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21.01.2010

10:34 Uhr

Neues Hall-of-Fame-Mitglied

Friedrich von Metzler und das Geheimnis der Langlebigkeit

VonRobert Landgraf

„Zukunft braucht Herkunft“ – frei nach diesem Motto führt der Bankier Friedrich von Metzler die älteste deutsche Privatbank in Familienbesitz. 335 Jahre hat das Traditionshaus nunmehr auf dem Buckel und dabei zahlreiche Krisen überstanden, inklusive der aktuellen. Dabei zählt nicht die Außendarstellung, allein auf die Substanz kommt es an.

FRANKFURT. „Es fehlt an gesundem Menschenverstand“, sagt Friedrich von Metzler angesichts der aktuellen Finanzkrise. Metzler, ein Name, der längst Programm ist. Er steht für die älteste Privatbank in Familienbesitz in Deutschland. Gegründet 1674 in Frankfurt am Main geht das Bankhaus zurück auf eine Tuchhandlung in der Mainmetropole. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts kam es zu einer Koppelung von Waren– und Kreditgeschäft, aus dem zahlreiche Banken hervorgingen. Darunter auch das Frankfurter Bankhaus Metzler.

Wer diese Geschichte im Rücken hat und seit elf Generationen mit dem Geld anderer Leute umgeht, der unterwirft sich nicht so schnell den Moden der modernen Finanzwirtschaft. Auch nicht im 21. Jahrhundert. Die Krise hat Friedrich von Metzler denn auch nicht überrascht, nur das Ausmaß: Weil viele Banken das nachahmten, was die Nachbarin vorgemacht hatte, ohne viel nachzudenken.

Insofern arbeitet das Bankhaus mit seiner 335-jährigen Geschichte in einer eigenen Liga: „Zukunft braucht Herkunft“, danach lebt Bankier Metzler, der Sprecher des achtköpfigen Partnerkreises des Instituts. Und deshalb haben er und seine Bank auch schwierigste Zeiten gemeistert. Nach 500 Jahren soll das auch noch so sein. In der Öffentlichkeit auffallen muss die Bank dabei aber nicht.

Mehr Sein als Schein. Wie geduckt steht das renommierte Haus Metzler im Schatten der 300 Meter hohen Zentrale der Commerzbank. Mit seiner hellen Fassade im Frankfurter Bankenviertel ist es unscheinbar, die graue Maus. Mit dem Eintritt in die Bank ändert sich das Bild grundlegend. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen in dem mit hellem Marmor gefliesten Foyer. Geschichte empfängt die Reichen und Superreichen, Carl Morgenstern, der deutsche Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts, zieht den Besucher mit seinem Bild „Hoffnung“, mit einem Blick auf das Frankfurt seiner Zeit in seinen Bann. Ein hell-blaues Biedermeier-Sofa lädt zum Bleiben ein, bis man zum Gespräch geholt wird. Sich Hineinsinken zu lassen, das traut sich aber keiner. Der daneben stehende Stuhl tut es auch, einfach, hart, ehrlich. Vielleicht ein Stück Demut angesichts der langen Firmengeschichte.

Demut haben sich auch die Metzlers aus der Großen Gallusstraße 18 bewahrt. Friedrich von Metzler trägt wie seine Vorfahren Verantwortung für ein Familienunternehmen. Freude und Pflicht zugleich. Versagt er, bekommt „FM“, wie er intern genannt wird, nicht nur Ärger mit den an der Bank beteiligten Verwandten; er ruiniert gleichzeitig ein jahrhundertealtes Unternehmen, setzt den Schlusspunkt unter eine einzigartige Geschichte. Das kann lähmend wirken – oder antreiben wie im Fall Metzler. „Mein Vater“, erzählt der 66-jährige Bankier, „hat immer zu mir gesagt: Man muss jeden Tag darüber nachdenken, ob das Geschäft die richtige Ausrichtung hat.“

Dieser ständige Wandel, die laufende Überprüfung der Bank auf neue Herausforderungen sind Metzler quasi in die Wiege gelegt worden. Bei der Entwicklung von Tuchhändlern zu Bankiers machten die Metzlers den größten Sprung als mit Friedrich Metzler ein herausragender Bankier 1771 in die Geschäftsleitung eintrat. Vielleicht auch deswegen, nicht nur wegen der Namensgleichheit, liebt es der heutige Friedrich, wenn ihm sein Vorfahr, der Geheime Kommerzienrat, mit offenem, wachem Blick bei Geschäften und Sitzungen über die Schulter schaut. Als ob der Blick des Zeitgenossen Goethes von der Ahnengalerie an der Wand eine starke Stütze sein sollte.

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