Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.09.2011

12:24 Uhr

NS-Vergangenheit der Quandts

Die Wahrheit wurde zu lange verdrängt

VonThorsten Giersch

Nun ist sie endlich bekannt, die düstere Vergangenheit der Familie Quandt. Das hätte eher passieren müssen. Denn es gibt viel daraus zu lernen - auch für andere Unternehmen.

Nun liegt sie auf dem Tisch, die Wahrheit über die Vergangenheit der Familie Quandt. Die Enkel von Günther Quandt haben sie in Auftrag gegeben und herausgekommen sind Tatsachenberichte, die ihre schlimmsten Befürchtungen noch übertrafen. Der Großvater hat über 50.000 Zwangsarbeiter beschäftigt und war absolut skrupellos bei der sogenannten „Arisierung“ von jüdischem Firmeneigentum.
Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2011. Der Bericht war mehr als überfällig und es bleibt die Frage, warum die Erben eines Milliardenvermögens erst im Jahr 2008 einen Historiker beauftragten, um herauszufinden, wie ihr Firmenimperium wirklich entstanden ist? Und warum braucht es dafür einen Fernsehbericht, der die Vergangenheit dargestellt hat? Schließlich hatte der Journalist Rüdiger Jungbluth die dort vorgestellten Inhalte bereits 2002 in seinem Buch „Die Quandts“ niedergeschrieben. Damals sahen es die Erben nicht als notwendig an, ihre Familienarchive zu öffnen. Das passierte erst, nachdem ein Millionenpublikum an den Fernsehschirmen für die Quandt-Vergangenheit sensibilisiert war.
Man glaubt es der Erbin Gabriele Quandt, wenn sie im Hinblick auf ihre Familiengeschichte sagt: „Damit hat man schon sein Päckchen zu tragen.“ Und sie hat ebenfalls Recht mit der Behauptung, dass sich dieses Land nicht nur über zwölf Jahre Nationalsozialismus definieren sollte. Aber da gibt es eben auch noch die Aussage ihres Cousins Sven Quandt. Der hatte 2008 nach der Ausstrahlung des Fernsehfilms in einem Interview gesagt: „Wir müssen endlich mal versuchen, das zu vergessen“.

Gut, dass seine Familie nicht auf ihn hörte. Denn die Aussage ist grober Unfug und die jetzt erschienende Arbeit des Bonner Historikers Joachim Scholtysek ist genauso Gold wert wie das kürzlich erschienende Buch „Weltkonzern und Kriegskartell“ von Diamond Jeffreys, der die Rolle der IG Farben als wichtiger Helfer Hitlers erstmals umfangreich durchleuchtet hat. Auch hier sahen die Nachfolgeunternehmen BASF und Bayer über Jahrzehnte hinweg keinen Bedarf, das selbst in dieser umfangreichen Form in die Wege zu leiten.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Petra

26.09.2011, 13:31 Uhr

Hallo? Wann ist dieses Kapitel endlich zu Ende? Vermutlich erst dann, wenn es nichts mehr zu holen gibt! Wer redet jetzt noch von den Greueltaten in der Geschichte der Amerikaner, den Russen, den Chinesen, den Japanern, den Engländern, den Franzosen,.... ganz zu schweigen von den aktuellen Taten einiger Weltmächte!!! Der Deutsche Michel wird noch in 100 Jahren vor der Juden zu Kreuze kriechen und dafür bezahlen.

Klaus

12.09.2012, 17:51 Uhr

Solange es Meinungen wie die von Ihnen hier vertretene gibt, ist es ganz offensichtlich angebracht, das Kapitel nicht zu schließen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×