wachsen.

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