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10.01.2010

10:00 Uhr

Neue Firmen

Die Gründe der Gründer

VonJuliane Wedemeyer

Gerade in der Krise braucht ein Land Unternehmer. Von ihnen hängt ab, ob sich die Wirtschaft erneuert. Sie müssen mutig sein und entscheiden. In Deutschland entstehen mehr Firmen, als vom Markt verschwinden. Trotzdem wagen die Deutschen seltener die Selbstständigkeit als andere.

Gerhard Winkler ist ein Arbeitgeber mit Verantwortung. Martin Jehnichen

Gerhard Winkler ist ein Arbeitgeber mit Verantwortung.

EISLEBEN. Als Gerhard Winkler nächtelang wach neben seiner Frau im Bett lag und über seine Idee nachsann, die Idee von einem mitwachsenden Schülerstuhl, den er selber herstellen würde, hatte er auch ein Jobangebot als Geschäftsführer vorliegen. Er hatte also die Wahl zwischen der Sicherheit eines gut bezahlten Arbeitnehmerdaseins und dem Risiko eines Arbeitgebers.

Gegen die statistische Wahrscheinlichkeit entschied er sich für das Risiko. Er nahm einen Kredit auf, kaufte eine alte Fabrik, baute die aus, produzierte selbst.

Heute, 15 Jahre später, weiß er, dass er richtig entschieden hat. Heute sitzen Schulkinder in Luxemburg, Belgien, in Dubai und Deutschland auf seinen Möbeln. Sein Unternehmen expandiert, hat 2009 neun Millionen Euro Umsatz gemacht. Gerhard Winkler, 62 Jahre, ist der Besitzer der Schulmöbelfabrik „project“ in Eisleben, der Lutherstadt in Sachsen-Anhalt.

Sein Büro liegt im obersten Stockwerk. Über eine Galerie, die innen um die Fabrik führt, durch das Vorzimmer mit der Sekretärin gelangt er dorthin. Es ist ein großer Raum mit eleganten Holzmöbeln. „Eigene Produktion“, sagt er.

Vielleicht ist der Stolz, der sich einstellt, wenn einer es geschafft hat, schon ein Teil der Antwort auf eine wichtige Frage: Wieso gründen Menschen Firmen und werden Unternehmer?

Die Deutschen haben mehr Angst als andere

Von der Antwort hängt die Zukunft ab, die Zukunft der Menschen, die Zukunft der deutschen Wirtschaft, die Zukunft Deutschlands. Neue Firmen mit neuen Ideen sind wichtig für die wirtschaftliche Erneuerung eines Landes. Und dessen Wohl und Wohlstand hängen wesentlich von denen ab, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. In der Krise vielleicht mehr als je zuvor.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr Unternehmen gegründet als dichtgemacht haben oder pleitegegangen sind. Das ist ermutigend, aber das bedeutet noch nicht, dass Deutschland plötzlich den Unternehmergeist neu entdeckt. Die Wirklichkeit ist etwas komplizierter. Nicht jeder, der eine Firma gründet, ist wie Gerhard Winkler.

Für Winkler war vor 15 Jahren vor allem eins entscheidend: dass er keine Angst vorm Scheitern hatte. Er sagt: „Dann hätte ich es nicht gemacht.“ Dazu kam der Reiz, Dinge selbst zu gestalten. Winkler kannte aus seiner langjährigen Berufstätigkeit als Dreher und später als Ingenieur einige Firmenchefs persönlich. Da habe er gedacht: „Was die können, das kann ich auch.“ So denkt nur jeder Dritte in Deutschland. Im aktuellen „Global Entrepreneurship Monitor“, einer beispiellos breit angelegten internationalen Studie, die in Deutschland die Bundesagentur für Arbeit herausgibt, werden die Gründerquoten von 43 Ländern verglichen. Vorne stehen die USA mit rund neun Prozent, Südkorea, Island. Deutschland dagegen kommt mit nicht einmal vier Prozent auf den viertletzten Platz.

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