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26.03.2014

14:50 Uhr

Not macht erfinderisch

Maschinenbauer gründet Bank

Europäische Banken tun sich derzeit schwer damit, Kredite für Investitionen zu vergeben. Der schwäbischen Maschinenbauer Trumpf sieht das als Chance und gründet eine eigene Bank - mit einer relativ kleinen Bilanzsumme.

Die Geschäftsführer der Trumpf Financial Services GmbH, Dieter Ulrich (links) und Hans-Joachim Dörr: „Wir können passgenauere Finanzierungen anbieten.“ dpa

Die Geschäftsführer der Trumpf Financial Services GmbH, Dieter Ulrich (links) und Hans-Joachim Dörr: „Wir können passgenauere Finanzierungen anbieten.“

StuttgartDie Bankenkrise hat den Maschinenbauer Trumpf auf eine neue Geschäftsidee gebracht: Der schwäbische Mittelständler gründet eine eigene Bank zur Absatzfinanzierung. Wenn andere Geldhäuser, zum Beispiel in Spanien oder Italien, das Risiko scheuen, Investitionen zu finanzieren, will Trumpf seinen Kunden Kredite geben. „Wir können passgenauere Finanzierungen anbieten als Kreditinstitute, weil wir die Risiken realistischer einschätzen können“, sagte Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller am Mittwoch in Ditzingen. Bei den Automobilherstellern sei das schon gang und gäbe, für den Maschinenbau in Deutschland aber ein Novum.

Die Mini-Bank mit einer Bilanzsumme von gut 50 Millionen Euro geht aus der schon seit 2001 bestehenden Leasinggesellschaft von Trumpf hervor. Der Maschinenbauer holte mit Dieter Ulrich einen ehemaligen Manager der Deutschen Bank und ein Dutzend neue Mitarbeiter an Bord. Als Vollbank kann Trumpf Financial Services GmbH künftig auch Spareinlagen annehmen und Girokonten führen, um ihre Refinanzierung zu sichern.

Dank des EU-Passes kann die Bank in allen 28 EU-Staaten aktiv werden. Der Kundenkreis soll aber exklusiv bleiben: Kredite oder Leasing will Trumpf ausschließlich Käufern seiner eigenen Produkte wie Medizintechnik oder Werkzeugmaschinen anbieten. Ein Konto eröffnen und Geld anlegen können nur die fast 10.000 Mitarbeiter. "Wir haben uns hier eine Grenze gesetzt", sagte Finanzchef Harald Völker. Um die Risiken zu begrenzen, werde Trumpf auch die Finger vom Wertpapierhandel lassen.

Der Vorteil für die Maschinenkäufer seien keine viel niedrigeren Zinsen im Vergleich zu anderen Banken, erklärte Völker. Wichtiger sei, dass die Firmenkunden überhaupt an Geld kommen und die Kredite bei Zahlungsschwierigkeiten nicht sofort fällig gestellt werden. Das Neugeschäft an Finanzierungen von derzeit 150 Millionen Euro im Jahr will die Trumpf-Bank innerhalb von drei Jahren verdoppeln. Das Geldhaus soll Gewinn abwerfen, betonte der Finanzchef. Um wie viel sich der Absatz durch das neue Finanzierungsangebot steigern lässt, lasse sich allerdings nicht vorhersagen.

Von

rtr

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