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20.01.2010

22:31 Uhr

Neues Hall-of-Fame-Mitglied

Heinrich Weiss und das Werk als Abenteuerspielplatz

VonWolfgang Gillmann

Heinrich Weiss hat das Familienunternehmen SMS aus dem Siegerland zu einem Weltmarktführer im Bau von Hütten- und Walzwerken aufgebaut. Seit 1971 ist Weiss an der Spitze des Konzerns und von Anfang an galt es für ihn, eins zu beweisen: Seine Qualifikation besteht nicht darin, "Sohn" zu sein. Der Erfolg gibt ihm Recht - nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene.

DÜSSELDORF. Es ist eine Ära des Umbruchs, im Großen wie im nicht ganz so Großen. Willy Brandt ist erster sozialdemokratischer Bundeskanzler, die Studenten revoltieren, die Söhne lehnen sich gegen die Väter auf. Auch in der Siemag Siegener Maschinenbau GmbH vollzieht sich Epochales: Am ersten Januar 1971 wird Heinrich Weiss Vorsitzender der Geschäftsführung. Er ist in diesen Tagen vor allem eins: Sohn. Das soll sich ändern, sehr. Mit nur 29 Jahren übernimmt er als Vertreter der vierten Generation von seinem Vater den Chefsessel eines Unternehmens mit sehr viel Tradition und nicht ganz so viel Geschäft. 1856 ist der Anlagenbauer für die Stahlindustrie gegründet worden, 1970 macht die Siemag 120 Mio. D-Mark Umsatz.

Mit Heinrich Weiss wechselt mehr als nur eine Generation. Eine neue Ära beginnt - und das soll sich schon auf den ersten Blick beweisen. Das Büro, in dem vorher der Vater residierte, erhält neue Zweckmöbel mit einem knallroten Sofa, die Wände verschönert der junge Chef mit einem Riesenposter, das Rennautos beim Start der Formel-Eins zeigt. Für Schnelligkeit hat er bis heute eine Schwäche.

Vater Bernhard Weiss ahnt, warum er sich in den Aufsichtsrat zurückzieht und im alten Büro nicht mehr blicken lässt. "Mir war klar, dass wir wegen des großen Altersunterschieds nicht zusammenarbeiten können", sagt Heinrich Weiss heute. Aber der Vater traut dem Sohn die Unternehmensführung zu und lässt ihn machen. Als der Vater zwei Jahre später mit nur 68 Jahren völlig überraschend stirbt, ist Heinrich Weiss voll eingearbeitet.

Das Verhältnis Vater-Sohn ist problematisch. "Der Vater war übermächtig und wir waren sehr unterschiedlich", sagt Heinrich Weiss. Es ist ein sehr deutscher Vater-Sohn-Konflikt. Bernhard Weiss war nicht nur ein Neffe von Friedrich Flick, er war dessen Vertrauter, einer der drei Stellvertreter. Flick wird vor das Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal gestellt und verurteilt, auch Weiss bekommt 18 Monate Haft aufgebrummt, obwohl er selbst nicht in der Nazi-Partei war.

Als einziger Sohn mit drei älteren Schwestern ist der Einstieg in das Unternehmen früh vorgezeichnet, doch der Vater hat ihn nie gedrängt. Der junge Heinrich wächst direkt neben der Fabrik am Stammsitz Hilchenbach im Siegerland auf. "Das Werk war mein Abenteuerspielplatz", sagt Weiss heute. Traktor und Lastwagen fahren kann er schon als Jugendlicher auf dem Werksgelände. Flugzeuge und Autos als frühe Hobbys beflügeln Berufswünsche. Das Hobby ist geblieben: Heinrich Weiss startet manchen Sonntag Morgen seinen Ruf-Porsche mit 700 PS und lässt es auf der Autobahn so richtig krachen.

Kommentare (1)

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kurt

21.01.2010, 16:31 Uhr

Der inhalt des Artikels kann von mir als langjährigem Mitarbeiter in Führungs-
funktion bei SMS nur bestätigt werden. Es gibt nur ganz wenige Familienunter-
nehmer mit der Qualität eines Heiner Weiss. Durch seine beispielhafte Führung
habe ich später selbst grosse börsennotierte Konzerne leiten können, von denen
man dann auch nichts negatives in der Presse gehört hat. Viele ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens haben dem Unternehmer Heinrich Weiss und seiner zielgradigen, ehrlichen Art vieles zu verdanken.

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